Frechdachs

#angebenmitehrenamt: Wie Christiana das Leben eines Kindes verändert

Bissi weniger Self Care, bissi mehr Other Care

Eine Stunde in der Woche kann so gut eingesetzt werden

Für unseren Kommentar über „Less Self Care und mehr Other Care“ haben wir viel Feedback bekommen. Einiges war positiv, einiges negativ, sogar verhöhnende Kommentare waren dabei. „Wer hat dafür schon Zeit?“ oder „Wer mit seiner ehrenamtlichen Arbeit angibt, ist ein armes Wiaschtl“ – sehen wir ganz anders. Helfen ist schön, Ehrenamt ist gut und deswegen fangen wir jetzt ganz langsam an, euch Menschen zu zeigen, die sich um andere kümmern. Und weil sie es nicht erzählen, tun wir das halt jetzt. #angebenmitehrenamt

Sag einmal: Wer bist du eigentlich?

Ich bin Christiana, 27 Jahre alt, aus Salzburg. Eigentlich komme ich vom Land, aber ich studiere jetzt Lehreamt für Volksschule.

Was ist deine ehrenamtliche Aufgabe?

Ich bin Teil vom Projekt Generationenlernen. Seit letztem April komme einmal in der Woche zu einem türkischen Mädchen, Hazal, und wir schauen, wo sie Hilfe braucht. Wir schauen, dass wir ins Reden kommen und einzelne Deutschübung machen. Sie ist einfach nicht ganz flüssig in Deutsch, dadurch hinkt sie in der Schule nach. Aber eigentlich machen wir, was gerade ansteht. Das kann auch mal Mathe sein. Oder wie es zum Schulwechsel gekommen ist – da gab’s viel zu lesen und auszufüllen. Hazals Mutter kann zwar Deutsch, aber nicht ganz so gut, um sich durch die Bürokratie zu kämpfen.

Was glaubst du, hat Hazal davon, dass du eine Stunde in der Woche mit ihr lernst?

Ganz klar lernt sie besser Deutsch. Aber ich habe auch andere Veränderungen bemerkt. Sie ist stolz, dass wir uns treffen, wir haben auch eine Freundschaft aufgebaut. Sie ist gestärkter und man merkt, dass es für sie ein gutes Gefühl ist, jemanden hinter sich zu wissen, ihr Mut macht und helfen kann.

„Ich hatte immer Eltern, zu denen ich mit all meinen Fragen gehen konnte. Es ist einfach ungerecht, dass andere Kinder das nicht können, nur, weil ihre Eltern nicht so gut Deutsch sprechen.“

Warum hast diesen Weg gewählt und bist nicht bei einer Nachhilfeagentur gelandet?

Es gibt so viele Menschen, die sich das nicht leisten können. Wenn man sich mit dem Thema Bildung auseinandersetzt, dann weiß man: Vor allem Kinder aus sozial schwächeren Familien sind benachteiligt, weil ihnen zuhause einfach niemand helfen kann. Diese Kinder erreicht man mit konventioneller Nachhilfe nicht, das kann sich niemand leisten. Deswegen habe ich beschlossen: Wenn ich hier helfen will, muss das unbezahlt sein. Und für mich ist das voll ok. Mir geht’s in dieser Sache nicht ums Geld.

Worum geht’s dir?

Mir war es wichtig, zu helfen, wo Hilfe nötig ist. Und ein bisschen die Welt verbessern (lacht).

Was gibt dir die Motivation für dein Engagement?

Das, was ich in meiner Kindheit gehabt habe, die Unterstützung von Zuhause – das haben viele Kinder einfach nicht. Nicht, weil die Eltern nicht wollen, sondern weil sie nicht können. Weil ihr Deutsch noch nicht gut genug ist. Wie es auch bei meinem „Patenkind“ ist: Die Mama kann Deutsch, ist bemüht und macht Kurse. Aber es reicht nicht, um die Kinder in der Schule zu unterstützen. Ich hatte immer Mama und Papa, zu denen ich mit all meinen Fragen gehen konnte. Es ist einfach ungerecht, dass andere Kinder das nicht können, nur, weil ihre Eltern nicht so gut Deutsch können. Das will ich ausbessern. Es ist ein Privileg, wenn man in eine Familie wie meine geboren wird. Ich will etwas zurückgeben, das ich sehr geschätzt habe.

