Und Du, Oma?

Geschichte 1

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Fräulein Floras Museum der traurigen Geschichten

Um auch traurigen Momenten einen Raum zu geben, eröffnen wir ein „Museum der traurigen Geschichten“. Für einen Monat führt ein Pop-Up-Raum mit Geschichten, Fotos und Artefakten durch Salzburgs Traurigkeit. Dafür brauchen wir eure traurigen Geschichten!

M., 27 Jahre

„Wenn ich an meine Kindheit denke, dann nimmst du einen großen Teil davon ein. Ich erinnere mich an dein lautes Lachen und manchmal auch an wüstes Schimpfen, das durch die Wände zu hören war. An die wenigen Momente, in denen du dich auch mal ausgeruht hast und an die vielen Momente, in denen du unaufhörlich deiner Leidenschaft fürs grobe Handwerk nachgegangen bist. Einmal hast du eine fremde Kapelle renoviert – die Wandfarbe war schon abgeblättert und ein paar Dachschindel locker. Gewundert hat es mich längst nicht mehr, als eines Tages die komplette Inneneinrichtung der Kapelle vor unserer Haustüre gelegen ist. „Ah, sie hat wieder ein neues Projekt“, habe ich mir nur gedacht. Diese Tage sind längst vorbei. Heute wohnen wir beide nicht mehr im selben Haus. Ich bin in den Nachbarsort gezogen – und du ins Altersheim. Deiner Demenz ist es geschuldet, dass du dich nicht mehr an die Kapellenrenovierung erinnerst. An schlechten Tagen erinnerst du dich vielleicht nicht mal mehr daran, wie du uns Kindern beim Aufwachsen zugesehen hast. Das stimmt mich manchmal so traurig, dass ich mir auf die Altersheim-Toilette die Tränen aus dem Gesicht wische, damit du es nicht siehst. Und du, Oma? Du nimmst die Vergänglichkeit mit einem Schulterzucken und einem herzhaften Lacher. Wie du es schon immer gemacht hast.“

Museum der traurigen Geschichten_ Beitrag1 Nr 1

Wir freuen uns und sind gespannt auf eure Geschichten! Schickt sie uns mit einem Bild von einem Ding, das euch an die Geschichte erinnert an info@fraeuleinflora.at. Bei uns wird dann alles anonymisiert.


Titelbild: Suzy Hazelwood on pexels

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