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„Es geht um die Frage, wie wir mit Macht umgehen“

Ein Stück über Macht, Gier, Dickpicks und die große Liebe.

Ein Machtspiel in vier Chat-Protokollen

Eine Opernaufführung im 1.600-Seelen-Dorf St. Koloman ist ja an sich schon ein ungewöhnliches Ereignis. Wenn aber die Chatprotokolle des Thomas S. zum Inhalt der Oper werden, ist es höchste Zeit, genauer nachzufragen. Wir haben den Initiator und Ideengeber Patrick Sellier getroffen, um mit ihm über das Stück Der Prätorianer oder die Zärtlichkeit des Thomas S. zu sprechen.

Wie ist die Idee einer Oper am Dorfplatz entstanden?

Wie jede gute Idee war das eine richtige Schnapsidee. Gemeinsam mit einem Freund von mir, dem Sänger Johannes Czernin, habe ich die Burgtheater-Lesung aus den Chatprotokollen gesehen. Irgendwann habe ich flapsig gesagt: Viel lustiger wäre es doch, wenn man daraus eine Oper machen würde. Johannes hat erst laut gelacht, bald darauf aber tatsächlich einen Komponisten gefunden, der sofort Feuer und Flamme war. Tristan Schulze, der selbst aus der DDR stammt, war sofort begeistert von diesem Stoff, in dem es um Macht geht und was Macht mit Menschen macht. Zwei Puppenspieler sind dann auch dazugekommen und inzwischen ist das ein richtig großes Projekt. Mit 12 bis 14 Leuten, die in der Probenwoche vor Ort in St. Koloman sind.

Der Prätorianer oder die Zärtlichkeit des Thomas S.
Ein Machtspiel in vier Chatprotokollen

Uraufführung am 18. Juni 2022 am Dorfplatz St. Koloman und online.

Hier geht es zu den Tickets.

Was hat dich persönlich am Stoff fasziniert?

Ich finde es spannend, wie wenig die handelnden Akteure darüber nachdenken, welche Konsequenzen ihr Tun für das ganze Land hat. Das zeigt sich ja schon in der Sprache: „Was für ein verdammt gutes Gesetz, das müssen wir dringend verhindern.“ Damit sie selbst an die Macht kommen, wollen sie etwas verhindern, das die österreichischen Kinder gut gebrauchen könnten. Was mich auch fasziniert ist, wie sehr viele das verharmlosen und sagen: „Naja, es ist eben so.“ Dass sich kaum jemand so wirklich darüber aufregt, dass hier eine Gruppe an die Macht gebracht wurde, der es um nichts anderes ging. Das treibt mich auch an. Es geht mir aber überhaupt nicht um ÖVP-Bashing. Sondern um die Frage: Wie geht man mit Macht um?

Das ist ja geradezu ein klassisches Thema in der Oper …

Und eines der wichtigsten Themen überhaupt. Wir sehen das ja im Moment gerade wieder. Wahr ist aber auch, dass wir alle unsere eigene Macht haben und die Verpflichtung, ihr nachzukommen. In unserer Macht steht es beispielsweise, dieses Stück aufzuführen.

„Der Bürgermeister war der erste, der eine Karte gekauft hat.“

Welches Feedback habt ihr zu eurem Vorhaben bislang erhalten?

Das ganze schlägt ziemlich hohe Wellen. Seit es kürzlich im Standard einen Bericht gab, sind auch einige FPÖ- und ÖVP-nahe Medien auf uns aufmerksam geworden und bashen das total, was wir lustig finden, weil sie völlige Falschbehauptungen aufstellen.

Und was ist mit der Gemeinde St. Koloman selbst, in der die ÖVP ja bestimmt auch tonangebend ist?

Der Bürgermeister war der erste, der eine Karte gekauft hat. Gleich danach kam der Kirchenchor. Bestimmt sind alle schon gespannt, wie krass das wird. Aber ich glaube nicht, dass es irgendwo in St. Koloman jemanden gibt, der das, was in diesen Chats passiert ist, gut findet.

