Fragezeichen im See, Was wurde eigentlich aus
Kultur

Was wurde eigentlich aus … ?

Von Live im Park bis zum Leihfahrrad für Salzburg: Wir haben uns auf die Spuren einiger Salzburger Themen gemacht, um die es in letzter Zeit auffällig ruhig geworden ist.

Kennt ihr das? Manchmal kommt einem einfach so jemand oder etwas in den Sinn, von dem man ewig nix gehört hat. Unweigerlich folgt dann die Frage: Was wurde eigentlich aus z. B. meiner Volksschullehrerin oder meinem ersten Freund? So ist es uns in der Redaktion in letzter Zeit auch immer wieder gegangen. Deswegen haben wir ein paar Sachen zusammengeschrieben, über die wir gerne den aktuellen Status wissen wollten. Schauma mal, was wir rausgefunden haben.

Was wurde eigentlich aus…?

… den Umbauplänen im Volksgarten?

Angefangen hat alles mit der Frage, wie es derzeit um den Volksgarten steht. Nach groß angekündigten Umbau- und Neugestaltungsaktionen kam lange Zeit, naja, nichts eben. Kein neuer Spielplatz und die alte marode Saunahütte steht auch immer noch. Auf Nachfrage beim Salzburger Gartenamt wurde versichert, dass coronabedingt zwar nicht alles wie geplant laufe, aber das Projekt zur Gänze umgesetzt werde. Die Corona-Krise habe einfach alles lahmgelegt, Produktions- und Lieferketten funktionierten nicht wie gewohnt und Arbeitskräfte mussten zuhause bleiben. Aber das habt ihr ja eh alle mitgekriegt. Zusätzlich ist da natürlich noch die schützenswerte Fledermaus, die derzeit unter Beobachtung steht und höchstwahrscheinlich umgesiedelt werden darf und mehr Geld ist dank Wirtschaftskrise auch nicht unbedingt da. Fix ist aber, dass die Neugestaltung, dank hoher Priorität auf der politischen Agenda, vollständig finanziert ist, gute Nachrichten also. Das Ganze soll dann auch spätestens Ende 2021 fertig sein.

… dem Festival “Live im Park”?

Apropos Volksgarten: Wohin hat sich eigentlich das Live im Park verzogen? Ähnlich wie viele Kulturveranstaltungen war es auf einmal einfach weg und hat ein Loch in unseren Herzen und Sommerplanungen hinterlassen. Endlich gibt es mal eine coole Nutzung des Volksgartens im Sommer und, bam, plötzlich wie vom Erdboden verschluckt. Danke vielmals Pandemie, du Oaschloch, denn die ist, wie ihr euch vielleicht schon dachtet, Schuld daran, dass das Live im Park den Covid-Restriktionen zum Opfer fiel. Sich gemütlich ein Bierli einverleiben, die Sonne auf den dazugehörigen Bierbauch scheinen lassen und guten Bands lauschen, das vermissen wir schon ein bissi, vor allem im Sommer wäre es nett gewesen. Wir freuen uns also auf das Live im Park 2021, da gibt es dann einiges nachzuholen. Die Ausrichtung ist von Seiten der Stadt auf jeden Fall geplant, teilt man uns auf Nachfrage beim Magistrat mit. Schauma mal, dann sehma eh.

(c) Jakob Knoll

… dem ehemaligen Bürgermeister Schaden?

Immer wieder war der, inzwischen rechtskräftig verurteilte, Ex-Bürgermeister Salzburgs Heinz Schaden in den Medien. Hauptsächlich natürlich wegen Neuigkeiten zum Untreue Vorwurf gegen ihn und dem dazugehörigen Prozess. Kürzlich jedoch stießen österreichische Zeitungen auf ein etwas skurriles Hobby des Langzeitbürgermeisters. So stellt dieser Kochvideos auf Youtube, in denen er Klassiker der österreichischen Küche zubereitet. Den ganzen Ablauf kommentiert er auf Englisch und seine Frau Jianzhen übersetzt die Anweisungen auf Mandarin und schreibt die Untertitel. Das alles startete als gemeinsamer Zeitvertreib des Paares während des Lockdowns und wird angeblich weitergeführt, sollte es gut ankommen. Wir hoffen! Keiner macht ein Schnitzi wie der Schaden!

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… dem FKK-Platz im Waldbad?

