[Kommentar] Zoos, ist das wichtig oder kann das weg?

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Im Internet muss man nicht wirklich lange nach Kritik an Zoos suchen, die meisten Tierschutzorganisationen sind nicht wirklich große Fans. Und auch wir haben uns selbst schon bei der Frage ertappt, ob’s den Tieren da jetzt so gut geht. Zusätzlich werden die vermeintlichen Alternativen mit der Digitalisierung immer mehr. Aber kann man das System Tiergarten einfach so auf den Misthaufen der Geschichte werfen?

Ich oute mich direkt mal: Als Kind war ich richtig oft und richtig gern im Zoo Hellbrunn. Ich fand einfach, dass es das Geilste auf der ganzen Welt war, dem Löwen beim Schlafen zuzuschauen oder dem Braunbär einen Apfel zuzuwerfen. Und auch heute bin ich noch ganz gerne dort, wenn auch eher einmal alle drei Jahre und nicht monatlich zweimal, so wie früher. Verändert hat sich im Zoo auf jeden Fall einiges, die Gehege wirken gepflegter, größer und weniger voneinander getrennt. Vor allem aber hat sich meine Wahrnehmen verändert, weil: Nur supi find ich das alles nicht mehr unbedingt.

Schaue in die Vergangenheit und du weißt, was die Zukunft bringt oder so

Aber beginnen wir von vorne, die ersten zooähnlichen Gebilde gab es angeblich im Ägypten von vor über 5000 Jahren, gehalten wurden vor allem gefährliche Wildtiere, wie Raubkatzen, Nilpferde und Krokodile. Von da an war es eigentlich den Herrschenden vorbehalten, sich solche Tiere zu halten, die nur dem Zweck dienten, Gäste zu beeindrucken und zu belustigen. Auch europäische Adelige holten sich in der frühen Neuzeit exotische Tiere zum Betrachten oder legten Parks an, in denen sie die europäische Wildnis simulierten und sich Bären, Wildschweine und Rehe hielten. Diese Tierparks wurden auch oft zur Jagd genutzt.

Für die breite Öffentlichkeit wurden Tiergärten dann so um 1700 zugänglich und wirklich moderne Zoos, in denen auch mehr auf das Tierwohl geachtet wird, gibt es eigentlich erst seit den 1960er Jahren. Ein wirklich dunkles Kapitel der Zoogeschichte sind die sogenannten „Menschenschauen“ oder anthropologisch-zoologische Ausstellungen, die zwischen 1900 und 1950 weit verbreitet waren. Sinn der Sache war, Gebräuche und Sitten unterschiedlicher Kulturen (damals sagte man noch „Rassen“) klischeehaft darzustellen, angeblich, um die Besucher*innen zu bilden. Aber irgendwie auch, oder vielleicht sogar hauptsächlich, zu belustigen.

Dass solche Ausstellungen nicht ok sind, ist uns inzwischen (hoffentlich) allen klar, aber bei Tiergärten allgemein sind wir uns da nicht so sicher. Eine Forsa-Studie aus dem Jahr 2019 hat ergeben, dass 81 Prozent der Österreicher*innen die Existenz von Zoos in Österreich befürworten. Und so scheint die Kritik die im Netz so laut und präsent ist, nicht wirklich die Mehrheitsmeinung widerzuspiegeln.

Aber was wird eigentlich kritisiert?

Das wichtigste Argument der Tierrechtler*innen ist, dass Tiergärten den Lebensraum der Tiere nie wirklich adäquat simulieren können und dass dementsprechend die meisten Zoobewohner*innen ein Art-untypisches Verhalten oder sogar Depressionen aufweisen. Außerdem zweifeln Organisationen wie Peta und co. an der Relevanz für Bildung und Forschung, eben genau, weil sich die Tiere nicht wie in freier Wildbahn verhalten. Der technische Fortschritt (Stichwort Virtual Reality) wirft die Frage auf, ob man hier nicht eine kostengünstige und tierliebe Alternative gefunden hat. Außerdem gibt es ja unzählige Dokumentationen à la Universum, die doch das Leben und den Alltag unserer tierischen Freunde viel besser darstellen und uns sogar direkt ins Wohnzimmer liefern.

Ja, stimmt irgendwie eh alles, aber halt auch nur halb. Einerseits würden sich Tiergärten schon lange nicht mehr als reine Unterhaltungsbetriebe sehen, europäische Zoos fühlen sich vielmehr dem Artenschutz, der Bildung und der Forschung verpflichtet. Sagt man uns zumindest im Zoo Hellbrunn. Seit Jahrzehnten verbessert sich die Haltung der Tiere beständig und Zoos wie Hellbrunn seien ja auch offen für Kritik bzw. würden sich selbst ständig hinterfragen. Das betrifft vor allem auch die Bildung, hier wolle man keinesfalls Fakten über Klimawandel und Artensterben auslassen. Ganz im Gegenteil, die Hoffnung besteht, dass durch den mehr oder weniger direkten Kontakt zu den Tieren die Empathie steigt und Besucher*innen eher bereit sind, für Schutzprojekte zu spenden.

Kann die Technik den Tiergarten ersetzen?

Das bringt uns auch zur digitalen Komponente. Was wäre, wenn alle Tiergärten zusperren, weil wir alle Tierchen ja sowieso durch unsere VR-Brille sehen können? Laut der Argumentation von Hellbrunn würde das die Empathie der Zuseher*innen senken, ergo weniger Spenden. Zusätzlich zeigt sich, dass Tiere in Zoos natürlich ein anderes Leben leben, als in freier Wildbahn, nicht unbedingt ein schlechteres. Die Zoobewohner*innen müssen keine Revierkämpfe austragen, leiden nicht an Hunger und werden nicht von Fressfeinden gejagt, was alles in einem insgesamt längeren Leben resultiert. Zusätzlich würde das viele Herumliegen großer Tiere im Zoo von Laien oft als Depression oder Art-untypisches Verhalten falsch verstanden, darunter seien – und jetzt kommt’s – oft die Dokus im Fernsehen schuld. Diese folgen einer Art Dramaturgie, um die Zuseher*innen bei der Stange zu halten. „Im Dokumentarfilm rennt der Gepard alle fünf Minuten, bei uns liegt er eben auch 23 Stunden am Tag,“ so Dag Encke, Leiter des Nürnberger Tiergartens.

Was lernen wir daraus? Wie so oft ist die Meinungsbildung nicht so leicht. Natürlich eignen sich manche Tiere weniger zur Zoohaltung und reagieren stärker auf fehlende Aspekte ihrer natürlichen Umgebung. Je intelligenter ein Tier sei, desto unwohler fühle es sich im Tiergarten, vor allem, wenn ein komplexes Sozialleben hinzukomme, so die Info vom Zoo Hellbrunn. Und dementsprechend sind Aquarien wie Seaworld und Co., die große Meeressäuger halten, anders zu betrachten, als z. B. der Wildtierpark Wilder Berg bei Mautern. Jedenfalls hat sich in den Zoos wirklich viel Positives für die Tiere getan und da Tiergärten und Tierschützer*innen eigentlich das gleiche Ziel haben, ist es fast traurig, dass hier nicht mehr zusammengearbeitet wird.

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