Schriftsteller-Salzburg
Kultur Literatur

Wie wird man eigentlich Schriftsteller in Salzburg?

Wir haben einen Jungschriftsteller gefragt.

Salzburgs Literaturszene wächst und gedeiht – und hat schon so manchen erfolgreichen Jungliteraten hervorgebracht. So auch Thomas Mulitzer, der vor kurzem seinen Debütroman „TAU“ veröffentlicht hat. Wir haben den gebürtigen Pongauer getroffen und ihn gefragt, wie es ihm bei seiner Reise von der Idee zum fertigen Buch ergangen ist.

Thomas, worum geht’s in deinem ersten Buch?

Thomas Mulitzer: TAU nimmt Bezug auf Thomas Bernhards Roman FROST. Dessen Geschichte spielt im fiktiven Ort Weng, der Ähnlichkeiten zu Goldegg-Weng aufweist, einem Ortsteil meines Heimatortes. In FROST bekommt ein Famulant den Auftrag, ins Gebirgsdorf Weng zu reisen, einen Maler zu beobachten und über alles zu berichten, was dieser sagt und tut. In meinem Buch kommt ebenfalls ein junger Mann nach Weng und schreibt nieder, was er dort erlebt. Außerdem ist TAU wie FROST in 27 Tagebucheinträge eingeteilt. Der erste Tag ist noch stark an Thomas Bernhards Schreibstil angelehnt, dann geht mein Text eigene Wege, obwohl es immer wieder Parallelen und Anspielungen gibt.

Wie intensiv hast du an dem Buch gearbeitet?

Thomas Mulitzer: Aktiv daran gearbeitet habe ich etwas länger als ein Jahr. Im Frühjahr 2016 habe ich TAU als literarisches Experiment begonnen und über eine Empfehlung meiner Kollegin Birgit Birnbacher den Kontakt zum Verlag Kremayr & Scheriau hergestellt. Sie waren gerade auf der Suche nach jungen Autoren für ihr Literaturprogramm und haben die ersten Seiten meines Romans für gut befunden. Schließlich haben wir uns auf eine Deadline von einem Jahr bis zur Fertigstellung geeinigt. Mit der Deadline in Sicht und dem Verlag im Rücken habe ich es geschafft, mich jeden Tag hinzusetzen, um zu schreiben. Ohne Verlag besteht die Gefahr, dass man seine Motivation und Disziplin verliert, weil man ja vorab nicht wissen kann, ob das Buch jemals veröffentlicht wird und ob sich die ganze Arbeit irgendwann bezahlt macht.

Mulitzer-Thomas
© Detailsinn, www.detailsinn.at

Wie findet man einen Verlag, wenn dieser nicht auf einen zugeht?

Thomas Mulitzer: Das ist relativ schwierig, weil Verlage jeden Tag dutzende Manuskripte zugeschickt bekommen. Man muss schon ein sehr gutes Manuskript haben, damit man auf sich aufmerksam macht. Eine weitere Möglichkeit wäre, sich an einen Literaturagenten zu wenden, der gegen Provision mit Verlagen verhandelt. Viele handhaben es so, dass sie vorher Kurzgeschichten schreiben und diese an Literaturzeitschriften schicken oder über Lesungen ins Gespräch kommen. Wenn man gut ist und Glück hat, lernt man irgendwann die richtigen Leute kennen oder wird von einem Verlag entdeckt.

Lektorat, Grafik, Druck – wie läuft die Umsetzung beim Verlag ab?

Thomas Mulitzer: Meine Ansprechpersonen beim Verlag haben mir auch schon vor dem eigentlichen Lektorat hilfreiches Feedback zu meinem Text gegeben. Auch das Cover für das Buch wurde vom Verlag bzw. einem Designer gemacht. Ich habe mehrere Entwürfe zur Auswahl bekommen und konnte mitbestimmen, wie das Hintergrundbild und der Text gestaltet sind, was ich sehr zu schätzen wusste. Den Druck und den Vertrieb hat auch der Verlag organisiert. Besonders gut gefällt mir der Einband des Buches in Holzoptik, was ich so bisher noch nie gesehen habe.

