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Das tut sich in der Pride Week Salzburg 2022

Das Team der HOSI im Interview.

Eine Woche für alle im Zeichen der Vielfalt.

Von 29. August bis 4. September 2022 findet in Salzburg die Pride Week statt. Bei über 30 Veranstaltungen wird gemeinsam gefeiert, gelernt und für Gleichberechtigung gekämpft. Wir haben mit Conny Felice, Conny Maier und Sarah Thome über die Highlights der Pride Week und den Generationenwechsel in der HOSI gesprochen.

Am Samstag, 3. September findet in Salzburg die große Demo zum Christopher Street Day statt. Das wird mit Sicherheit laut und bunt. Aber worum geht es dabei eigentlich?

Conny Felice: Vor rund 50 Jahren gab es in der New Yorker Christopher Street Aufstände, bei denen zum ersten Mal Schwule und Transsexuelle gegen Polizeigewalt auf die Barrikaden gegangen sind. Das ist der globale Zusammenhang. Auch in Salzburg gibt es deshalb seit Jahren den CSD und den IDAHOBIT. Und diese Veranstaltungen haben sich im Laufe der Zeit konstant weiterentwickelt.

Aus einem Tag wurde ein Wochenende und jetzt eine ganze Woche. Was hat sich inhaltlich verändert?

Conny Felice: Letztes Jahr war es noch ein CSD-Weekend, das natürlich für die Community sehr wichtig ist. Ich halte es aber für notwendig, auch die Frage zu stellen: Was können wir der Stadt zurückgeben und was kann unser Anteil am gesellschaftlichen Miteinander in Salzburg sein? Daraus ist die Idee entstanden, auch Workshops und Veranstaltungen zu organisieren, die sich nicht exklusiv an die Community richten.

Das heißt, alle Events sind offen für alle Salzburger*innen?

Conny Felice: Genau. In die Szenelokale werden wir vermutlich nicht viele Salzburger außerhalb der Community reinkriegen, aber zu einer Führung durchs Salzburg Museum sehr wohl. Oder zum Poetry Workshop im Landestheater. Dadurch übernehmen wir die Rolle der Brückenbauer*innen und tragen dazu bei, Vorurteile abzubauen.

Conny Maier: Uns war es ganz wichtig, ein möglichst niederschwelliges Angebot zu schaffen. Also auch für alle Leute, die neugierig sind, aber sich bisher vielleicht noch nicht getraut haben. Was ich zum Beispiel ganz toll finde, ist der Pride Night Kitchen Club, wo wir gemeinsam kochen und ein tolles Menü zusammenstellen. Oder diverse Workshops, bei denen man selbst aktiv werden kann. Zum Beispiel gibt es einen Poetry Workshop oder ein Workshop zum Thema Songwriting. Bei all diesen Veranstaltungen verfolgen wir einen „Edutainment-Ansatz“. Wir wollen Leute aufklären und gemeinsam Spaß haben. Wie zum Beispiel bei der queeren Karaokenight im Narrencastl oder beim queeren Pubquiz. Bei alledem sollte man trotzdem nicht vergessen, dass der CSD-Walk am Samstag eine Demo ist, bei der auch Forderungen an Politik und Gesellschaft formuliert werden.

VOM QUEEREN HAIRCUT  BIS ZUM VORTRAG ÜBER CHEMSEX: HIER FINDET IHR ALLE PROGRAMMPUNKTE DER PRIDE WEEK 2022.

Geht diese „Öffnung“ Hand in Hand mit einem generellen Wandel der HOSI?

