Soll ich das studieren? Magdalena studiert Smart Buildings in Smart Cities in Kuchl

Weil ein Umdenken überfällig ist

Ihr merkt vielleicht: Wir werden nervös. Wir reden jetzt schon sehr lange über Klimaziele, tun aber im Alltag genau das Gegenteil von dem, was die Wissenschaft sagt: Dicke SUVs rollen (nicht nur) über Salzburgs Straßen und führen zu täglichen Staus, maximaler Bewegungslosigkeit und vielen Abgasen. Wir kaufen alles neu, nur, um es dann wegzuwerfen und wir bauen auf jeden freien Grund ein Einfamilienhaus, weil das laut dem „Dein-Lebenstraum“-Manual halt so zu sein hat. Soweit, so schlecht. Wo aber setzt man an? Wo kann Veränderung passieren? Zum Beispiel bei jungen, motivierten und gscheiden Menschen, die am Campus Kuchl der FH Salzburg unterschiedliche Dinge studieren, die gemeinsam ein großes Ganzes ergeben. Einen Tag lang durften wir dort Studiengangsleiter und Studentinnen zu ihren Einstellungen, Projekte, Visionen und zur Studi-Location Kuchl befragen. Im Zug nach Hause waren Hirn und das Herz voll. Und hier steht, warum.

Fragt man Stefan Netsch, den Studiengangsleiter vom Master „Smart Buildings in Smart Cities“ nach der nachhaltigsten Bauweise, antwortet er prompt: „Mit dem arbeiten, was es schon gibt“.

Gebäude nicht neu bauen, sondern alten Gemäuern ein neues Leben schenken, sie entwickeln, aufbauen, mit Bestand und Brachflächen arbeiten: Das sind die grundlegenden Regeln einer smarten Stadt- und Standortentwicklung. Bedeutet im Umkehrschluss: Der Traum vom Grund kaufen, Haus draufstellen, drinnen wohnen, bis die Kinder ausziehen und dann noch weiter alleine drinnen wohnen, allerdings alleine und mit hohem Kraftaufwand, sollte neu gedacht werden. Warum? Weil Einfamilienhäuser viel Platz brauchen und Boden versiegeln. Den brauchen wir allerdings, damit darauf Nahrung wachsen und darin Wasser versickern kann. „Ich kann mich nicht erinnert, dass ich in den letzten zehn Jahren mit den Studierenden ein Projekt gemacht habe, bei dem eine Wiese versiegelt wurde“, sagt Stefan Netsch. „Das ist vorbei.“

Dass sich der Traum von Hausbau so hartnäckig hält, hat viele Gründe.

Zum einen, dass es in Österreich so wenige Haustypologien gibt, sagt Stefan. Darunter: Das freistehende Einfamilienhaus oder maximal ein Doppelhaus. Reihenhäuser, zum Beispiel, wie man sie in Nordeuropa viel sieht, sind bei uns vergleichsweise selten. Und das obwohl sie aus einer smarten Sichtweise gar nicht schlecht wären. Auch brauchen wir generell mehr Platz. War eine 60m2-Wohnung in den 1950ern genug für eine Familie, bewohnen diese Fläche jetzt Singles oder maximal Paare. Wenn man also eine Familie hat, und eigentlich um die 120m2 möchte, findet man die in der Stadt selten und wenn doch, zu sehr hohen Preisen. Die Lösung für viele: Umzug aufs Land, ins Einfamilienhaus. Wenn man einen Grund hat, ist das Bauen nicht so teuer, zum Beispiel in Form von Fertigteilhäusern. Schlussendlich ist der Traum vom Hausbau auch ein Ausdruck des Individualismus, dass jede*r in seinem Häuschen leben kann, was sich durch die wirtschaftlichen, technische und Materialentwicklung auch machen lässt.

Wir haben wenig Platz und viele Bedürfnisse. Wie lernen die Studierenden, aus dieser schwierigen Situation etwas zu machen?