TAU-Cover

Welche Fehler werden von einem Verlag so ausgebessert?

Thomas Mulitzer: Beim Lektorat geht es hauptsächlich um stilistische und inhaltliche Fragen, weniger um Fehler. Ist eine bestimmte Textstelle verständlich genug? Soll ein Absatz gekürzt oder ganz gestrichen werden? Ist eine Figur stimmig und glaubwürdig? Wir haben alle Fragen gemeinsam besprochen und mir ist nie eine Änderung aufgedrängt worden, was nicht selbstverständlich ist.

Welche Möglichkeiten zur Vernetzung gibt es in Salzburg?

Thomas Mulitzer: Mein erster Text wurde in der Literaturzeitschrift mosaik veröffentlicht und ich war auch im Kurzprosaband X vertreten, der ebenfalls von mosaik herausgegeben wurde. Dadurch habe ich viele Leute der Literaturszene kennengelernt und erste Kontakte zu anderen Schriftstellern und Schriftstellerinnen geknüpft. Wer seine literarischen Texte in gedruckter oder digitaler Form der Öffentlichkeit präsentieren möchte, kann über das mosaik ideal in die Welt des Schreibens einsteigen.


Die Salzburger Literaturszene
Salzburgs Angebot an Literaturveranstaltungen ist für die charmante Größe der Stadt ziemlich beachtlich. Viele Institutionen wie das Literaturhaus und die ARGE bieten ein breites Spektrum an Veranstaltungen und eine Bühne für Jungautor*innen. Das MARK veranstaltet jährlich den Literaturwettbeweb „Wir lesen uns die Münder wund“, dessen Gewinner*innen eine Buchpublikation winkt. Und auch die bereits genannte Literaturzeitschrift MOSAIK unterstützt Autor*innen bei ersten Veröffentlichungen.


Wordrap mit Thomas Mulitzer

Diese Bücher fange ich immer wieder an zu lesen…
„Tropic of Cancer“ von Henry Miller, „On the Road“ von Jack Kerouac und alle Erzählbände von Raymond Carver.

Ich könnte mir vorstellen / nicht vorstellen, ein Buch über Salzburg zu schreiben, weil …
Ich kann mir vorstellen, ein Buch über Salzburg zu schreiben, weil ich schon mehrere Jahre hier wohne und mich die Stadt durchaus geprägt hat. Wenn es ein Buch über den Pongau von mir gibt, muss es wohl irgendwann auch ein Buch über Salzburg geben.

Ein Titel für ein Buch über mein Leben wäre …
„Tau“ ist zwar nicht autobiografisch, passt aber auch zu meinem Leben ganz gut.

Ich habe mal ein Buch nicht zu Ende lesen, weil …
Ich versuche, alle Bücher, die ich anfange, auch zu Ende zu lesen. Aufgegeben habe ich erst ganz selten und nur, wenn mich weder die Handlung noch der Stil angesprochen haben.

Wenn ich Inspiration brauche, dann …
lese ich Bücher, höre Musik oder gehe ins Kino. Zeit und ein inspirierendes Umfeld sind die besten Voraussetzungen für gute Ideen. Unter der Dusche fällt mir auch immer viel ein.

An meinem Buch habe ich viel mit der Hand / mit dem Computer geschrieben:
Ich habe das Buch zu 95 % am Laptop geschrieben, weil es einfach praktischer ist. Man kann schneller schreiben, Passagen leichter editieren und alle Versionen extra abspeichern. Mit der Hand wird es schnell eine Kritzelei und Schmiererei, man verliert den Überblick und hat nicht genügend Platz für Ergänzungen.

Miriam Kreiseder

Miriam hat ihre Zelte in Wien, Kufstein und Porto aufgeschlagen, bevor es sie wieder nach Salzburg gezogen hat. Am liebsten schreibt sie über Musik und Alltagsgeschichten.