Mischmasch

Menschen mit viel Arbeit: Oggi arbeitet gerade auf Hochdruck beim Samariterbund

Das sind die Menschen, die nicht im Homeoffice herumsitzen

Titelbild: {c} Samariterbund (Bernhard Rieger – Foto & Design)

Letzte Woche haben wir euch gefragt, was ihr aktuell so tut. Dabei ist uns aufgefallen, dass dreiviertel der Antworten waren: Couch liegen, Netflix, putzen, kochen, sich ab und zu umdrehen (wenn es sein muss). Wer sind dann aber das Viertel in Salzburg, das sich jetzt den Arsch abrackert? Zum Beispiel Oggi, 33,  und sein Team: Beim Samariterbund sind sie ganz vorn dabei, wenn es um die Krisenbewältigung geht.

Oggi, was machst du genau?

Ich leite die Abteilung Soziale Dienste und bin stellvertretender Kommandant des Inland  – Katastrophenzugs beim Samariterbund Salzburg.

Wie sieht dein Alltag gerade aus?

Im Moment ändert sich die Lage von Tag zu Tag und wir reagieren dem entsprechend auf die Erfordernisse. Gewöhnliche Krankentransporte sind bei uns nach wie vor an der Tagesordnung, da gewissen Patientengruppen auf unsere Hilfe angewiesen sind. Nach wie vor gibt es Salzburger*innen, die nicht aufgrund vor CoV-19 eine Behandlung brauchen. Zusätzlich dazu helfen wir beim Intrahospitalen-Patiententransfer von nicht COVID-19-Patienten. Im Moment bereiten wir uns auch auf Infektionstransport zwischen den Krankenhäusern und COVID-19-Stationen vor. Darüber hinaus betreuen wir die Abstrichstation am Park&Ride Parkplatz Salzburg Süd, die Einlasskontrolle LKH Mülln und das Oberndorfer Krankenhaus. Das bedeutet natürlich auch, dass wir um einiges mehr an Stunden leisten müssen.

Wie bist du am Anfang mit der Situation umgegangen?

So wie die meisten, habe ich mir gedacht, dass es ein isoliertes Problem sein wird, dass uns nicht betreffen wird. Nachdem auch bekannt wurde, dass Europa die ersten positiven Fälle zu verzeichnen hatte und klar war, dass sich das Virus sehr leicht von Mensch zu Mensch überträgt, sind beim Samariterbund Strukturen aufgebaut worden, um die Lage zu beobachten.
Persönlich war mir ab dem Zeitpunkt auch klar, dass es nur eine Frage der Zeit ist, bis auch Österreich davon betroffen sein wird und entsprechende Maßnahmen setzen muss. Die Globalisierung hat viele Vorteile, aber auch Nachteile. Das ist leider einer davon.

Mir ist allerdings auch klar, dass ich mich jederzeit anstecken könnte. Dieses Risiko gehen alle im Gesundheitswesen bewusst ein. Wer wenn nicht wir?!

Hast du manchmal Angst?

Angst ist ein sehr starkes Wort und Gefühl. Ich habe mir bewusst die Ausbildung zum Notfallsanitäter, die Funktion des stellvertretenden Kommandanten und die dazugehörigen Aufgaben ausgesucht. In Gesundheitsbereich sollte man keine Angst vor Krankheiten und Patienten haben, weil es in weiterer Folge schwierig wäre diesen Beruf länger auszuüben. Angst habe ich keine, aber natürlich nötigen Respekt und Achtsamkeit. Wir befolgen die Richtlinien, die in diesem Fall gelten, um uns und unsere Mannschaft so gut wie möglich vor einer Ansteckung und eventuellen Übertragung an Dritte zu schützen. Mir ist allerdings auch klar, dass ich mich jederzeit auch anstecken könnte. Dieses Risiko gehen alle im Gesundheitswesen bewusst ein. Wer wenn nicht wir?!

Kannst du dich an einen schönen Moment erinnern?

Es ist immer wieder schön, wenn sich Patienten, Privatpersonen und Behörden bei uns bedanken und unsere Arbeit schätzen. Viele sehen es als selbstverständlich, dass es den Samariterbund und unser Leistungsspektrum gibt. Dass aber ein großer Teil der Mannschaft ehrenamtlich im Einsatz ist, unzählige Stunden leistet und bewusst Risiken eingeht, wissen nur die wenigsten.
Schön ist aber auch der Zusammenhalt der Bevölkerung  – ungeachtet der politischen Gesinnung und ideologischen Ansichtsweisen. Alle helfen zusammen und vieles ist auf einmal möglich, was vor CoV-19 eine längere Diskussion bedeutet hätte. In solchen Situationen merkt man, was alles möglich ist, wenn wir zusammen an einem Strang ziehen. COVID-19 kennt keine Religion, Parteipolitik, Reichtum und Geschlecht – es betrifft wirklich alle.

In solchen Situationen merkt man, was alles möglich ist, wenn wir zusammen an einem Strang ziehen. COVID-19 kennt keine Religion, Parteipolitik, Reichtum und Geschlecht – es betrifft wirklich alle.

Wie geht es dir und deinen Kolleg*innen? Gibt es so etwas wie Freizeit noch?

Uns ist allen bewusst, dass wir zu den „kritischen Strukturen“ zählen und die Bevölkerung auf uns angewiesen ist. Dafür wurden wir ausgebildet und übernehmen natürlich auch die Verantwortung, bis ans Maximum unserer Ressourcen. Das bedeutet auch, dass wir täglich Überstunden leisten müssen und Freizeit im Moment sehr kurz kommt. Wie erwähnt entwickelt sich die Lage sehr dynamisch und Pläne müssen immer wieder neu evaluiert werden. Niemand von uns rechnet mit ruhigen Tagen, da sich alles schlagartig ändern kann. Wir holen uns die Kraft und Ausdauer im Team, reden sehr viel miteinander und versuchen mit einer gesunden Portion Humor die Gemüter zu entspannen. Alle im Bereich des Gesundheitswesens arbeiten im Moment an der Grenze des Möglichen und leisten großartige Arbeit. Das bringen all diese Berufe der „kritischen Infrastruktur“ mit sich.

Was wünscht du dir von den Salzburger*innen?

Ich würde mir wünschen, dass alle die Maßnahmen der Regierung befolgen und wirklich zu Hause bleiben! Das ist keine Empfehlung, sondern eine nötige Maßnahme um das Gesundheitssystem nicht zu überlasten – auch wenn’s schwer fällt. Es geht nicht so sehr um den individuellen Hintern, sondern um die allgemeine Gesundheit der Bevölkerung. Wer es trotzdem zu Hause nicht aushält, gesund ist und nicht in die Risikogruppe fällt, soll seine Energie sinnvoll und ehrenamtlich bei einer NGO investieren und nicht in Parks oder auf Coronaparties in Clubhäusern abhängen.

Die „Krise“ hat auch was positives. Ich glaube, dass sich unsere Sichtweisen aufs Leben ordentlich verändern werden. Auch die Natur hat ihre wohlverdiente Pause vom Turbokapitalismus bekommen. Hoffentlich überdenken wir gewisse Normative und verfallen nicht in die gleichen Verhaltensmuster wie vor CoV-19. Das würde ich mir sehr wünschen.

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Eva Krallinger-Gruber

Eva ist eine richtige Ex-Exil-Salzburgerin. Frankreich, USA, Schweiz - aber nirgends ist es wie zuhause. Journalismus, Marketing (Kosmetik und dann Bier) und eigentlich redet sie auch ganz gern.