Gesucht: Superheldin – Wo das Berufsleben familienfreundlich wird

Mutterschaft ist keine Hürde in der Arbeitswelt, findet Sandra Westermann. Zumindest nicht dann, wenn Unternehmen den Mitarbeiterinnen maximale Flexibilität bieten. Dass das mit der Vereinbarkeit zwischen Beruf und Familie auch wirklich hinhaut, dafür arbeitet sie jeden Tag.

Superheldin“ heißt die Plattform, Sandra Westermann hat sie vor mittlerweile anderthalb Jahren aus dem Boden gestampft. Dabei handelt es sich um eine Stellenbörse, aber keine gewöhnliche: Ausschließlich Jobausschreibungen, die sich an Eltern, bevorzugt Mütter wenden, werden von Sandra Westermann und ihrem Team dort aufgenommen. Trotzdem soll es da wider Erwarten nicht nur um Teilzeitjobs gehen, denn in Teilzeitjobs sind die meisten Mütter unzufrieden, weiß Westermann. Lieber schaut sich Superheldin also nach Unternehmen um, wo flexible Vollzeit oder auch Vollzeit nähere Modelle garantiert werden: Wo Mütter also etwa nur vormittags im Büro sind und nachmittags von zuhause aus arbeiten können.

Dass sie mitten in der Karenz gekündigt wurde, hat sie auf die Suche nach einem neuen Job geschickt. Und auf einmal, erzählt Westermann, stand sie vor denselben Problemen wie viele Frauen mit Kindern.

„Superheldin ist meine persönliche Lebensgeschichte“

Sandra Westermann ist selbst eine jener Mütter, die die flexible Vollzeit nicht missen möchte. Meistens arbeitet sie vormittags, manche Aufgaben erledigt sie aber auch abends, wenn ihre kleine Tochter schläft – von zuhause aus. Wenn sie die Idee ihres Unternehmens erklärt, weiß Westermann also genau, wovon sie spricht. Denn die Vereinbarkeit in ihrem Leben war nicht immer gegeben, sagt sie. „Superheldin ist meine persönliche Lebensgeschichte.“ Dass sie mitten in der Karenz gekündigt wurde, hat sie auf die Suche nach einem neuen Job geschickt. Und auf einmal, erzählt Westermann, stand sie vor denselben Problemen wie viele Frauen mit Kindern: Sie wollte eine Arbeit, für die sie nicht überqualifiziert ist und sie wollte Flexibilität.

Weil Sandra Westermann in der Fernsehbranche tätig war, fand sie eher durch Zufall eine befristete Stelle, die endlich die ersehnte Flexibilität bot. „Dann war diese Zeit vorbei und ich habe eine Jobbörse für Mütter gesucht und nicht gefunden.“ Sie hat sich lange umgehört, im Freundinnenkreis und in Elterngruppen und außerdem Klagen über Fachkräftemangel gehört. Irgendwann war der Entschluss reif, Mütter zu unterstützen und gleichzeitig dem vielseits beklagten Fachkräftemangel entgegenzuwirken. Am Ende hat Sandra Westermann also gegründet, was es bisher noch nicht gab: Eine Stellenbörse für Eltern.

Für viele Unternehmen lohnt es sich, Frauen mit Kindern und Kinderwunsch einzustellen.

Unternehmen erkennen den Trend zur Familienfreundlichkeit

Eigentlich sind Mütter ja eine Bereicherung für Unternehmen, sagt Sandra Westermann. „Sie sind meist top ausgebildet und haben Erfahrung. Unternehmen, die Mütter einstellen, erhalten meist motivierte Mitarbeiterinnen. Und es stärkt natürlich das Image des Unternehmens“, erklärt sie. Für viele Unternehmen lohnt es sich, Frauen mit Kindern und Kinderwunsch einzustellen. Diese Botschaft hat sich Superheldin auf die Fahnen geschrieben.

Und es gibt gute Neuigkeiten: Drei von vier Unternehmen, beobachtet Westermann, haben den Trend zur Familienfreundlichkeit erkannt und ziehen nach. Besonders die Coronakrise hatte in dieser Hinsicht positive Auswirkungen. Sie hat Unternehmen nämlich gewissermaßen gezwungen, auf Flexibilität umzuschichten und sich dieser Ressource zu öffnen. Und auch Studien beweisen, dass das Thema Vereinbarkeit von Familie und Beruf in den letzten Jahren an Bedeutung gewonnen hat.