Conny Felice: Die HOSI kommt aus dem Beratungsbereich und war immer ein Safe Space. Das ist nach wie vor wichtig und das machen wir auch in Zukunft. Aber es hat sich viel getan. Die HOSI ist vor über 40 Jahren gegründet worden, da war Homosexualität strafbar, die Leute sind in den Knast gegangen deshalb. Seitdem hat sich auf politischer Ebene viel getan. Es gibt nach wie vor Diskriminierung und Übergriffe. Nur trotzdem glaube ich, dass wir einen Riesenschritt gemacht haben. Wir sind in gewisser Weise aus der Pubertät heraußen. Wir, die queere Community, sind im Lagerhaus arbeitend, bei Porsche, bei der Raiffeisenbank am Schalter. Meine Vision wäre, auch wenn sie im Grunde unerreichbar ist, dass es die HOSI irgendwann nicht mehr braucht. Dazu müssen wir aktiv in die Gesellschaft hinein gehen und möglichst viele Berührungspunkte schaffen. Vom Workshops in Unternehmen bis in Schulen.

Conny Maier: Wir haben in den letzten Jahren gemerkt, dass wir natürlich so wie alle bis zu einem gewissen Grad im eigenen Saft schmoren. Deshalb ist die Frage nach unserer Rolle notwendig. Ganz wichtig ist dabei auch, die Jugend wieder mehr anzusprechen, denn die Leute der Generation-Z sind anders organisiert und sie bringen andere Erwartungen mit.

Sarah Thome: Wir merken immer noch, dass wir als Anlaufstelle relevant sind für Menschen, die es in ihrem Umfeld schwer haben. Zum Beispiel, weil sie in der Schule Mobbing oder Ausgrenzung erfahren oder sich selbst mit dem Thema noch schwertun. Wer bin ich und wo gehöre ich hin? Diese Fragen stellt sich immer noch der größte Teil an Menschen, die bei uns Beratung in Anspruch nehmen und Menschen kennelernen wollen.

Ist der bevorstehende Umzug in ein neues Vereinslokal Teil dieser Überlegungen?

Sarah Thome: Ein neuer Standort wird uns gut tun, damit wir mehr Jugendliche ansprechen und auch Verbündete. Das neue Vereinslokal wird ein Ort sein, wo man natürlich was trinken und spielen kann, wo man aber auch gerne hingeht und zwar nicht nur ein paar Wochen, sondern auch darüber hinaus. Generell wollen wir bekannter werden im Jugendbereich. Da werden uns auch Instagram und Co. Aufschwung geben.

Conny Felice: Wenn wir davon ausgehen, dass sich im untersten Fall fünf Prozent der Bevölkerung der queeren Community zuordnen würden, dann sind das im Bundesland Salzburg mit rund 500.000 Einwohnern bereits 25.000 Menschen. Wo sind denn die alle? Die können wir mit unserem derzeitigen Lokal, so charmant es ist, nicht alle erreichen. Wir müssen die HOSI auf Augenhöhe und in der Mitte der Gesellschaft positionieren.

Zurück zur Pride Week. Was sind eure persönlichen Lieblingsveranstaltungen?

Conny Maier: Ich hoste gemeinsam mit der Academy Bar das Queere Pubquiz. Das wird richtig cool, interaktiv und ich kann versprechen, dass es nicht zu schwer wird. Also man kann die Fragen beantworten, auch ohne Teil der Community zu sein. Und es wird richtig gute Musik geben.

Conny Felice: Eines meiner Highlights ist tatsächlich das gemeinsame Kochen, weil man da auf einer völlig anderen Ebene ins Gespräch kommt, während man zusammen Tomaten schnippelt. Das ist mein Favourit. Und das zweite ist die Abschlussveranstaltung „Schatzi räum zam“, wo wir nach der Demo in Salzburg zusammenräumen um das Signal zu setzen, dass wir auch verantwortlich sind für die Stadt.

Sarah Thome: Ich freu mich sehr auf das HOSI Fest, das ja beinahe schon traditionell viermal im Jahr stattfindet. Außerdem gehe ich wahnsinnig gerne ins BRICKS und freue mich, dass sie heuer mit der After Kino Party am Donnerstag dabei sind.