Mischmasch

Menschen mit viel Arbeit: Lena arbeitet im Coronahaus

Das sind die Menschen, die nicht im Homeoffice herumsitzen

Fotos (c) Lena Widauer

Letzte Woche haben wir euch gefragt, was ihr aktuell so tut. Dabei ist uns aufgefallen, dass dreiviertel der Antworten waren: Couch liegen, Netflix, putzen, kochen, sich ab und zu umdrehen (wenn es sein muss). Wer sind dann aber das Viertel in Salzburg, das sich jetzt den Arsch abrackert? Zum Beispiel Lena: Die PMU-Studentin arbeitet im Coronahaus.

Du bist Studentin an der PMU und im Coronahaus tätig, hättest du gedacht, dass du jemals in so eine Situation kommen wirst?

Ja und nein. Einerseits arbeiten wir Studenten auch im regulären Spitalsbetrieb immer mit und haben schon seit Beginn dieser Krise damit gerechnet, auch und besonders jetzt, im Krankenhaus eingesetzt zu werden. Dass die Situation aber doch so ernst wird, damit haben wir bis vor 2 Wochen nicht wirklich gerechnet. Die Aufgaben im Corona Triage-Zelt und bald auch in der Messe sind natürlich völlig anders, als unsere gewohnte OP-Assistenz oder das normale arbeiten in der Ambulanz.

Wie sind die Leute drauf, die du in der Arbeit siehst?

Die meisten Mitarbeiter in der SALK sind derzeit eigentlich noch halbwegs entspannt und versuchen, die teils schwierigen Arbeitsbedingungen durch gute Laune zu verbessern. Allen ist aber natürlich bewusst, dass wir uns in einer absoluten Ausnahmesituation befinden und wir besonders achtsam arbeiten müssen. Langsam merkt man aber doch, dass eine gewisse Anspannung aufkommt, weil niemand genau weiß, wie dramatisch die weitere Entwicklung sein wird.

Womit kommt man am schwierigsten klar?

Ich bekomme großes Bauchweh, wenn ich sehe, wie es in Italien ausschaut.
Das sind für uns unvorstellbare Zustände und mir kommen täglich die Tränen, wenn ich an das Pflegepersonal und die Ärzte dort denke, die nicht mehr wissen, wie sie ihre Patienten versorgen sollen. Wir in Österreich stehen erst am Anfang einer großen Krise und können nur hoffen, dass wir tatsächlich besser aufgestellt sind, aber das alles ist derzeit noch nicht richtig abzusehen. Vor einer so ungewissen Zukunft zu stehen ist schwierig.

Was wünscht du dir von den Salzburger*innen?

BLEIBT DAHEIM! Immer noch haben viele (vor allem junge Leute) den Ernst der Lage überhaupt nicht begriffen. Wer glaubt er/sie ist jung und gesund und wird eh nicht wirklich von einer Infektion beeinflusst, irrt sich nicht nur gewaltig, sondern verhält sich auch noch absolut asozial. Riskiert euer und das Leben anderer nicht, weil ihr euren persönlichen Komfort nicht einschränken wollt.

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Hast du manchmal Angst?

Nein, eigentlich nicht. In sehr fordernden Situationen werde ich eigentlich immer ruhiger und versuch mich aufs Wesentliche zu konzentrieren. Aber beunruhigt bin ich schon, wie sich das alles entwickeln wird.

Wie geht es dir und deinen Kolleg*innen gerade? Seid ihr im Dauereinsatz?

Den meisten meiner Studienkollegen geht es relativ gut und viele versuchen, zu helfen wo es geht. Niemand möchte derzeit unnütz rumsitzen. Noch sind wir nicht im Dauereinsatz, aber die meisten Studenten arbeiten derzeit freiwillig bei der Rettung und im Krankenhaus. Zur Zeit mach ich ca. 2 Dienste pro Woche in der Corona-Ambulanz oder im Telefondienst, in den nächsten Tagen wird das Messezentrum als Notspital eröffnet, da werden dann jedenfalls viel mehr Dienste anfallen. Ausgelastet sind wir also noch nicht, aber ich denke das ist nur eine Frage der Zeit. Unsere Alumni berichten schon, dass sie zum Teil am Maximum ihrer Leistungsfähigkeit angelangt sind.

Wie kann man sich deinen Tagesablauf vorstellen?

Es gibt 3 Schichten, die wir Studenten besetzen, 7-15 Uhr, 15-23 Uhr und 23-7 Uhr. Es gibt also keinen richtigen Tagesablauf, ich richte mich nach den Diensten. Ich versuchem mir die immer möglichst eng zueinander zu legen, damit ich dazwischen heim zu meiner Familie nach Wien fahren kann. Ich weiß aber nicht, wie lange das noch geht, ohne Gefahr zu laufen sie oder andere anzustecken. In der Zeit wenn ich nicht arbeite versuche ich zu lernen oder Dinge für die Uni vorzubereiten. Ansonsten versuch ich viel raus zu gehen (alleine im Wald!) und meine Gedanken auch mal vom Thema Corona wegzulenken.

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Was sind die Herausforderungen, mit denen du gerade konfrontiert bist?

Teilweise arbeiten wir mit nur schlechter oder unzureichender Schutzausrüstung, weil es derzeit einfach kein Material mehr gibt. Das beunruhigt mich und viele andere schon sehr, weil sich die Lage sicherlich noch um einiges zuspitzen wird und Ausfälle des Personals besonders bitter wären. Hoffentlich gibt es bald Nachschub! Es ist auch ein Problem, dass es gerade wieder so kalt geworden ist, wir arbeiten die meiste Zeit in einem Zelt, da fällt dann wieder die Heizung aus, der Wind bläst durch und besonders in der Nacht wird es richtig kalt. Ich mach mir natürlich auch Sorgen um meine Familie, dass ich durch meine Arbeit jemanden anstecken könnte.

Was sind die schönen Momente?

Ich hab das Gefühl nützlich zu sein und helfen zu können in einer Situation, in der andere Menschen mehr als sonst auf unsere Unterstützung angewiesen sind. Schön ist auch, dass ich wieder einmal merke, in dem Bereich arbeiten zu dürfen, der mich begeistert und in dem ich mich auch in Zukunft sehe. Ich bin stolz auf die Arbeit, die wir alle im Gesundheitswesen jeden Tag leisten.

Eva Krallinger-Gruber

Eva ist eine richtige Ex-Exil-Salzburgerin. Frankreich, USA, Schweiz - aber nirgends ist es wie zuhause. Journalismus, Marketing (Kosmetik und dann Bier) und eigentlich redet sie auch ganz gern.