Ungewöhnliche Berufe: Tabea ist Dramaturgin.

In dieser Rubrik stellen wir euch Jobs vor, die im Alltag oft unsichtbar bleiben. Obwohl ihre Eltern gesagt haben, sie solle was Gscheites lernen, wurde Tabea Dramaturgin (und Regisseurin) am Schauspielhaus und macht … ja, was eigentlich?

Tabea, was machst du den ganzen Tag?

Ich sichte Stücke für Spielpläne der nächsten Jahre. Ich lese Neuerscheinungen, ich schaue mir die Klassiker nochmal an. Schaue, ob da was drinnen ist, was man für unsere Zeit nochmal adaptieren kann, etwas, das uns anspricht, uns fasziniert. Ich lese auch Romanneuerscheinungen und denke nach, ob da ein spannendes Thema dabei ist.

 

Wenn du dir einen Roman auf der Bühne vorstellen könntest, wie geht’s dann weiter?

Wenn ein Roman auf die Bühne soll, verwandle ich diesen in etwas Dialogfähiges, ich erstelle eine Fassung. Oder ich assistiere der Regie dabei.

Schuhlager vom Schauspielhaus.

Das Stück "1984" hat Tabea Baumann nach der Originalfassung von George Orwell geschrieben und ins Jetzt geholt.

Ist deine Arbeit dann fertig?

Nein, nein. Während dem Probeprozess bin ich auch Ansprechperson für alle Rückfragen. Das ist der Zeitpunkt, wo die meisten Beteiligten so im Prozess sind, dass sie eine Betriebsblindheit riskieren. Gerade hier ist der Blick durch die Dramaturgie wichtig, weil es der Blick von außen ist. Da muss man der Regie schon mal sagen: „Du, das ist eine großartige Idee, aber das versteh ich nur, wenn ich mich schon seit einem Jahr damit beschäftigte.“

Wie wird man Dramaturgin?

Es gibt ein Dramaturgiestudium, einige studieren auch Theaterwissenschaften. In meinem Fall war das nicht so, ich habe Geschichte studiert und Germansitik, wobei ich Geschichte abgeschlossen habe, Germanistik nicht. Ich würde sagen, ich hab davon profitiert. Dass es eben nicht zu einschlägig war. Aber es hilft natürlich, wenn man eine gewisse Grundbildung in Literatur und Literaturgeschichte hat. Oder zumindest ein sehr großes Interesse dafür mitbringt.
 
Jetzt ist es klar: In der Kiste befindet sich all das Schöne.

Ein Stück, das Tabea geschrieben hat, heißt "1984". In unserem neuen Kulturformat "Was soll das Theater?" schauen wir es im April gemeinsam an. Vorher haben wir noch ein Theater-Date: Am 20. Dezember schauen wir uns gemeinsam "Nachtland" an, Tabea wird's uns vorab erklären.

Du schreibst aber auch Stücke, oder?

Ja, in meinem Fall ist die Stelle noch ein bisschen spezieller. Weil ich zusätzliche Aufgaben übernehme. Zum Beispiel schreibe ich fürs Haus und ich inszeniere auch seit mittlerweile zwei Jahren.

 

Wie lange dauert das Schreiben an so einem Stück?

Bei „1984“ waren es etwa drei Monate, da bin ich aber nicht durchgängig dran gesessen. Manchmal geht’s ganz schnell, dann wieder nicht. Das ist unterschiedlich und kommt drauf an, wie buchgetreu man sein möchte. Bei „1984“ habe ich aus dem englischen Original gearbeitet und es selbstständig übersetzt. Man kann sagen: Gut ein Drittel Dialog entstammt dem Original, der Rest ist von mir oder aus den Beschreibungen aus dem Text, bei den Proben hat sich der Text aber auch noch einmal in Zusammenarbeit mit der Regie und den Schauspieler*innen verändert.

Bühnenbilder, wenn sie gemalt werden.

Warum bist du am Theater und nicht beim Film?

Ich bin familiär vorbelastet, meine Eltern haben beide am Theater gearbeitet. Sie haben sich dort kennengelernt und mir dann gesagt, ich soll was Gescheites lernen. Ich hab mich nicht dran gehalten, sondern eben erst Geschichte studiert und dann bin ich doch am Theater gelandet.

Es ist, glaub ich in erster Linie, die Nichtwiederholbarkeit der Darstellung und die Nichtwiederholbarkeit des Abends. Wenn ich ins Theater gehe, dann weiß ich: Ich sehe etwas Reales ein einziges Mal. Und natürlich ist da ein wahnsinniger Arbeitsprozess davor, damit es so aussieht, wie es aussieht. Aber die Performance, die findet nur an dem Abend statt, an dem ich da bin. Es geschieht in dem Moment, in dem ich dabei bin und es wird für mich auf die Bühne gebracht.

Wenn ihr am 20. Dezember 2023 zu "Nachtland" mitkommen wollt, dann besorgt euch die Karten direkt beim Schauspielhaus. Das geht so: Per Mail an office@schauspielhaus-salzburg.at (Betreff: "Was soll das Theater") oder anrufen unter +43 662 808585 (auch Betreff "Was soll das Theater"). Sie sind reduziert (18 Euro statt 28 Euro) und inkludiert ist: Vorbesprechung, das Stück und Nachbesprechung. Es kommen sicher (wie immer) nur nette Leute, die Interessen mit euch teilen und das ist ja auch schon was.

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