Wie ihr vielleicht schon gelesen habt, haben wir uns letztens intensiv mit FKK-Badeplätzen in und um Salzburg auseinandergesetzt. Die Recherche war nicht immer einfach, vor allem weil die Infos teils schon sehr veraltet sind. Auf vielen Seiten im Netz wurde auch das Waldbad Anif als Paradies für Nackedeis angeführt, allerdings stimmt das nicht mehr. 2018 wurde der ganze FKK Bereich geschlossen, einerseits, weil immer weniger Besucher*innen kamen, die Nacktbadenden gehören halt doch eher zur aussterbenden Generation, und andererseits weil es auch immer öfter zu Problemen mit, nennen wir es mal, unangebrachten Verhalten kam. Und so trifft es sich gut, dass in dem Bereich jetzt der Wakeboardlift die Adrenalinjunkies durchs Wasser reißt. Wer trotzdem in Anif Nacktbaden möchte, dem sei die Königsseeache ans Herz gelegt, die ist mindestens genauso saukalt wie das Waldbad.

(c) Waldbad Anif

… dem Leihfarrad für Salzburg?

Salzburg brüstet sich ja selbst gerne mit dem Titel einer Fahrradhauptstadt und gibt mit vielen guten Ideen und Innovationen an: Eine davon war das S-Bike, ein stadteigenes Fahrradverleihsystem, das Teil des multimodalen Verkehrs werden sollte. Multimodalität, was ist denn das schon wieder, fragt ihr? Naja, im Prinzip geht es darum, dass man ganz simpel viele verschiedene Fahrzeuge innerhalb kurzer Zeit nutzen kann und somit umweltfreundlich, günstig und schnell von A nach B kommt. Ein Leihfahrrad, das an allen wichtigen Orten in Salzburg ausleihbar und wieder abgebbar ist, würde laut den Projektleitern genau dabei helfen und zusätzlich für mehr Radler*innen im Verkehr sorgen. Der Gemeinderat hatte das Projekt sogar schon bestätigt, allerdings verhinderte das Projekt 2017 (laut Angaben der Initiator*innen) der nunmehrige Youtube-Koch Heinz Schaden in seiner Funktion als Bürgermeister. Nun befinden sich die Projektbetreuer*innen bereits im dritten Anlauf das S-Bike umzusetzen, ob das etwas wird? Naja, wir würden es feiern.

… dem Mountainbiketrail am Gaisberg?

Fahrradhauptstadt die Zweite: Das Radln bezieht sich natürlich nicht nur auf den Alltagsradverkehr, auch in der Freizeitgestaltung spielt es eine große Rolle, in Salzburg ist das dann meistens in Form von Mountainbiken. Eh klar, Berge haben wir eindeutig genug dafür. Seit 2018 steht nun konkret der Plan im Raum einen Mountainbiketrail am Gaisberg zu etablieren. Dabei soll es sich um einen Singletrail handeln, einen Pfad also, der so schmal ist, dass er nur hintereinander und nur in eine Richtung befahren werden kann, ohne andere zu gefährden. Geplant ist er derzeit von der Gaisbergspitze bis zur Gersbergalm und wird um die 250.000 Euro kosten, die in Teilen auch von Stadt und Land finanziert werden. Allerdings kommt es wie so häufig zu Verzögerungen. Die Strecke muss neu abgenommen werden, weil jahreszeitenbedingt ein Teil der geplanten Strecke verlegt wurde. Dazu müssen aber alle vier Grundbesitzer unterschreiben, Bürokratie halt. Die radelnden Adrenalinjunkies werden sich also noch gedulden müssen oder Alternativen suchen, denn wann der Trail fertig wird, weiß keiner so genau.

Gaisbergspitze (17 von 10)

… dem Taubenhaus in der Stadt?

Für die einen sind sie Ratten mit Flügeln, für die anderen romantische Altstadtbewohner*innen. Jedenfalls sind sie viele und werden immer mehr. Die Rede ist von den Tauben, für die eine Lösung gefunden werden sollte und die mit dem Taubenhaus auch gefunden schien. Doch ganz so einfach ist es nicht: Denn nachdem 2019 einige Gesprächsrunden stattfanden und auch im Budget 2020 100.000 Euro für die Errichtung eines Taubenhauses festgelegt wurden, ist das Projekt derzeit auf Eis gelegt. Gründe dafür sind die Standortfrage und die voraussichtlichen Gesamtkosten des ersten Bauentwurfs, von circa 490.000 Euro, also doch ein bissi mehr als veranschlagt. Die Tierschützer*innen von der ARGE Stadttauben sagen übrigens, dass man auch viel günstiger ein Taubenhaus bekommen könnte. Es kursieren also sehr unterschiedliche Vorstellungen von der Lösung für die Vogis und es könnte somit noch einige Zeit dauern, bis diese gefunden ist. Bis dahin brüten die rund 3000 geschätzten Täubchen halt, wo es ihnen passt.