Auch bei Superheldin spürt man diesen Aufwind. Die Plattform hat sich in Deutschland mittlerweile stark rumgesprochen und bedeutende Kunden wie etwa McDonalds und Coca-Cola an Land gezogen. Es gibt einen eigenen Magazinbereich, wo familienfreundliche Unternehmen porträtiert werden und Westermann und ihr Team arbeiten daran, in Zukunft auch im Headhunting aktiv werden zu können. Außerdem will man demnächst auch nach Österreich expandieren. Aber das Herzstück der Firma ist dasselbe geblieben: Jedes Mal, wenn Sandra Westermann erfährt, dass eine Mutter durch ihre Stellenbörse vermittelt werden konnte, ist sie immer noch genauso stolz, erzählt sie.

Für die Transparenz zeigt jede Stellenausschreibung auf Superheldin ein Barometer für Familienfreundlichkeit an.

Familienfreundliche Kriterien

Damit das auch weiterhin garantiert werden kann, werden Anzeigen auf Superheldin nicht auf anderen Stellenbörsen gestreut. So können die Mütter von Superheldin von den Arbeitgeber*innen nicht unter der Fülle von Bewerbungen aus anderer Jobbörsen übersehen werden. Für die Transparenz zeigt jede Stellenausschreibung auf Superheldin ein Barometer für Familienfreundlichkeit an. Die Kriterien dazu umfassen etwa, ob das Unternehmen einen Betriebskindergarten hat, einen Eltern-Kind-Tag, individuelle Arbeitszeitengestaltung anbietet oder Gleitzeit.

Im Vorfeld werden diese Kriterien von Superheldin bei den Unternehmen abgefragt. Aber auch, wenn ein Unternehmen nicht hundert Prozent der Anforderungen erfüllt, kann es bestimmte Mütter ansprechen: Nicht jede Mutter hat beispielsweise Bedarf an einem Betriebskindergarten, weil der Nachwuchs anderweitig betreut ist. Die Bedürfnisse von Müttern seien ja schließlich auch unterschiedlich.

Männer werden bei Bewerbungsgesprächen nach wie vor nicht gefragt, ob sie Kinder haben oder planen. Frauen sind immer noch unterrepräsentiert in der Führungsriege und werden schlechter bezahlt als ihre männlichen Arbeitskollegen.

You go, Girl!

Besondere Sensibilität legt man bei Superheldin auf das Wording, sagt Westermann. Wenn ein Unternehmen etwa die Stellenausschreibung für Superheldin so formuliere, dass Frauen davon abgeschreckt werden, wird sie mit Überarbeitungshinweisen wieder zurückgeschickt, erzählt sie. „Männlich formulierte Anzeigen sind etwa sehr knapp formuliert oder enthalten bestimmte Begriffe. Das weiß man aus verschiedenen Studien“, sagt Westermann. Zudem haben Umfragen gezeigt, dass Frauen sich erst auf Stellen bewerben, wenn sie in ihren Vorstellungen mindestens 70 Prozent der Anforderungen erfüllen. Bei Männern hingegen reichen 30 Prozent. Das sind geschlechtsspezifische Überlegungen, die man bei Superheldin einbezieht.

Auch aus diesen Gründen wendet sich Superheldin nicht gleichsam auch an Männer, sondern primär an Frauen. Um genau zu sein, sind nur 0,4 Prozent der Bewerber*innen auf der Plattform männlich. „Männer können alle anderen Börsen benutzen. Momentan muss man einfach Frauen unterstützen, sie brauchen diesen Schub“, findet Westermann. Denn: Männer werden bei Bewerbungsgesprächen nach wie vor nicht gefragt, ob sie Kinder haben oder planen. Frauen sind immer noch unterrepräsentiert in der Führungsriege und werden schlechter bezahlt als ihre männlichen Arbeitskollegen. Auch wenn sich vieles gerade zum Guten hin verändert, es besteht eben weiterhin Aufholbedarf.

Anhand der Analysen der Bewerberinnen auf ihrer Plattform kann Sandra Westermann neuerdings eine weitere Entwicklung beobachten: Nämlich, dass sich immer mehr junge Frauen während oder kurz nach dem Studium bereits nach familienfreundlichen Arbeitgeber*innen umsehen. Junge kinderlose und gebildete Frauen sind das, die flexible Arbeitsbedingungen suchen und schätzen. Sandra Westermann begrüßt diese Entwicklung. Die Zukunft soll schließlich vereinbar sein.

Sandra Westermann
(c) Sandra Westermann

Titelbild: Brooke Cagle /  Unsplash

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