Film & Theater Kultur Mischmasch

Z’fleiss dagegen: Nieder mit den Sonderepisoden in unseren Lieblingsserien

Die einzig legitime Frage lautet hier: Warum wird das überhaupt produziert?

Warum Sonderepisoden von Serien nicht sein dürfen

Serien sind für viele Menschen emotionaler Support, Unterhaltung und Zeitvertreib zugleich. Umso mehr nervt es, wenn diese Lieblingsserien langsam schlechter werden (hust Game of Thrones hust), abrupt enden oder irgendwelche verrückten Episoden enthält, die Würgereiz auslösen. Da hilft nur eins: sich gehörig darüber aufregen und anschließend konsequent ignorieren.

Nachdem das mit dem Impfen immer noch nicht so hinhaut und der Gesundheitsminister von irgendwas mit dritter Welle spricht, werden wir uns wahrscheinich noch länger mit „Social Distancing“ und „Lockdowns“ beschäftigen müssen. Und was bleibt dann, wenn es nichts mehr zu tun gibt? Oder man im Home Office irgendwie die Zeit herumdrucken muss, weil’s so nervt? Oder man einfach keine Energie mehr für was anderes hat? Richtig viele Prä-Midlifecrisler*innen greifen dann zur Lieblingsserie und bingen die so richtig durch. (Für alle, für die das Internet „noch Neuland ist“, bingen bedeutet direkt hintereinander mehrere Folgen einer Serie zu konsumieren.) In meinem Fall ist das Scrubs, die Arztsitcom mit dem tagträumenden Protagonisten – und eines passiert jedes Mal, wenn ich diese Serie schaue: Ich überspringe prinzipiell jede Sonderepisode.

Sonderepisoden könnte man auch sein lassen

Und schon sind wir beim eigentlichen Thema und Stein des Anstoßes: Die „SONDEREPISODEN“. Aufgrund fehlenden besseren Namens werden diese Zwitterwesen der Serienlandschaft von mir hier so genannt. Zwitterwesen deshalb, weil diese herausstechenden Episoden gleichzeitig witzig, spritzig, kreativ UND grauenhaft, fremdschämend, langweilig sein können. Unter diese Sonderepisoden fallen: Weihnachtsspecials, Halloweenspecials, Urlaubsepisoden außerhalb des typischen Settings oder genrewechselnde Folgen. Allerdings die mit Abstand Schlimmsten, die sich für unglaublich witzig haltenden und leicht homophobe Dad-Jokes reißenden Onkel unter den Sonderepisoden, das sind die Musical Episoden. Bah!

Alle Jahre wieder (scheiße)

Diese Specials stammen aus einer Zeit, in der Serien im Fernsehen zu bestimmten Zeitpunkten ausgestrahlt wurden. Um einer einschlafenden Serie wieder Leben einzuhauchen, wurde dann gut und gerne mit dem Restbudget alles auf eine Karte gesetzt. Die daraus entstehende Musical Episode bewarb man über lange Zeit groß und stark und oft steigerte das wirklich die Quoten. Andere Sonderepisoden kamen so sicher, wie die alljährlichen Sesselliftfotos mit der Caption „Traumtagerl“ zu Beginn des Winters. Sicher, ein Weihnachtsspecial im Advent macht ja auch Sinn und ist vielleicht angenehm anzuschauen, die gleiche Folge im Juli wirkt aber irgendwie deplatziert. Nie ist Timin mehr aufgefallen als jetzt. Danke Corona!

Aber jetzt mal ehrlich, es gibt keine ernst gemeinte Musical Episode die spannend ist und zur restlichen Serie passt oder nicht nervt.

Denn die meisten Musical Episoden haben ein großes Problem. Die Serien, in denen sie stattfinden, sind in den häufigsten Fällen sehr weit von Musicals entfernt. Dementsprechend fällt es den Showrunnern sehr schwer, diesen Genrewechsel geschmeidig in den Verlauf der Serie einzubetten. Das Ergebnis ist somit (fast) immer langweilig. Dabei wird sich zweier Handlungsschemata bedient. Nummer eins wäre die klassische Musicalaufführung, wie in Riverdale, wo die Schule eine solche veranstaltet. Nummer zwei – und noch viel abstruser – ist das Krankheit/Illusion-Schema, beispielsweise in Scrubs zu sehen, wo eine Patientin mit unerklärlichem Krankheitsverlauf alles um sich herum als Musical wahrnimmt.

Das ist halt wie damals in der Volksschule, wenn man aufgrund fehlender Kreativität bei der Fantasiegeschichte am Schluss geschrieben hat: „Und plötzlich wachte Fritz auf, es war alles nur ein Traum. Ende.“

Im Zeitalter des Bingens fällt fehlende Kreativität stärker auf

Und so bleibt eines immer gleich, die Musical Episoden reißen, egal ob man jetzt Musical-Episoden oder Musicals im Allgemeinen mag oder nicht, die Rezipient*innen immer aus dem Gefühl der Serie heraus. Weiters finden diese Sonderepisoden immer erst statt, wenn den Showrunnern die Ideen ausgehen, die Fangemeinde wegschläft oder irgendwie gerade ein Musical durch die Decke geht. Noch einmal: Das sind leider keine guten Gründe, um eine solche Folge zu produzieren. Klar gibt es bei den meisten Serien irgendwelche Multitalente, die Singen, Tanzen und Schauspielern können, aber häufig ist das nur ein kleiner Teil des Casts. Was ist mit dem Rest?  Der fällt in der eh schon als Zumutung empfundenen Musical-Einlage eher negativ auf.

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In Conclusio, wenn die einzig guten Musical Episoden die bekannt sind (South Park „Elementary School Musical“ und Community „Regional Holiday Music”) aus Sitcoms stammen und ebenjene musikalischen Einlagen aufs Korn nehmen, dann kann das nur bedeuten, dass Musical Episoden an sich, derb gesagt, Oasch sind. Also, liebe Produzent*innen und Regisseur*innen, die sicher alle brav diesen Text hier lesen, bitte lassts die Finger von solchen Grauslichkeiten! Danke!


(c) Jonas Rettenegger

Jonas, der Wutopa (der keiner ist)

In der Redaktion und dem Fräulein Flora Kosmos als feinziger Wutopa bekannt, ist Jonas eigentlich ein recht umgänglicher Exilsalzburger, der in Graz Journalismus und PR studiert. Und obwohl Graz echt gmiadlich ist, fehlt ihm das Heimatbundesland und vor allem dessen Hauptstadt oft sehr, am meisten natürlich die Festspiele. ;D