Aus dem Magazin

HEAST, wie kriegt man als lesbisches Paar ein Kind?

Eva und Michi waren für unseren Podcast HEAST vor dem Mikro – und haben soso viele Fragen beantwortet

Weil wir es in die ganze Welt hinausschreien, habt ihr es bestimmt schon gehört. Dieses Monat hat Podcast-Host Hendrik für unseren Podcast HEAST Michi und Eva zum Gespräch gebeten. Die beiden sind seit drei Jahren verheiratet, haben schon eine Tochter und erwarten bald einen Sohn. Wie aber geht das eigentlich? Wir haben diesen Part aus dem Podcast abgetippt. Enjoy! 

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Hendrik: Wie kommt man ohne Samen zum Kind?

Michi: Ohne Samen gar nicht (lacht).
Eva: Es fängt an wie bei jedem anderen Paar. Man bekommt den Wunsch nach einem Kind.

Michi: In Salzburg gibt es zwei uns bekannte Kinderwunsch-Kliniken. Wir haben uns dann aufgrund der Webseiten für eine entschieden. Konkret auch deswegen, weil auf dieser Webseite damit geworben wurde, dass die Behandlung für gleichgeschlechtliche Paare durchgeführt wird. Dann saßen wir mit anderen Paaren bei einem Infoabend. Bei diesem wird erklärt, wie die Chancen sind, wie die Abläufe sind. Da erfährt man von den unterschiedlichen Methoden, von sehr invasiv bis quasi natürlich.

Eva: Danach geht man wieder nach Hause. Dann weiß man viel, biologisch und faktisch. Wir haben das Ganze dann durchbesprochen und lange nachgedacht. Der große Unterschied zwischen so einer Empfängnis und einer zwischen Mann und Frau ist, dass man nicht einfach sagen kann: Komm, wir probieren das mal. Ich bin eher so der Planmensch und habe gleich begonnen, alles durchzurechnen und versucht, DEN richtigen Zeitpunkt zu finden. Bis ich draufgekommen bin: Den einen richtigen Zeitpunkt gibt es nicht.

Michi: Wir haben uns dazu entschieden, es auf die einfachste Weise zu probieren. Die heißt Insemination. Das bedeutet, dass einfach nur der Samen eingeführt wird. Bei mir gab es ja keinen medizinischen Grund, warum ich keine Kinder kriegen sollte.

Eva: Genau, der Plan war: Samen in Spritze und Spritze rein. Mit diesem Vorhaben sind wir wieder in die Klinik gegangen.

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Hendrik: Woher kommt der Samen?

Michi: Das haben wir uns auch gefragt. Eines war schnell klar: Es ist nicht so, wie es uns die amerikanischen Filme glauben lassen. Es gibt keinen Katalog, aus dem man sich den großen, dunkelhaarigen Schachprofi aussucht. So funktioniert das nicht. Zuerst werden medizinische Untersuchungen durchgeführt, Blutwerte angesehen, solche Sachen. Dann sucht die Klinik einen passenden Spender aus. Da gibt’s unterschiedliche Kriterien, unter anderem auch Aussehen. Weil wir beide sehr helle Haut haben, wäre zum Beispiel kein dunkelhäutiger Spender ausgesucht worden. Natürlich müssen dann auch Blutgruppe, etc. passen.

Hendrik: Aber dann ist es ja trotzdem irgendwie ein Katalog, oder? So eine eigene Samenbank der Klinik?

Michi: Es gibt schon so was wie eine internationale Samenbank. Der Spender muss ja nicht aus Österreich kommen, der kann ja überall zuhause sein.

Eva: Die Klinik ist international. Aber es gibt auch Regeln, wie viel Samenportionen in Österreich von einer Person in den Umlauf gebracht werden dürfen. Sonst hat man ja theoretisch die Chance, dass sich zwei treffen, die Halbgeschwister wären. Die Portionen sind sehr limitiert.

So sieht der Mensch von der Host-Stimme aus: Hendrik

Hendrik: Also, versteh ich das richtig: Ich geh zur Klinik und geb meinen Samen ab. Kann ich das nur eine begrenzte Anzahl lang machen?

Eva: Nein, so wie ich das verstanden habe, kannst du so oft wie möglich, aber der Samen wird nach einer gewissen Menge in einem anderen Land in Umlauf gebracht.

Hendrik: Aber in der Theorie könnte ich als Mann 100 Kinder haben?

Eva: Ich denke, dass das so ist.

Michi: Da haben wir uns jetzt nicht so beschäftigt. In Österreich ist es auf vier oder fünf Straws begrenzt, so nennt man die Portionen in der Klinik. Das heißt, du kannst in Österreich, vorausgesetzt es funktioniert, nur maximal fünf Kinder haben.

Hendrik: Hat die Klinik dann gleich eine Auswahl für euch parat gehabt?

Eva: Zuerst werden Proben gemacht, dann kriegt man die Info, dass die Klinik sich melden wird, sobald ein passender Spender gefunden ist. Dann geht man wieder nach Hause.

Hendrik: Wie lange dauert “Wir melden uns”?

Eva: Das hat nicht lange gedauert, vielleicht ein paar Wochen? Das ging relativ schnell.

Michi: Danach ist es so wie bei jedem Paar, das kontrolliert ein Kind haben möchte. Man schaut sich den Zyklus an. Am ersten Tag der Periode ruft man in der Klinik an. Am 8. Tag des Zyklus geht man hin und dann werden die Eizellen im Ultraschall angesehen. Die werden im Anschluss weiter beobachtet und müssen eine gewisse Größe erreichen. Dann wird mit einer Spritze der Eisprung ausgelöst und am Tag darauf der Samen eingeführt.

