Schiaches Salzburg: Rest in Schutt

Nachruf auf ein paar Salzburger Institutionen, die weichen mussten

Woran wir uns mit einer Träne im Auge erinnern: Ich bin an sich nicht neophob. Wenn ich aber an die nähere Vergangenheit zurückdenke, fällt auf, dass nicht nur Covid zu einem gewissen Kahlschlag in der (Freizeit-)Kultur geführt hat, sondern es auch davor schon Stück für Stück manchen Veranstaltungsstätten oder Events an den Kragen ging. Hier sind ein paar davon, um die es vielleicht nur mir schad’ ist.

Ausgangsfrage:

„Wie verbringt der gemeine Schiachsalzburger seine Freizeit?“
Ziemlich wahrscheinlich entweder beschwipst, ausgepowert oder um ein paar Euro ärmer. Mit Shoppen, Sport und Saufen. Die 3-S-Regel. (Die sich auch als super erweist, um Texte zu gliedern.).

#1 Shoppen:

Salzburg hat im Jahr 2021 gemessen an Fläche und Einwohnerzahl die zweithöchste Verkaufsflächendichte in Österreich. Ein Grundstein dessen wurde 1993 mit der Eröffnung des Airportcenters gelegt. Schwer vorstellbar, aber der heutige Europark war damals noch ein dröger, fensterloser und vergleichsweise winziger Interspar.

Das Airportcenter war jedenfalls der shit, sogar als Knirpsin wusste ich schon, dass es sich toll kosmopolitisch anfühlt, einzukaufen und nebenan Flieger landen und abheben zu sehen. Außerdem hat es sehr viel Spaß gemacht, sich in der zweigeschossigen Parkgarage mit dem Papa jedes Mal derart zu verlaufen, dass das Auto gestohlen erschien.

Im Einkaufszentrumsdarwinismus überleben nur die fittesten, daher ging es mit dem Airportcenter nach Eröffnung des Europarks schnell mal bergab. Auch, dass in der Stadt ganz neue Einkaufszentren eröffnet wurden (looking at you ZiB…) hat vermutlich nicht geholfen.

Was inzwischen nach zig- Umbauten und Abbrüchen aus dem Airportcenter wurde, ist (auch architektonisch) ziemlich traurig. Auf der einen Seite ein seelenloser Retortenprunkbau, der in etwa so stilvoll ist wie der Trump-Tower. Auf der anderen Seite eine Ansammlung an freistehenden Blechhütten mit irgendwelchen Geschäften drin. Viele davon standen lange leer oder tun das auch heute noch.

Infinity-Pool im Paracelsus Bad

#2 Sport

Zugegeben: Am alten Paracelsusbad kann man eigentlich nicht viel sehr vermissen, außer den früheren Eintrittspreisen und der riesigen Verglasung Richtung Mirabellpark. Jetzt ist das ganze halt ein moderner, schön geschwungen designter Klotz mit stattlichen Preisen und möglicherweise höherem Eintrittshemmnis bei vielen potenziellen Besuchern. Gentrifizierte Körper im gentrifizierten Wellnessbereich nebst Omis in der Badekappe. Infinitypool und Saunalandschaft für nur 19 € pro 4 h.

Wer stattdessen lieber ins Fitnessstudio gehen will, kann das jetzt im ehemaligen Elmo-Kino. Das erste Multiplexkino Salzburgs, in dem in den 1970ern Helmut Berger, Romy Schneider und Klaus Maria Brandauer ein und aus gingen, ist jetzt Standort einer anonymen Fitnessstudiokette.

 

Exkurs: Kinosterben

Wenn wir schon bei aufgelassenen Lichtspielhäusern in Salzburg sind, kann das Central-Kino in der Linzergasse nicht unerwähnt bleiben. In den 20ern eröffnet war es neben dem ‚Das Kino’ ein Fixum in der damalig halbwegs lebendigen Kinolandschaft in Salzburg. Wer gerne Filme in Originalversion schaut, hat überhaupt ein kleines Problem in Salzburg. Auch das Cineplexx-City am Bahnhof (in dem vieles in OV lief) hat inzwischen dichtgemacht. Dass es damit auch mal einen „Großen“ erwischt hat, ist kurios.

#3 Saufen:

In dieser plakativ benannten Kategorie geht es natürlich nicht nur ums Saufen. Eher um die Symbiose aus Kultur und ordentlicher Einölung. Oder wer war schon mal vollständig nüchtern auf einem Frequency, zumindest als in Salzburg war? Eben. Von 2002 bis 2008 konnte man sich am Salzburgring indie und anders fühlen und so tun, als wäre es okay, drei Tage lang in sengender Hitze Dixiklos zu benutzen, weil in Woodstock war das ja ähnlich und wenn man sich ein Wochenende lang frei fühlen will, gehört das eben auch dazu. 2003 war ich da auch zum ersten Mal. Die schönste Erinnerung dran? Ein erstes Nahtoderlebnis beim Gang durch die Untertunnelung in der Umbaupause von Placebo zu Metallica. Das Nadelöhr von Bühnengelände zum Campingbereich. Ein paar Jahre später wird dann die Loveparade in Duisburg gewesen sein.


Vielleicht war der Umzug des Frequency also nicht die schlechteste Lösung in Anbetracht dessen, dass es immer größer und Line-up-technisch stärker in Richtung Breitengeschmack ausgerichtet wurde.

Jo, damals gab’s noch keine Riesenräder und sexy Hippie-Oufits. Wir waren einfach ein paar Dodln, deren Eltern ihnen erlaubt haben, auf ein Festival zu gehen.

Leicht exzessiv und ungleich produktiver ging es im früheren Mark in Aigen zu. Dort wo heute ein Autohändler seine Vehikel feilbietet, wurden damals vermutlich viele einprägsame Erinnerungen und Ideen in jugendliche Köpfe gepflanzt, die ein bissl alternativer waren (und ich vermute: es auch heute noch sind). Gefeiert wurde dort bis zum Schluss, bis kurz vor Beginn des endgültigen Abrisses, nämlich bis zum 31.12.2007.

Sich an Dinge zu erinnern, die es nicht mehr gibt, war gar nicht mal so schwer. Im Gegenteil, da fällt einem ziemlich viel ein. Und sicherlich wurde hier zig Abgebrochenes vergessen oder nicht erwähnt. Vielleicht gibt es also einen zweiten Teil. 
Bis dahin: Rest in Schutt, altes-neues Salzburg.

(c) MARK

“Schiaches Salzburg” ist unser Außenposten fürs Unangenehme und bringt laufend neue Krach- und Sachgeschichten aus SBG.

Gefunden haben wir diesen Account auf Instagram, wo er als @schiaches.salzburg die halbschattigen Seiten der Stadt herzeigt. Was es dort gibt? Found objects, Kurioses aus dem öffentlichen Raum und andere schiache Sachen aus der schönsten Stadt Österreichs. Immer mit im Gepäck? Gesunder Grant, absurder Humor und Sinn für Unsinn.

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