Kultur Literatur

Wie ihr dem Traum von der Schriftstellerei ein Stück näher kommen könnt

Salzburgs Literaturwettbewerb "Wir lesen uns die Münder wund" sucht Nachwuchstalente.

Der Literaturwettbewerb „Wir lesen uns die Münder wund“ geht in die nächste Runde. Wir haben Sieger*innen der vergangenen Jahre getroffen, weil wir wissen wollten, wie das Schriftstellerwerden so ist und wie man heuer selbst mitmachen kann. 

Seit 2009 kann man sich in Salzburg als Autor*in ausprobieren. Da hat nämlich das MARK.freizeit.kultur zusammen mit dem Literaturhaus Salzburg und der erostepost einen Wettbewerb mit dem klingenden Namen „Wir lesen uns die Münder wund“ ins Leben gerufen. Jährlich dürfen junge Salzburger*innen ihre verstaubten oder neuen Texte aus den Schubladen holen und auf der Bühne vortragen. Zu überzeugen gilt es in der Vorrunde das Publikum, im Finale balzt man dann um die Gunst einer eigens organisierten Jury. Dem/der Gewinner*in winkt eine begleitete Buchpublikation. Grund genug, der eigenen schriftstellerischen Tätigkeit endlich Raum zu verschaffen. Wer noch nicht ganz von der Sache überzeugt ist, kann das mit unseren Kurzinterviews mit den Sieger*innen der Vorjahre tun. Wir wurden mehrfach überzeugt, dass kein Jurymitglied beißt, keine Tomaten aus dem Publikum auf den eigenen Seiten landet und das ganze eigentlich ziemlich viel Spaß machen kann.

Matthias Gruber, hat den Wettbewerb 2017 für sich entschieden:

Matthias Gruber von Fräulein Flora Salzburg

Wieso hast du dich entschlossen, bei „Wir lesen uns die Münder wund“ teilzunehmen?

Ich wollte schon seit längerem testen, wie meine Geschichten bei einem Publikum ankommen. Und dann hab ich mich einfach mal getraut.

Für welchen Text hast du dich entschieden? Worum ging es in deinem Text?

In der Vorrunde habe ich das erste Kapitel einer Geschichte vorgelesen, bei der es um die Menschen in einer Papierfabrik und ihre Schicksale geht. Im Finale dann eine Kurzgeschichte über die Flüchtlingskrise.

Wie war diese Bühnenerfahrung für dich?

Im Vorfeld war ich ziemlich nervös, aber beim Wettbewerb selbst war es sehr angenehm, weil der Moderator das sehr gut gemacht hat und den Druck aus der Sache genommen hat. Das Lesen vor Publikum mag ich. Es hilft mir auch, meine Texte besser zu verstehen. Ich merke dann, was schon gut ist und was ich noch verbessern kann.

Was kannst du den Leuten mit auf den Weg geben, die sich bewerben wollen?

Dass sie sich nicht zu viele Gedanken machen sollen, ob sie gut genug sind, sondern einfach mal einreichen sollen. Und dass es einem bloß nicht peinlich sein soll. Es kann wirklich nichts passieren!

Was konntest du selbst aus dem Wettbewerb mitnehmen?

Meine erste eigene Buchpublikation. Und viel Motivation, weiter zu machen. Weil es offenbar ein paar Leute gibt, die gerne hören, was ich schreibe.


Wie man beim diesjährigen „Wir lesen uns die Münder wund“ teilnehmen kann

Da gilt es, sich in der Vorrunde zu battlen. Die findet am 2. Und 3. Mai in der Hannakstraße 17 jeweils um 19.30 Uhr statt. Anmelden könnt ihr euch unter presse@marksalzburg.at.

Wenn ihr das geschafft habt, dürft ihr eure Texte im Finale vorlesen: Am 8. Juni im Literaturhaus Salzburg. Beim Finale gibt es übrigens auch eine Lesung von Gastautor Martin Piekar, feine Musik und das druckfrische Buch von Vorjahresgewinner Matthias Gruber. Ein Besuch lohnt sich also auch für Nicht-Teilnehmer*innen.


Lisa-Viktoria Niederberger, hat 2014 bei “Wir lesen uns die Münder wund” abgestaubt:

Lisa Niederberger

Wieso hast du dich entschlossen, bei „Wir lesen uns die Münder wund“ teilzunehmen?

Ich habe kurz vorm ersten Vorrundentermin erfahren, dass ein Text von mir in einer Anthologie erscheinen wird. Vor dieser Buchpräsentation wollte ich einfach ein bissl Bühnenerfahrung sammeln. Ich bin da also nicht mit irgendeiner Erwartungshaltung hingegangen und war einfach nur baff, dass ich (wenn auch nur sehr knapp) die Vorrunde und dann später das Finale gewonnen habe.

