Twentytwenty too: The schiach, the bad and the ugly

Der einzig wahre Rückblick auf 2022 in Salzburg – sagen wir halt so.

Was tritt am Jahresende so zuverlässig auf wie Weihnachtstauwetter, überfüllte Altpapiertonnen und Spotify wrapped? Richtig. Irgendwelche Jahresrückblicke. Und weil ihr im Dezember so viel gelesen habt, gibt’s unseren im Jänner. Here we go.

#1 firstthingsfirst: Das Ende von 2021 oder der Anfang von 2022

2022 hat so begonnen, wie 2021 aufgehört hat: im Lockdown, bzw. im Lockdown für Ungeimpfte – auch wenn das aus heutiger Sicht schon wieder sehr weit weg wirkt. So wirklich kontrolliert hat die Downgelockedheit niemand. Umso betriebsamer ging es auf diversen Schwurblerdemos zu. Jeden Sonntag traf sich eine abstruse Mischung aus Esoterikern, selbsternannten Freiheitskämpfern im patriotischen Ganzkörper-Outfit, Gabalier-Superfans mit frechen Hüten, verkrachte Psycholog:innen, Wunderkristall-Muttis, Fallobst-Muttis, Granderwasser-Muttis, Impfgegner-Muttis, Dosen-Schwechater trinkende Chemtrail-Gläubige und der ein oder andere Dark-Souls-Endboss, um gemeinsam die Stadt mit Kuhglocken, Trommeln und lustigen Schildern unsicher zu machen und dabei fleißig Freiheit, Friede und Viren zu spreaden.

Was dabei auch nie fehlen durfte, waren Kleinkinder (Logik Marke:„Exposition mit Krankheitserregern schützt das Immunsystem!!“). Und Hunde. Einen wirklich ganz speziellen Platz in der Hölle gibt es für all jene, die nicht nur sich und andere gefährdeten, sondern auch noch ihre Hunde mitschleifen mussten…Hunde lieben unkontrollierten Dauerlärm, Menschenmassen und olfaktorisches Pandemonium. Inzwischen ist Corona in Mitteleuropa so ziemlich vorbei, möchte man meinen. Vielleicht auch nur in einer Art Dornröschenschlaf.

#2 Ebenfalls in einem Dornröschenschlaf befindet sich die Getreidegasse.

Und wie einen Besoffenen, der auf einer faden Party eingeschlafen ist, lässt sich auch dieses Opfer des Kontrollverlustes herrlich dekorieren, bemalen und verramschen. Weirde Käseläden, zwielichtige Bankomaten (mit seriösem Corporate Design in Comic Sans) und Mozartkitsch potenziert hoch 10 reihen sich an sauteure Trachtenläden und Traditionsluxushotels, die nach Farben und Wildtieren benannt sind. Dazwischen ein leeres Ladenlokal nach dem anderen. Es scheint irgendwie so, als gäbe es in Salzburg zwischen Inditex, Superramsch, Bonzentracht und Leerstand so langsam keinen Mittelweg mehr. Wer sich bei so viel luxuriösem Elend am liebsten im nächsten Loch verkriechen möchte, kann das gerne tun.

#3 Im Mönchsberg zum Beispiel, denn der ist bereits durchlöchert genug, wie Ende Juni auch 84 % der Salzburger:innen befanden.

Der zum Politikum samt Bürgerbefragung gewordene Rohrkrepierer Mönchsberggaragenausbau war wirklich ein Highlight des Jahres 2022. Zankapfel: 650 neue Parkplätze für 43 Millionen Euro. Knackpunkt: Ungehorsame Bürger, eine Magerwiese und ein paar Kröten. Und eben die Bürgerbefragung Ende Juni, bei der mit knapp 22 % überraschend viele Leute abgestimmt und – noch überraschender – überwiegend gegen das Loch gestimmt hatten. Bonus: Ein seltsam unterwürfig-pragmatischer Preuner gestand noch am Abend der Abstimmung die Niederlage ein und legte das Projekt ad acta. Geht doch!

#4 Ebenso ein bisschen ungehorsam der Marke „Geht doch!“ gab es im Sommer im Andräviertel.

Genutzt hat es reell zwar nix, aber immerhin weiß jetzt jeder dank der findigen und wirklich höflichen Hausbesetzer, dass Marcel Hirscher (als einer von vielen) hier eine leere Villa herumstehen hat, einfach weil er es kann.

#5 Jemand, der anscheinend auch alles kann, ist Lars Eidinger, der in den vergangenen Sommern die Stadt mit seiner Präsenz so zuverlässig heimsuchte, wie ein biblischer Heuschreckenschwarm ein ägyptisches Dorf.

Man kam dem Gecken mit zu großem Ego und zu viel Tagesfreizeit im Sommer im Salzburg einfach nicht aus. An gefühlt jeder Hausecke ein Plakat mit Infos darüber, wo Eidinger gerade was, wann und mit wem macht. Dazu Eidinger im TV, Eidinger im Rockhouse, Eidinger im Insta-Feed, während Hochkulturfuzzis sich dadurch so richtig hip und im jugendlichen Zeitgeist angekommen fühlten. Nächstes Jahr hat das ein Ende. Und die Festspiele bekommen dann hoffentlich wieder den Stempel der Muffigkeit zurück, den sie verdient haben. Make Festspiele uncool again. Bittedanke.

#6 Was war los im Herbst?

Baustellen. Baustellen. Baustellen. Elektroroller. Baustellen. Kein Regen. Elektroroller auf dem Gehsteig. Ein bisschen Regen. Elektroroller gegen die Einbahn. Unfälle. Und Baustellen.

#7 Ende November war dann wieder wirklich was los.

Am 28. November wurden beim Anblick der leeren Bahnhofshalle fast wohlige Erinnerungen an diverse harte Lockdowns wach. Die ÖBB hat warngestreikt. Ich finde sowas ja immer ein bisschen gut und bedauere in Anbetracht des Wertes von Lohnarbeit im Generellen, dass nicht mehr Branchen mitgezogen haben (looking at you, Handel).

#8 Der Dezember war eigentlich recht fad.

Bis auf überteuerten Glühwein und erkauften Weihnachtsfrieden allewo, gab es wenig Erinnernswertes. Eh auch irgendwie schön, wenn mal nix passiert… Hoffen wir also, 2023 wird nicht minder schiach, bad and ugly. In diesem Sinne: Habt’s einen guten Start und danke für eure Aufmerksamkeit!

PS: Bestimmt habe ich vieles vergessen. Sollte das bei etwas ganz Augenscheinlichem der Fall sein, schreibt mir doch bitte auf Insta eine wütende Nachricht. Danke!

“Schiaches Salzburg” ist unser Außenposten fürs Unangenehme und bringt laufend neue Krach- und Sachgeschichten aus SBG.

Gefunden haben wir diesen Account auf Instagram, wo er als @schiaches.salzburg die halbschattigen Seiten der Stadt herzeigt. Was es dort gibt? Found objects, Kurioses aus dem öffentlichen Raum und andere schiache Sachen aus der schönsten Stadt Österreichs. Immer mit im Gepäck? Gesunder Grant, absurder Humor und Sinn für Unsinn.

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