Rausgehen

Sündiges Salzburg

Salzburgs sieben Todsünden.

Die uni:press der ÖH Salzburg hat uns gebeten, sieben sündige Salzburg-Tipps zu finden. Es war uns ein Vergnügen.

Superbia: Hochmut (Eitelkeit, Übermut)

In der Festspielzeit verwandelt sich Salzburg in ein dekadentes Auffangbecken für Extravaganz-Touris und in einen Open-Air Spiegelsaal für die Reichen und/oder Schönen. Wer Hochmut live beobachten möchte, aber aus finanziellen Gründen nicht beim Schaulaufen der A bis Z-Promis teilnehmen kann, der soll sich nach den Abendveranstaltungen im Sommer vor das Triangel in der Wiener-Philharmoniker-Gasse stellen und zuschauen, wer oder was da so reinstolpert. Achtung: Auf keinen Fall schwach werden und ein Paar’l Frankfurter bestellen, sonst geht die Studienbeihilfe fürs gesamte Monat flöten.

Avaritia: Geiz (Habgier)

Salzburg ist – freundlich gesprochen – nicht die billigste Gegend. Geiz ist für Studis nicht im Sinne von Habgier in der Hirnrinde verankert sondern die Überlebensgrundlage in einer Stadt, in der es zwar Pelzmäntel von der Stange gibt, aber keine richtigen Rabatte für Studierende. Ein bisschen geizig sein ist also völlig ok, am besten in der Volxküche im Kulturzentrum Mark, bei der ÖH-Freikost oder bei der Schranne bzw. am Grünmarkt: Gegen Schichtende kriegt man dort öfter mal gute Ware für moderate Preise. Außerdem wird ein bisschen Food geshared: Auf der Nawi und der Geswi findet man Kühlschränke, die gute Ware gratis beherbergen. Kann man sich mal anschauen. Ungesunde Alternative: gar nichts essen.

Luxuria (Wolllust)

Ob in Salzburg mehr gebetet oder gevögelt wird, konnten wir nicht nachprüfen. Fest steht: Salzburg gilt als Österreichs Stadt mit den meisten Kirchen und Bordellen. Immerhin haben hier Jahrhunderte lang Erzbischöfe regiert. Sie hinterließen der Stadt ihr Weltkulturerbe – pflegten aber auch den ausschweifenden Lebensstil absolutistischer Herrscher. Die ältesten Puffs, die noch übrig sind, befinden sich im Stadtzentrum. Ein uraltes Laufhaus, das früher übrigens mal den Stadt-Scharfrichtern gehört hat, ist in der Herrengasse (immer geöffnet ab 10.00 Uhr morgens) angesiedelt. Wer sich für Puffmütter interessiert, wird in der Steingasse fündig: Im „Maison de Plaisir“ herrscht die letzte Bordellbetreiberin in Salzburg.

Ira: Zorn (Wut, Rachsucht)

Früher war man der Todesstrafe bekannterweise nicht so abgeneigt. Auch in Salzburg wurde ordentlich geköpft und gehängt. Das Henkerhäuschen und der dazugehörige Richtplatz befanden sich aber nicht am Krauthügel – wie das viele behaupten – sondern in der Neukommgasse. Weit über 500 Menschen mussten hier ihr Leben lassen. Begraben wurden die armen Seelen gleich daneben, heute befindet sich am früheren Friedhof ein Bestattungsunternehmen. Wer Lust auf einen historisch-gruseligen Nachmittag hat, kann einen kleinen Ausflug dorthin machen. Tipp: Die Umrisse vom Galgen sind immer noch im Gras sichtbar.

Gula: Völlerei (Maßlosigkeit)

Wer sich den Wams so richtig vollstopfen will, aber nicht gerade auf Fischeier steht oder einen Lotto-Gewinn hinter sich hat, dem sei geraten, eine Decke und einen Einweg-Griller zusammenzupacken und die Grillplätze in Salzburg zu erkunden. Gut geht das zum Beispiel am Salzbeach, wo Grillen zwar nicht dezidiert erlaubt ist, dem Kellner es aber zumindest „wurscht“ ist, wenn jemand (veganes) Fleisch brutzeln lässt. Sollte man von dort verjagt werden, kann man sich in den Donnenbergpark verziehen, wo man ab und zu ein Feuer aufflackern sieht.

Invidia: Neid (Eifersucht, Missgunst)

Ihr kennt das Gefühl „Neid“ nicht? Dann rauf aufs Fahrrad und ab nach Aigen. Dort, wo eine Villa neben der nächsten steht und wo Grundstücke so groß sind, dass wir den Wert gar nicht ausrechnen können, darf man seine Missgunst und die damit verbundenen bitteren Neidtränen in kristallenen Champagner-Gläsern runterschlucken – und zwar beim Aigner Schlosswirt. Bitte aber nicht auf den Preis schauen – dann riskiert man nämlich sehr viel mehr Tränen oder sogar einen kleinen Schlaganfall.

Acedia: Faulheit (Feigheit, Ignoranz)

Faulheit ist schon einigen Comic-Figuren gut gestanden, man denke nur an Biene Majas „Willi“ oder den Esel von Winnie Puh. In Salzburg gibt es sehr viele gute Spots, wo man die Seele so richtig baumeln lassen kann. Ein Lieblingsplatz sind die fix aufgestellten Hängematten im Donnenbergpark, versteckt an den Hecken. Von dort aus kann man auch den sportlich motivierten Kolleg_innen zuschauen und sie bemitleiden, weil sie noch nicht die innere Ruhe zum Nichtstun gefunden haben. Außerdem schön: am Almkanal, in der Hellbrunner-Allee und am Mönchsberg.

Und wer wissen will, wie das ganze in Print aussieht, der lese die uni:press.

Eva Krallinger-Gruber

Eva ist eine richtige Ex-Exil-Salzburgerin. Frankreich, USA, Schweiz – aber nirgends ist es wie zuhause. Journalismus, Marketing (Kosmetik und dann Bier) und eigentlich redet sie auch ganz gern.