„Man geht mit einem Strahlen da raus, man weiß, man hat etwas Gutes getan und gleichzeitig hat es einem selbst etwas Gutes getan, weil es einen richtig froh macht.“

Was kiegst du zurück?

Das finde ich eine ganz wichtige Frage und die ist gar nicht so leicht zu beantworten. Ich möchte nicht sagen ‚Dankbarkeit‘. Das klingt so nach „Man erbarmt sich“. Weniger das, aber – und das klingt jetzt sehr nach Klischee – dass man neue Freundschaften knüpft. Und man findet einen Bezug zu anderen Menschen, die ich ohne diese Arbeit nie kennengelernt hätte. Ich werde so herzlich empfangen, mit einem Strahlen im Gesicht. Es ist so nett, wenn sich Menschen freuen, einen zu sehen und das ehrlich zeigen. Deswegen mach ich das so gern, weil man sieht, die Hazal freut sich, wenn ich komme – und ihre Mama sagt es mir auch immer. Auch, dass man einen Einblick in eine andere Familie kriegt. Man geht mit einem Strahlen da raus, man weiß, man hat etwas Gutes getan und gleichzeitig hat es einem selbst etwas Gutes getan, weil es einen richtig froh macht.

Wie kriegst du das zeitmäßig hin?

Ich studiere, also muss ich (noch) nicht von 9 bis 5 arbeiten. Ich habe meinen Alltag so organisiert, dass Hazal und ich einen gemeinsamen, fixen Tag in der Woche ausgemacht haben. Die Stunde steht im Kalender und auch wenn es stressiger ist, ist an diesem Termin nicht zu rütteln. Und wenn es einmal gar nicht gehen sollte, dann verschiebt man halt.

Wie bist du eigentlich auf Hazal gekommen?

Ich hab ganz klassisch gegoogelt, „Freiwilligenarbeit in Salzburg“, und da kommt man dann schnell auf die Seite vom Freiwilligen Zentrum Salzburg. Da kann man jede Menge Parameter anklicken, ob man mit Kindern, Schulkindern, mit Migrationshintergrund oder mit älteren Menschen arbeiten möchte. Für mich war klar: Ich möchte etwas mit Kindern machen und hab einfach geschaut, was mich denn anlacht.

Was rätst du Menschen, die auch in diese Richtung gehen wollen?

Einfach mal ausprobieren. Das hab ich mir auch gedacht: Ich probier es einfach mal. Ich hör mir an, was die von der Organisation sagen, wie die so sind, was sie sich erwarten. Wenn jemand kommt, der etwas anzubieten hat, dann steigt jeder sofort drauf ein. Dann ist es gleich voll nett, so war’s zumindest bei mir. Ich hab mir gedacht, ich fühl mich so super aufgehoben, weil jeder das Beste für einen und die Patenkinder will.

Was ist dieser Verein Einstieg?

Einstieg ist eine NGO, die an fünfzehn Standorten im ganzen Land Salzburg agiert. Insgesamt umfasst der Verein 23 Projekte, von Jugendcoaching, Jobcoaching, Beratung von (jungen) Erwachsenen, Beratung von Mädchen, aber eben auch Nachhilfe-Gschichtn wie Generationenlernen, das Projekt, für das Christiana arbeitet. Für Generationenlernen ist Einstieg immer auf der Suche nach Menschen, die ihr Wissen und ihre Möglichkeiten ehrenamtlich teilen. Ihr könnt gerne unmittelbar Kontakt aufnehmen mit der Projektleiterin, Barbara Freiszmuth, 0650-9438586, b.freiszmuth@einstieg.or.at – die alle Freiwilligenprojekte bei Einstieg koordiniert.

Eva ist eine richtige Ex-Exil-Salzburgerin. Frankreich, USA, Schweiz - aber nirgends ist es wie zuhause. Journalismus, Marketing (Kosmetik und dann Bier) und eigentlich redet sie auch ganz gern.

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