SUP am Mattsee
Rausgehen

[Kommentar] Die Vertreibung der Schwimmer aus dem Paradies

Warum Stand Up Paddeln nervt

Es ist so: In unserer Redaktion sind wir eigentlich alle ziemlich oft einer Meinung. Eigentlich. Denn wenn ab und zu das ein oder andere Reizthema aufpoppt, kann schon mal lange und intensiv diskutiert werden. Game of Thrones war zum Beispiel so ein Thema. Aktuell geben wir uns ausgiebig dem Für und Wider des Stand Up Paddelns hin. Und weil bisher immer nur die Pro-SUP-Fraktion am Wort war, darf jetzt auch mal die Grant-Fraktion was dazu sagen. Ein Kommentar.

Euch zaht SUPen wie sonst nix? Dann schaut’s euch unseren wunderschönen Artikel vom SUPen am Wallersee mit den noch schöneren Fotos an.

Vor dem Schlafengehen stelle ich mir eine Frage: Warum ist SUPen eigentlich so beliebt? Ähnlich einer Heuschreckenplage, die über Wald und Wiesen herfällt, nehmen die fröhlich paddelnden Möchtegern-Gondoliere die Seen, Flüsse und Weiher ein. Und für was? Langweiliges Herumstehen auf einem Board, das man vorher mühselig aufpumpen muss. Ich sage: Nein!

Ursprünglich kommt Stand Up Paddeln – no na net – vom Surfen. Und aufs offene Meer rausgepaddelt wurde deshalb, weil Surfer*innen die weiter draußen liegenden Wellenberge schnell und einfach erreichen wollten. Na, fällt was auf? Richtig, Meer und dementsprechend Wellen gibt es in Österreich nicht, nicht am Neusiedlersee und nicht in Fuschl. Wenn dann doch ein laues Windchen weht, zahn die SUPer ihre Boards aus dem Wasser, „bei dem Wind geht es nicht“, sagen sie. Hä? Das war doch das eigentliche Ziel, also den Wind ordentlich auszunutzen. Ich sage es nochmal und dieses Mal lauter: Nein!

Und jetzt reißt mir die Hutschnur!

Wirft man einen Blick auf Salzburgs Strandbäder, dann sind diese inzwischen nicht mehr mit Liegestühlen und XXL-Badetüchern vollgeramscht, sondern ein Fleckerlteppich aus SUP Boards, neben denen sich Badegäste ihre tägliche Dosis UV-Strahlung gönnen. Ihr habt richtig gelesen: NEBEN denen die Badegäste liegen. Warum? Weil das Aufblasen der Teile schon anstrengend genug war, da will man die Luft nicht wieder niederliegen. Gefeit ist man von dieser Misere nirgends. Weil Stand Up Paddeln in den letzten Jahren so beliebt geworden ist, sind die Boards und die dazugehörigen Paddel erschwinglich geworden (Kapitalismus lässt grüßen). Jedem Dodl wird ein Board aka Plastikmüll in Spe beim Hofer nachgeschmissen. Und alles nehmen es mit ins Strandbad.

Ihr fühlt euch durch die Kritik angespornt, eine Runde am SUP zu drehen? Wir sagen euch, wo das rund um Salzburg besonders gut geht.

So wird nicht nur der Platz im Strandbad weniger, sondern auch der auf der Wasseroberfläche. Denn mit den sperrigen Boards kommen sich die Abkühlung suchenden Menschen eben schneller in die Quere: Am Ufer beim Hin- und Hertragen und im Wasser beim Rumpaddeln. Der Kopf von Schwimmer*innen ist übrigens leichter zu übersehen, wenn sich Stand Up Paddler*innen darauf konzentrieren müssen, das Gleichgewicht zu halten und nichts ins Wasser zu fallen. Oder gerade ein deppertes Foto inkl. Kopfstand für Instagram zu schießen.

Die teurere Luftmatratze

So viel dazu. Ein nächster Punkt, der mehr wundert, als schlüssig ist, ist jener des Equipments. Warum schleppt man freiwillig schwere Boards durch die Gegend, wenn es eine einfache Luftmatratze auch tun würde? Auf der könnte man zumindest auch am Ufer herumliegen. Stattdessen braucht man für den Transport des sperrigen Boards (auch wenn man die Luft auslassen kann, ist es sperrig) einen fahrbaren Untersatz aka. Auto – oder schleppt ihr das Zeug im Bus oder auf dem Radl mit? Eben. Und wenn ihr die Pumpe vergessen habt, dann war die ganze Schlepperei sowieso für nix.

Auch kulturell werfen uns die Boards um Jahrhunderte zurück. Der menschliche Verstand und seine Handwerkskunst haben in tausenden Jahren die großartigsten Transportmittel erdacht, um sich schnell, effizient und sicher am Wasser zu bewegen: Vom schnittigen Kajak bis zum gigantischen Segelschiff. Boote sind Kultur und Zivilisation. Und SUPs nichts anderes, als ein trauriger Rückschritt in unserer Evolution.

Ein Pro-SUP-Argument, über das man eventuell diskutieren könnte, ist die sportliche Betätigung beim SUPen. Genau, die Bewegung beider Arme von rechts nach links. Dann muss man aber die von der Midlifecrisis gezeichneten Väter im Strandbad ignorieren, die überlegen, sich einen Zubehör-Sessel für das SUP Board zuzulegen, weil das besser für den Rücken ist. Übrigens schlägt dieses Argument in die selbe Kerbe wie E-Bikes: Klar, sie sind gefährlich und viele Fahrer*innen gehen verantwortungslos mit der neuen Macht um, aber hey: Sie bewegen sich zumindest.

Ab in die Rumpelkammer

Wie oben schon kurz erwähnt, erfreut sich Stand Up Paddeln einer ganz eigenen „Ästhetik“. Jep, ich spreche von den gequälten Gesichtern und gekrümmten Rücken, die symbolisch für den Spaß stehen, der beim SUPen aufkommt. Und weil – rückwirkend gesehen – das SUP Board genauso notwendig war, wie der teure Hometrainer oder der zweite Smoothiemaker, prophezeien wir auch diesem ein besonders langes Leben im Kellerabteil.

So, fehlen nur noch Argumente aus umwelttechnischer Sicht. Und auch hier wird deutlich: Unsere Konsumsucht ist dann doch wichtiger als die Vogerl und ihre Brutstätten. Eine Schweizer und eine Deutsche Studie, die ich in meinem Wutrausch im Internet gefunden habe, sagen nämlich, dass die aufrechte Haltung der Schnitzelgondoliere für Vögel so dermaßen störend ist – nämlich fast so störend wie bei Motorboote – dass die Folgen extremer Stress und teilweise sogar die Meidung angestammter Brutstätten sind. Die armen Vogerl! Und über die Klimabilanz der Plastikboards brauchen wir gar nicht reden. Die landen nämlich irgendwann, wenn der nächste Konsumtrend über uns hereingebrochen ist, am Müll oder zum Thema passend gleich auf der Plastikinsel im Ozean.

Jetzt könnt ihr tief durchatmen, denn wir sind fertig mit unserem Kommentar und beenden ihn mit einem Zitat von @elhotzo, der sagt:
„Menschen die StandUp machen sind grundsätzlich zu meiden, egal ob Comedy oder Paddling.“

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