Alle Beteiligten reiten glücklich gen Gentrifizierung.

… dem Kunstfreiraum in der Rauchmühle?

Wirklich aus den Augen verlieren hat man das Wohnbauprojekt Rauchmühle nicht wirklich können. Das liegt natürlich an Themen wie der Art und Weise der Vergabe der Wohnungen, die schon öfter vom Landesrechnungshof kritisiert wurde oder der budgetär bedingten Entscheidung der Stadt, doch keine Räumlichkeiten im historischen Teil des Quartiers für die Kulturszene zu mieten. Trotzdem oder gerade deshalb fragt man sich: Wie geht’s dem Projekt jetzt wirklich? Die gute Nachricht, die Gebäude sind eigentlich fast fertig und für den durch den Stopp des Kreativzentrums frei gewordenen Raum wurde bereits ein Mieter aus der Digitalwirtschaft gefunden. Gott sei Dank! Naja und jetzt wird das Ganze langsam bezogen und alle Beteiligten reiten glücklich gen Gentrifizierung. Um die vom ressortzuständigen Vizebürgermeister Auinger angekündigten Alternativen für die Kulturszene ist es allerdings ruhiger geworden.

… der 380 kv Leitung?

380 kv Leitung. Bei diesem Wort gehen bei einigen Salzburger*innen die Gemüter so richtig hoch. Für alle, die die letzten fünf Jahre nicht in die Zeitung geschaut haben: Damit ist die geplante neue Höchstspannungsleitung durch Salzburg gemeint, die die Netzknotenpunkte St. Peter am Hart und Tauern bei Kaprun verbinden soll. Die Kritik gegen das Projekt in seiner Ausführung war und ist massiv, Hauptkritikpunkte sind Gesundheit, Umweltschutz, Ästhetik und unpassendes Terrain. Als Alternative wird ein Erdkabel gefordert, das in all diesen Punkten laut Gegner*innen der sogenannten Freileitung, besser abschneidet, aber auch mehr kostet. Auf jeden Fall war im Herbst 2019 trotz der Kritik Baubeginn der Freileitung. Zeitgleich gab jedoch ein EuGH Urteil in dem Bereich den Gegner*innen wieder Aufwind, weswegen diese am 27. September statt dem Rupertikirtag am Kapitelplatz eine Picknickdemo veranstaltet und derzeit gibt es am Mozartplatz sogar einen Hungerstreik. Es scheint also so, als wären hier die Würfel noch nicht gefallen.

… dem Grillplatz am Glanspitz?

#ripoida: Den gibt es nicht mehr. Ausnahmsweise sind aber nicht Corona oder zu wenig Kohle daran Schuld, sondern der Zorn der Anrainer*innen. Die haben sich so oft und zahlreich über die Grillenden beschwert, da hat sich das Magistrat den Wutbürger*innen gebäuugt und die Lizenz zum Grillen wieder entzogen. Klar kann das schon mal schnell eskalieren, am Ufer der Glan mit dem Müll und der Lautstärke, da muss man als Verwaltung natürlich rigoros drüber fahren. Aber gerade, weil nicht jede*r ein Einfamilienhaus mit schönem Garten (wir gehören zu den traurigen Wohungsmieter*innen) besitzt, wäre es schön, wenn man nicht aufs Guerilla-Grillen auf dem Balkon angewiesen wäre. Quo vadis, Halloumi und Wiaschtl?

… dem QWANT.Magazin?

Wir wissen oder hoffen zumindest: Ihr alle liebt das QWANT.Magazin genauso sehr wie wir. Deshalb tut es uns ja auch so leid, dass wir den geplanten Relaunch Covid-bedingt im Sommer ausfallen lassen mussten. Wir sind bei der Finanzierung des Magazins von Inseratenkunden abhängig und solange die mit Corona kämpfen, heißt es auch für uns: bitte warten. Aber natürlich wird es das Heft wieder geben, da könnt ihr euch drauf verlassen.

(c) Niko Zuparic