Wir sind schon mittendrinnen im Studieninhalt. „Unsere Ausgangslage ist wahrscheinlich einzigartig“, sagt Stefan Netsch. „Im Studiengang beschäftigen wir uns mit Fläche. Die können wir nicht vervielfältigen, der Quadratmeter draußen ist der Quadratmeter, mit dem ich arbeiten muss. Und da steht entweder Landwirtschaft oder ein Haus drauf. Deswegen stellen wir uns die Frage: Wie können wir diesen Quadratmeter am sinnvollsten nutzen? Es geht darum, Gebäude, Grundrisse, Wohnungen, von denen es viele gibt, zum Beispiel Wohnungen aus den 50ern, 60ern und 70ern zu erneuern. Wir suchen nicht nach Spezialfällen, sondern nach Lösungen, die oft angewandt werden können. Das alles hat natürlich auch soziale Komponenten: Wenn man mehr Wohnungen in der Stadt braucht, hat man zwei Möglichkeiten: Man kann auf Dächern aufstocken oder in freien Flächen neue Gebäude reinsetzen. Mit der Verdichtung der Wohnfläche, wird aber automatisch die Fläche für freie Bewegung verknappt. Deswegen arbeiten viele Städte mit Grünlandrichtwerten und man stößt in der Planung schnell an die Grenzen. Und dann haben die unterschiedlichen Nutzer*innen unterschiedliche Interessen: Kinder, Jugendliche, Familien, Senior*innen – das alles muss man unter einen Hut bringen.“

Magdalena studiert im Master "Smart Buildings in Smart Cities".

Klingt komplex. Soll ich das studieren, Magdalena?

Magdalena brauchen wir die Frage eigentlich nicht mehr stellen. Neben ihrem Job in einem Ingenieurbüro im Energiesektor studiert sie berufsbegleitend Smart Buildings in Smart Cities. Als Quereinsteigerin ist sie zum Studium gekommen und ziemlich froh darüber. Das Studium, sagt sie, ist breit aufgestellt und für alle das Richtige, die sich gern viel Wissen aneignen und es mögen, unterschiedliche Bereiche miteinander zu vernetzen. Man muss der Typ dafür sein, unzählige Elemente miteinander verbinden zu wollen, um das große Ganze zu sehen.

 

Warum ist es so schwer, Leerstand und Bestand zu renovieren und wieder zu nutzen, Magdalena?

Bestand, also zum Beispiel Altbauwohnungen haben viel Potenzial, ich wohne selbst in einer. Das Problem ist, dass man in diesen Wohnungen immer individuelle Lösungen braucht. Das Schema X, das man früher Planer*innen gelernt hat, greift hier nicht. Und dann kommt der Fachkräftemangel hinzu: Selbst, wenn ich einen guten Plan habe – gibt es die Person, die ihn umsetzen kann? Da geht’s z. B. um Dämmung und wie man das richtig hinkriegt, damit dann auch kein Schimmel entsteht. Eigentlich ist das umsetzbar auf jedes Gewerk: Es braucht individuelle Lösungen durch fähige Planer*innen und Fachkräfte – die nicht vorhanden sind. Wir sagen: Noch nicht. 

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Genau hier setzt nämlich das Studium an. Mit welchen Fragen beschäftigst du dich im Rahmen deines Masters?

Unter anderem mit der Baubranche der Zukunft. Wie man Planer*innen, Fachkräfte zusammenbringt, wie man Wohnraum entwickelt, der nicht vorhanden ist, wie man auf Bestand baut. Was das überhaupt bedeutet. Wie man es schafft, solide Quartierslösungen umzusetzen, die darauf abzielen, möglichst kurze Wege zu schaffen, die zu Fuß oder mit dem Rad zurückzulegen sind. Unsere Städte sind nach Zonen aufgebaut. Da ist das Wohngebiet, dort das Industriegebiet. Und die Wege dazwischen werden mit dem Auto zurückgelegt. Wie kann man das wieder rückgängig machen? Mobilität ist ein wichtiger Punkt im Studium.  

Interessieren euch diese Fragen und diese Art von Arbeit? Dann bewerbt euch für einen Studienplatz. 

Im Herbst starten wieder die Bachelor und Master-Studien rund um grüne Gebäude und smarte Städte in Kuchl. Wollt ihr euch bewerben? Wir wären froh drum, denn wie Magdalena es eh so schön gesagt hat: Wir brauchen euch jetzt. Für uns klingt das Ganze extrem spannend und wir haben nicht einmal die Hälfte von dem, was wir gelernt haben, hier reintippen können. 

Vorne: Stefan Netsch. Hinten: unendlich viele Einfamilienhäuser. Es gibt viel zu tun.

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