Du selbst bist mit deiner Frau vor einigen Jahren hierher gezogen, um in der Tauglerei Ayurveda-Kuren anzubieten. Noch dazu kommt ihr aus Deutschland. Wie seid ihr mit dieser Kombination hier, im tiefsten Tennengau, aufgenommen worden?

2011 sind wir nach St. Koloman gekommen. Wir sind aber nicht einfach reingeschneit, sondern wir haben am Anfang ganz oben am Berg gewohnt – da wo eigentlich keiner mehr wohnt. Und da haben wir sofort gemerkt, wie viel Hochachtung man haben muss, dass Menschen hier leben. Diese Hochachtung haben wir auch vor den Leuten gehabt. Wir haben nie geglaubt, wir wären etwas Besseres. Wir haben in den letzten Jahren viel Quatsch gemacht und die waren immer total nachsichtig mit uns. Wir haben zum Beispiel am Anfang die Tauglerei ohne Bier und ohne Fleisch geführt.

Mittlerweile gibt es Bier?

Mittlerweile haben wir sogar unser eigenes. (lacht) Wir haben uns angenähert. Wir wissen ja, dass wir Fremdkörper sind und die Menschen hier wissen das auch. Aber das war nie ein großes Problem. Weil wir offen für Veränderung sind und Veränderung zulassen. Man passt sich an und lernt dazu.

Eure Tauglerei mitten im Ort ist ein sehr vielfältiger Betrieb. Wie lässt sich das beschreiben?

Das Café ist jeden Tag anders. Unter der Woche ist es eher ein Ort für die Ayurveda-Gäste und die Leute, die bei uns Coworking machen. Am Sonntag ist es der Treffpunkt nach der Kirche. Und dazwischen gibt es Konzerte, Seminare und vieles mehr. So ist dann alles immer ein bisschen anders. Ich habe die Tauglerei mal Fluid-Space genannt, was ganz gut passt, weil der Platz sich anpasst.

„Schön wäre es einfach, wenn man diese ganze Geschichte nicht vergisst.“

Mittlerweile laufen die Proben für den Prätorianer. Kannst du etwas vom Stück verraten?

Tristan Schulze hat sich da wirklich etwas ausgedacht. Der hat es geschafft, diese komischen Chatprotokolle in eine Musik umzusetzen, mit der man wirklich mitgehen kann. Und eine Stelle ist drin, die hat das Zeug zum Sommerhit. Die ist auch nicht sehr opernhaft, sogar was die Instrumente betrifft. Mal sehen, ob das die neue Cordula Grün wird. (lacht)


Der Prätorianer findet geplanterweise nur ein einziges Mal statt. Bleibt es dabei?

Aus heutiger Sicht ja, wobei es Anfragen aus anderen Städten gibt. Und natürlich wird das Stück im Internet übertragen.

Wo wird die Oper aufgeführt?

Die Bühne steht bei uns im Gastgarten, die Zuschauer sitzen rüber zur Gemeinde und zum Pfarrhaus – was super passt. Sie verarschen in den Chatprotokollen ja nicht nur den Staat, sondern auch die Kirche.

Welche Publikumswirkung wünscht du dir für das Stück?

Schön wäre es einfach, wenn man diese ganze Geschichte nicht vergisst. Weil es eine Oper dazu gibt. Und in 200 Jahren können sich die Menschen immer noch das Machtspiel in vier Chatprotokollen anhören. (lacht)

Hat studiert, als man in der Uni noch rauchen durfte und macht seitdem immer irgendwas mit Medien. Bei Fräulein Flora hat er endlich einen Arbeitsplatz gefunden, an dem er sich nicht täglich heulend im Klo einsperren möchte. Und bleibt deshalb noch ein bisschen.

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