Museum der traurigen Geschichten
Kultur

Tick-Tack: Warten auf das Ungewisse

Fräulein Floras "Museum der traurigen Geschichten".

Um auch traurigen Momenten einen Raum zu geben, eröffnen wir ein „Museum der traurigen Geschichten“. Für einen Monat führt ein Pop-Up-Raum mit Geschichten, Fotos und Artefakten durch Salzburgs Traurigkeit.  Dafür brauchen wir eure traurigen Geschichten!

Auszüge aus der Geschichte von K.

Tick –

Mühsam und widerwillig bewegt sich der Minutenzeiger einen Millimeter weiter, während ich ihn anstarre und mich wundere, dass er beim Ticken so ein lautes Geräusch, fast wie einen Fußabdruck, hinterlässt. Als ich heute um 09.30 Uhr das Gebäude betrat, ahnte ich kein bisschen von dem, was mich in den nächsten Stunden alles erwarten würde. Ich bin froh, dass wir nicht immer wissen, was kommt. Auch wenn die Vorstellungen einem die Befürchtungen und Angst vor Augen führt, so ist es dennoch Phantasie und reine Beruhigung für einen selbst, ohne jedoch Gewissheit zu haben. Wie ein Schlag in die Magengrube, ein Tritt in die Gebärmutter und Messerstiche im Unterleib fühlt es sich an.

gif museum der tr. geschichten

Tack –

immer wieder zieht er mich in seinen Bann und macht sich bemerkbar. Es ist nur schwer in Worte zu fassen, wie die nächsten 12 Stunden abliefen. Leider haben wir noch keinen Zugang für Infusionen gelegt und nun machen meine Venen zu. Die vielen Stiche in verschiedenste Äderchen waren nichts im Vergleich zu dem Donnerwetter in meinem Bauch. Ich kann nicht verstehen, wieso die Freude nur so kurz sein durfte. War ich in dem einen Moment noch geschockt, war ich im anderen bereits voller Vorfreude und am Überlegen, wie ich diese Nachricht wohl meinem Vinzi erzähle. Ja genau, am besten mit einer Karte, ich schreibe sie noch während ich im Wartezimmer meiner Frauenärztin war, um herauszufinden in welcher Woche ich wohl sein werde. Da war er wieder –

Tick

Im Nachhinein betrachtet merke ich regelrecht, wie sich meine Frauenärztin während dem Ultraschall die richtigen Worte zusammenreimte. So einfühlsam, so liebenswert und so mitfühlend, sagte sie mir, dass wir leider in der 9. Schwangerschaftswoche das Baby verloren haben, sein Herz hat aufgehört zu schlagen, und in dieser Sekunde auch kurz meines. Sie erklärt mir alles, mein Blick komplett vom Ultraschallbild gefesselt versucht das kleine Häufchen Hoffnung zu identifizieren, ja Köpfchen, Arme und Beine sind gut sichtbar und dass obwohl es erst 2 cm groß ist. Ein Wunder der Natur. Nur leider fing das kleine Herzchen nicht an zu schlagen am Bild. Von dieser Minute an, habe ich die darauffolgenden Tage so viel geweint, dass mir jetzt beim Schreiben keine Träne mehr runterkullern kann. Sie sind aus, es gibt keine mehr.

Wir freuen uns und sind gespannt auf eure Geschichten! Schickt sie uns mit einem Bild von einem Ding, das euch an die Geschichte erinnert an info@fraeuleinflora.at. Bei uns wird auf Wunsch auch alles anonymisiert.