Eva: Man muss ganz klar sagen: Das ist nicht so romantisch, wie wenn man miteinander schlafen würde. Wobei auch das kann sehr stressig sein, wie ich mir hab sagen lassen. Ich hab den Prozess aber unglaublich stressig empfunden. Dieses Hinpassen und nicht wissen: Wird das was?

Hier im Bild: Eva (li) und Michi, in deren Hintergrund Eva vorbeiläuft. Wir wissen nicht, warum.

Hendrik: Die Klinik macht das sicher auch nicht umsonst, oder?

Eva: So wie wir es gemacht haben, kann man pro Versuch mit 1.000 Euro rechnen. Das kann ins Geld gehen. Zumal es nicht klar ist, dass es funktioniert. Bei Marie hat es beim ersten Versuch geklappt, zum Glück. Aber wir kennen auch andere Beispiele. Man kann grob sagen, die Chance ist nicht höher, als wenn man Sex hätte und liegt bei ca. 25 Prozent.

Michi: Der Samen wird schon da platziert, wo er hinsoll, aber es bleiben ein paar biologische Fragezeichen: Alter der Mutter, nistet sich alles so ein, wie es soll?

Hendrik: Wie seid ihr damit umgegangen, dass der ganze Prozess so „klinisch“ ist?

Eva: Wir haben es nicht so richtig klinisch werden lassen. Weil es für die Leute in der Klinik ganz normal ist, ist es für einen selbst auch normal.

Michi: Es ist aber auch kein kühles Krankenhauszimmer. Es ist recht schön und hell und offen gestaltet. Davor, wo es darum ging, ob die Eier “groß” genug sind, war das anders. Vor allem, weil ich Vollzeit gearbeitet habe und es in der Firma niemand wusste, was wir vorhaben.

Eva: Und wir auch noch in derselben Firma gearbeitet haben.

Michi: Genau, das hab ich stressig gefunden, die Prozedur an sich gar nicht. Die sind alle sehr nett, alles ist sehr persönlich. Man ist nicht einfach nur die Nummer X.

Hendrik: Liegt es daran, dass es bei euch klar ist, dass es nicht anders geht?

Eva: Naja, es gäbe ja theoretisch auch die Möglichkeit, in eine Bar zu gehen. Darüber haben wir kurz gesprochen, wurde aber sehr schnell ausgeschlossen.

Hendrik: Gibt’s die Option zu sagen: Das ist Max und der soll der Vater werden.

Eva: Das war für uns nie ein Thema.

Hendrik: Aber geht das?

Eva: Ja, man kann seinen eigenen Samen mitbringen, aber für uns kam das nicht in Frage. Für uns war von vornherein klar, dass wir zwei das Kind kriegen wollen und keine weiteren Person darin involviert sein soll. Und ich seh mich im Nachhinein sehr bestätigt in der Entscheidung. Man kann nicht kontrollieren, welche Gefühle so ein Kind in einem auslöst. Und selbst wenn man als potenzieller Samenspender das Paar kennt, selbst wenn man vorher tausend Mal ausgemacht hat, wie man mit der Situation umgeht – im Endeffekt weiß man nie, wie wer reagiert. Wir wollten keine Freundschaft aufs Spiel setzen und wir wollten unser Kind gemeinsam kriegen.

Hendrik: Wenn ich Samenspender bin, habe ich keine Rechte am Kind?

Michi: Keine Rechte und keine Pflichten.

Eva: Das läuft alles über Notariatsakte. Bevor man in der Klinik überhaupt was machen kann, egal, ob homosexuell oder heterosexuell, verheiratet oder unverheiratet, muss man einen Notariatsakt anlegen und unterschreiben. Wir sind zu einem Notar gegangen, haben gesagt, wir brauchen einen Notariatsakt für eine Insemination. Darin wird ganz klar formuliert, welche Rechten und Pflichten ich meiner Tochter gegenüber habe. Da ging es vor allem um mich, denn Michi ist ja die leibliche Mutter. Der Akt gilt dann für zwei Jahre, und alle Kinder, die in der Zeit entstehen, sind meine Kinder.

Michi: Bei der Samenspende müssen auch die Männer unterschreiben, dass die Kinder sie ab dem 14. Lebensjahr kennenlernen dürfen. Das nennt sich eine offene Spende und soll dem Kind die Möglichkeit geben, die eigenen Wurzeln kennenzulernen. Das geht übrigens nur in eine Richtung, das heißt, der Vater hat nicht das Recht, das Kind kennenzulernen.

Diese Folge wird präsentiert von Frau & Arbeit

Was für eine coole Sache: Seit einiger Zeit arbeiten wir näher mit der Frauenberatungsstelle „Frau & Arbeit“ zusammen und haben in diesen Monaten unglaublich viel Einblick in deren wichtige Arbeit erhalten dürfen. Umso erfreuter sind wir, dass Frau & Arbeit diese Folge von HEAST unterstützt. Wir haben übrigens auch gerade die Ehre, die Finanzakademie von Frau & Arbeit zu begleiten. Fazit: Bitte, liebe Frauen, beginnt euch mit Geld auseinander zu setzen. Ein paar Startpunkte findet ihr in unserem Schwerpunkt.

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Eva ist eine richtige Ex-Exil-Salzburgerin. Frankreich, USA, Schweiz - aber nirgends ist es wie zuhause. Journalismus, Marketing (Kosmetik und dann Bier) und eigentlich redet sie auch ganz gern.