Für welchen Text hast du dich entschieden? Worum ging es in deinem Text?

Er hieß „Angriff der Killertampons“ und ich weiß nicht mehr genau, worum es ging. Ich weiß nur, dass er damit endet, dass die Protagonistin ihrem Nachbarn, den sie über alles hasst, weil sie seinen Nazi Rock nachts immer durch die dünnen Wände im Wohnblock dröhnen hört, einen benutzten Tampon und einen Brief mit den Worten, „Da hast du dein deutsches Blut, Arschloch“, ins Postkasterl stopft.

Wie war diese Bühnenerfahrung für dich?

Ich empfand sie als sehr gut, das Team im Mark betreut dich sehr nett, auch die Bühnensituation selbst ist sehr angenehm, gutes Licht, nicht zu wenig, aber auch nicht zu viel Publikum.

Was kannst du den Leuten mit auf den Weg geben, die sich bewerben wollen?

Ich hatte damals einige Kumpels und meinen damaligen Freund als mentale Unterstützung mit, das hilft natürlich auch gut gegen Nervosität und kann ich nur sehr empfehlen. Den Text zuhause gut zu üben kann ich auch nur sehr ans Herz legen, weil es einem zumindest ein Grundmaß an Sicherheit verschafft.

Was konntest du selbst aus dem Wettbewerb mitnehmen?

Ich denke, dass die Schreiberei in der Anfangsphase sehr viel von Feedback und dem Dialog über die eigenen Texte profitiert. „Wir lesen uns die Münder wund“ bietet eine gute Möglichkeit, sich auszuprobieren, Kontakte zu anderen Schreibenden und der alternativen Salzburger Literaturszene zu knüpfen.


Franziska Krug
Foto (c) Franziska Krug

Franziska Krug, Gewinnern von 2015

Wieso hast du dich entschlossen, bei „Wir lesen uns die Münder wund“ teilzunehmen?

Ich sah damals das Plakat gegenüber vom Afro-Café stehen und dachte mir, da will ich gewinnen und am Ende im Literaturhaus lesen. Kurz zuvor hatte ich mich gefragt, wann der Impuls kommt, endlich wieder intensiv zu schreiben. 

Für welchen Text hast du dich entschieden?

Verschiedene Fragmente las ich vor, weil mir eine Thematik zu langweilig ist. Mit dem, was ich generell vorlese, möchte ich die Reaktionen der Zuschauer auf die Probe stellen. Auch wenn ich nicht alles erfahre, was der Zuhörer in Gedanken mitnimmt, bekomme ich während der Lesungen dennoch ein Gefühl dafür, wie sich Literatur bei Lesungen anfühlen kann und was man davon in den Alltag mitnimmt. 

Wie war diese Bühnenerfahrung für dich?

Sehr prägend, sehr aufregend. Manche mögen diesen Nervenkitzel nicht, mich hat er angefixt, ich möchte ihn nicht mehr missen.

Was kannst du den Leuten mit auf den Weg geben, die sich bewerben wollen?

Moralapostel oder helfende Hand?! Was habt ihr zu sagen und was möchtet ihr ausprobieren? Wagt Experimente und langweilt den Zuhörer nicht mit euren Privatangelegenheiten. Seid ganz bei der Sache, die euch auf die Bühne treibt. Hört auf zu lesen, sobald ihr selber den Faden verliert und tut einfach so, als wäre das geplant. Es gibt nur Euch und das, was ihr mit Leidenschaft realisiert habt. Ihr seid nicht in der Schule und erwartet Lobgesänge, sondern bereichert die Sinne von der Schrift an über die Töne mit Eurer Stimme und das Warten des Konsumenten auf das, was kommen mag. Fordert das Publikum. 

Was konntest du selbst aus dem Wettbewerb mitnehmen?

Der Wettbewerb hat mir bestätigt, dass Ideen jeder Art mir selbst und meinen Mitmenschen weitaus mehr Freude bereiten, wenn sie die Schwelle aus dem stillen Kämmerlein übertreten und sich in alle Himmelsrichtungen verteilen dürfen. Nur so entsteht Bewegung.

Veronika Ellecosta

Veronika Ellecosta ist aus Südtirol ausgewandert, des Studiums und des Auswanderns wegen. Ist in Salzburg angekommen. Hat bei Fräulein Flora Unterschlupf gefunden und begonnen, die Stadt schreibend zu erkunden und damit immer wieder aufs Neue anzukommen.