Mischmasch

Fräulein Flora Inside: Wie uns die Coronakrise trifft

Warum manche Sachen gerade warten müssen.

Fotos (bis auf Titelfoto): Niko Zuparic

Vor fast genau zwei Monaten stand ich auf der Bühne und habe eine Veranstaltung in Linz moderiert. An dem Tag war klar: Corona is here to stay. Gegen Mittag am 10. März wurde verlautbart, dass zukünftige Veranstaltungen nicht mehr stattfinden und strengere Maßnahme zur Eindämmung des Virus etabliert werden. Ich bin nach der Veranstaltung ganz normal mit dem Zug nach Salzburg zurückgefahren. Müde und auch ein wenig aufgeregt. Am nächsten Tag haben wir unsere Sachen gepackt und sind für zwei Monate ins Home Office gesiedelt.

Viel ist passiert, seit ich Linz verlassen habe. Wir haben eine ganze Kategorie zu Corona am Blog eingerichtet, Menschen wie Oggi, Lena oder Sina und Fabia befragt, wie es ihnen in der Arbeit geht. Expats wie Viktoria, Manfred & Marlene oder Valentina haben uns erzählt, wie es war, gerade in Spanien, den Niederlanden und England zu leben. Wir haben zusammengeschrieben, wo es Coronamasken in Salzburg gibt, die Salzburger Kulturbetriebe zu ihrer Lage interviewt. Und noch ganz viel mehr. Kurz: Jede Menge Menschen, Geschichten und Orte haben auf dem Blog gezeigt, wie Salzburg in Zeiten von Corona ist.

Ihr solltet es wissen: So geht es uns mit/wegen Corona

Die logische Konsequenz ist nun, dass wir euch erzählen, wie Corona unsere Arbeit betrifft. Die Antwort zu finden, ist nicht ganz leicht. Wie einige von euch vielleicht wissen, sind wir ein Unternehmen, in dem aktuell vier Personen hauptberuflich arbeiten. Dabei fallen Gehälter an, Miete, Firmenauto und auch sonst allerlei Kramburi schnallen rein und muss bezahlt werden. Auch ein kleines Unternehmen wir unseres hat monatlich Fixkosten von rund 15.000 Euro.

Als Salzburger Lokalmedium sind ein fixer Bestandteil unserer Einnahmen die Werbeschaltungen von lokalen Unternehmen. Seien es Ankündigungen von Veranstaltungen oder die Vorstellung von neuen Produkten, Neueröffnungen von Shops, Restaurants oder Services, die für euch, unsere Leser*innen, interessant sein könnten. Diese Kooperationen sind in den letzten Monaten nicht zustande gekommen.

Trotzdem haben wir uns dazu entschlossen, den Härtefallfonds nicht zu beantragen. Wir waren und sind der Meinung, dass Fördergeld an die Unternehmer*innen gehen soll, die behördlich schließen mussten und somit ihre Einkommensgrundlage verlieren.

Jetzt gilt: Nicht die Nerven wegschmeißen

Trotzdem haben wir uns dazu entschlossen, den Härtefallfonds nicht zu beantragen. Wir waren und sind der Meinung, dass Fördergeld an die Unternehmer*innen gehen soll, die behördlich schließen mussten und somit ihre Einkommensgrundlage verlieren. Auf der anderen Seite haben wir auch niemanden gekündigt oder in Kurzarbeit geschickt. Es wurde kein Zwangsurlaub verhängt, weil: Was soll das für ein Urlaub sein, in dem man nirgends hinfahren kann und es in Salzburg auch recht ungemütlich ist. Genau jetzt, finden zumindest wir, müssen wir als Team zusammenhalten. Und nicht beim ersten Windstoß die Nerven verlieren.

Klar ist aber, dass wir nicht ewig von Reserven leben können. Deswegen sind auch wir Sparmeister*innen geworden. Zuerst wurde analysiert, welche Ausgaben für nix sind. Die haben wir gleich gestrichen. Und dann haben wir geschaut, welche Projekte finanziell aufwendig sind und mit wenig Einkommen zu Verlusten führen. Darunter haben wir das QWANT. Magazin verortet. Dieses befand sich in einem Relaunch-Prozess und wäre Anfang Juni in neuem Kleid erschienen. Der Relaunch wird auf unbestimmte Zeit verschoben. Das ist schmerthaft. Es hilft aber, dass dafür niemand seinen Job verliert und wir weiterhin miteinander kaffeetscheln und Blödsinn machen können.

Weiter geile Sachen machen

Wer uns kennt, weiß: Wir geben niemals auf. Wir nützen die Zeit, die uns „geschenkt“ wurde, nun anderwärtig. Und arbeiten weiter an unseren Zielen, die Anfang des Jahres gemeinsam formuliert wurden. Unser Salzburg City-Guide kommt im Sommer raus. Ein Buch voll Informationen, die wir für euch und Touris zusammengeschrieben haben, die sich irgendwann wieder nach Salzburg trauen werden. Außerdem arbeiten wir an unserem ersten Schwerpunktthema, das im Juni veröffentlicht wird. Gehen wird es ums „Zocken“ in all seinen Varianten. Damit ihr auch etwas auf die Ohren kriegt, wird zeitgleich unser Podcast HEAST erscheinen, um den sich unsere neue Kollegin Marlene kümmert. Und unsere Webseite wird sich Stück für Stück verschönern.

Ihr denkt euch jetzt: Moi, denen will ich helfen. Das freut uns voll. Erzählt herum, dass es fraeuleinflora.at gibt, dass man bei uns Werbung schalten kann. Dass ihr gerne bei uns mitlest. Das tun übrigens ganz schön viele. Wir hatten in unserer gesamten Geschichte noch nie so viele Leser*innen wie jetzt.

Corona hat uns, vor allem anfangs, ratlos zurückgelassen. Weil wir keine Hellseher*innen sind und nicht wissen, was morgen sein wird, machen wir halt das, was heute geht. Als Kern-Team, mit unseren Partner*innen wie dem fotografierenden Niko, Jonathan und Paul von Peak Motion, den Zeichner*innen Julia Aichinger und Ari Ban, unserer Veronika Ellecosta, die kein Küken mehr ist, sondern ein ausgewachsenes Huhn. Vanessa, die gerade in Linz eingesperrt ist. Und dann sind da noch die Audiospezialisten Dominik und Manu von der Soundkredenz. Schauen wir mal, wie weit uns das bringt, aber hoffentlich zumindest bis zur nächsten Pandemie. Wir dachten, dass ihr das wissen solltet.

Eva Krallinger-Gruber

Eva ist eine richtige Ex-Exil-Salzburgerin. Frankreich, USA, Schweiz - aber nirgends ist es wie zuhause. Journalismus, Marketing (Kosmetik und dann Bier) und eigentlich redet sie auch ganz gern.