Französische Polizisten schreien „Ausziehen“, Norbert Hofer steht in der Stichwahl und wir haben einen Burkini-Selbstversuch in Salzburg gestartet.

Fotos: Jasmin Walter

Es ist ein träger Dienstagnachmittag im Salzburger Paracelsusbad. Ich stehe in der Umkleidekabine und mustere mich missmutig im Spiegel. Bei drei, nehme ich mir vor, gehe ich da raus. Draußen hört man Kinderstimmen. Ich zähle viermal bis drei, bis ich endlich aus der Umkleide trete.

Der Gang zu den Duschen erweist sich als Spießrutenlauf.

Blicke verharren länger als gewöhnlich auf meinem längeren-als-gewöhnlich-Badekostüm.

Die lauten Kinder werden ruhig, mit großen Augen werde ich gemustert, während ich in die Dusche steige und das Wasser vom Badestoff abperlen lasse.

Irgendwie ist alles wie im Film. In einem falschen Film.Die Kulisse ist die einer fröhlichen Badewelt hinter dem schwarzen Burkini, der sich auch badeunfreundlich aufbläht, als ich ins Wasser steige. Aber irgendwie ist es auch ein Aufeinanderprallen zweier Welten, denke ich mir, mache mühevoll die ersten Züge und erobere das Wasser: Die Konfrontation von Kulturen, die eine hypersexualisiert, die andere schamhaft. Schamhaft bin ich paradoxerweise gerade auch, weil ich jede Weiblichkeit züchtig verhülle und gerade deshalb auffalle.

Eine Mutter lächelt mir freundlich zu und scheucht ihre Kinder zu den Duschen. Ich sitze auf einer Stufe mit Keramikkacheln. Ein Pärchen tuschelt, zwei Damen auf Bahn sechs werfen mir skeptische Blicke zu. Jedenfalls bilde ich mir das ein. Später werden mir jene aber lachend sagen, dass sie bereits einen journalistischen Auftrag hinter der Aufmachung vermutet haben.

Mit Burkni im Hallenbad SalzburgViele Diskussionen sind dem Besuch im Hallenbad vorausgegangen, abends im Pub, am elterlichen Mittagstisch und in der Redaktion. Es gab hellauf begeisterte Stimmen, aber auch kritische. Die einen fanden es irrelevant und unnötig, andere abgedroschen, irgendwann fiel auch das Wort patronisierend. Schließlich trage ich hier keinen Burkini aus religiöser Überzeugung, noch aus Solidaritätsgefühlen mit dieser.

Aber ich habe diese eine kleine Sache mit den Musliminnen, die sich hierzulande für den Burkini entscheiden, gemein: Das Einfordern des Rechts, sich aus irgendeiner Überzeugung gegen die Konvention anziehen zu dürfen.

Was die Badegäste dazu sagten

Schließlich haben wir uns umgehört, ob diese Meinung auch die Badegäste teilen, die mich, mal mehr, mal weniger unauffällig, beäugen. Auch da gib es hellauf begeisterte Stimmen, aber auch kritische. Der Mann, der am Rande des Pools im Wasser auf und ab hüpft, findet den Burkini unpassend.

„Wenn ich in islamistische (sic!) Länder reise, muss ich mich auch anpassen.“

Und ein anderer fährt auf derselben Schiene: „Sowas passt nicht zu unserer Kultur. Außerdem hätte ich da Angst vor Terror, wenn sich Frauen so verhüllen.“

Im Gegensatz dazu meint der Schwimmer auf Bahn eins: „Ich bin selbst Moslem, daher bin ich sowas gewohnt. Anstand und Scham sind mir außerdem lieber als primitive, unanständige Sachen.“ Und:

„Wenn ich anfange, die Kleidung von Leuten zu kontrollieren, wo hört das dann auf? Jeder soll, wie er will.“

Ein Vater stützt sich am Beckenrand ab und sagt: „Wenn der Burkini diesen Wenigen die Möglichkeit gibt, zu schwimmen, ist das doch super. Es ist mir wurscht, ob jemand mit Burkini baden geht.“ Das Mädchen, das wir nach seinem Tauchgang auf Bahn zwei abfangen, sagt: „Ich finde es wunderbar, wenn eine Frau das Selbstvertrauen hat, zu tragen, was sie will und sich fit zu halten:“

Mit Burkini im Hallenbad in Salzburg

Und als wir letztendlich den Bademeister aufsuchen, dessen Rausschmiss ich wegen irgendwelcher Hygienevorschriften gefürchtet habe, meint dieser nur entspannt: „Mir persönlich ist es egal, was die Leute anhaben, solange der Stoff zum Baden geeignet ist und ich ihr Gesicht sehen kann.“ Auch etwas entspannter als zuvor ziehe ich mich dann aus dem Wasser, es rinnt über den Stoff und trieft auf die Hallenbadkacheln.