Meine Hood Manfred Kern
Aus dem Magazin

Meine Hood: Elisabeth-Vorstadt

Manfred Kern ist Universitätsprofessor für Ältere Deutsche Sprache und Literatur und in der Elisabeth-Vorstadt zuhause.

Zwischen Weltverachtung, Mythos und Memento mori: Manfred Kern beschäftigt sich mit antiquierten Texten und dem Jenseits. Im Diesseits ist der Universitätsprofessor für Ältere Deutsche Sprache und Literatur in der Elisabeth-Vorstadt zuhause. Wir haben ihn gefragt, was in seiner Hood abgründig ist, ob dort sengender Weltschmerz am been ist und haben dabei erfahren, wo man in Elisabeth-Vorstadt Erlösung für Leib und Seele finden kann.

Wie hat es dich in die Elisabeth-Vorstadt verschlagen?

Im Jahr 2000 bin ich hier direkt aus Wien angekommen. Ein Freund hatte uns eine Dachgeschosswohnung in der Stauffenstraße vermittelt, neben so einer alten Villa, auf der folgender Spruch steht: „Ist dir dieses Haus nicht recht, bau dir eins das nicht so schlecht!“ Da habe ich mich gleich ganz wohl gefühlt und die Nachbarn wurden unsere besten Freunde. Die Bahnhofsnähe war mir auch sehr recht, weil ich anfangs und sehr lange das Problem hatte, dass ich mich eher in Wien zuhause gefühlt habe. Aber ich habe mich mittlerweile natürlich gut eingelebt.

Was magst du an deiner Hood am meisten?

Die in jeder Hinsicht ausgeprägte Infrastruktur! Vom ständig offenen Spar bis hin zum türkischen Lebensmittelhändler ist das Angebot gut abgedeckt, dann gibt es noch das ganze Forum-Zeugs, was auch recht praktisch ist. Wenn man Kinder hat, ist die Nähe zu den Kindergärten und Schulen echt gut, auch, dass man radläufig, ohne größere Steigungen alles erreichen kann, ist ein nettes Detail. Im Unterschied zu den Reichenghettos in Aigen oder Parsch ist es hier – dank leichter Multikulti-Tendenz und vieler junger Leute – insgesamt sehr lebendig. Also, wenn etwas städtisches Gefühl vermittelt in Salzburg, dann ist es die Elisabeth-Vorstadt. Ansonsten ist Salzburg ja eher ein Dorf.

Was geht dir hier auf die Nerven?

Kaum etwas. Am meisten nervt mich der Verkehr, diese übertrieben befahrene Haunspergstraße. Wir hatten da mal versucht, mit Freunden eine beruhigte Zone reinzubringen… Gleiches gilt für die Saint-Julien-Straße. Das ist sehr unangenehm, da wird auch viel zu schnell gefahren. Das ist für Kinder ziemlich gefährlich! Und an der Salzach nervt mich die massive Bekotung der Grünflächen durch Hunde.

Was fehlt in der Elisabeth-Vorstadt?

Eine Restaurantkultur, die etwas Nachbarschafts- oder Hoodbildendes hat. Es gibt hier ganz viel Fast Food und so, was ja auch ganz nützlich ist. Aber etwas, wo man gern hin essen und etwas trinken geht am Abend, davon gibt’s vielleicht noch ein bisschen zu wenig. Aber wir sind auf einem guten Weg.

Deine Lieblingsbar?

Die habe ich eigentlich nicht, also wenn ich nur was trinken will, dann gehe ich ins Jazzit. Oder auch ins Il Padrino. Ansonsten bin ich berufs- und altersbedingt nicht so wirklich eine Barfliege. Meine Clique wohnt auch hier und da treffen wir uns regelmäßig meistens bei Freunden.

Dein Geheimtipp für die Elisabeth-Vorstadt?

Es gibt eine kleine Trankler-Kultur, die sich zwischen dem Cafe Martina und dem Feinkost Horst abspielt. Das ist so quasi das geheime Bermuda-Dreieck der Elisabeth-Vorstadt. Wenn man einen kuriosen Abend in eher prolligen Verhältnissen verbringen möchte, kann man dort eine Beisltour in Angriff nehmen. Da ist IMMER was los! Beim Feinkost Horst kriegt man zwar nicht wirklich Feinkost, aber man kann ohne schlechtes Gewissen und in großer Gesellschaft bereits ab zehn Uhr vormittags vor sich hin trinken. Zwei Tipps noch: Die Lounge im Hotel Hohenstauffen sollte man besucht haben! Lounge ist vielleicht zu viel gesagt, aber da kann man auch allein einen schönen Abend verbringen – hab ich mal in einer entscheidenden Situation gemacht. Und sehr begeistert bin ich von dem Friseurladen City Style by IKA gleich beim Hotel Europa. Die schneiden nicht nur extrem billig, sondern sind auch wirklich sehr bemüht. Auch bei Männern dauert das höchstens eine halbe Stunde und es wird nur mit der Schere gearbeitet, was ich als sehr angenehm empfinde.

Wo gehst du am liebsten Essen?

Ins Il Padrino, da isst man vorzüglich in netter Atmosphäre. Wie gesagt: Es hat ja lange Zeit ein gewisses Defizit an Essenskultur und Restaurants gegeben. Das hat sich mit dem Il Padrino jetzt etwas erledigt. Das ist ein Restaurant, wo man gerne hingeht.

Stimmt es, dass man in der Nacht nicht über den Bahnhofsvorplatz oder in die Elisabethstraße gehen kann?

Also, ich glaube, dass die Orte, die als gefährlich gelten, wahrscheinlich die ungefährlichsten sind. Es patroulliert relativ viel Polizei, vor der man sich dann manchmal mehr fürchtet, als vor sonst was. Sicher kommt es auf die Uhrzeit an, ob man eine Frau oder ein Mann, alleine oder zu zweien ist. Es ist halt vergleichsweise lebendiger als der Rest dieser verschlafenen Stadt.


Dieser Artikel ist zum ersten Mal im QWANT.-Magazin, Ausgabe 05/2018 erschienen.

Christopher Kurt Spiegl

Ein Austro-Ossi, der im westlichen Salzburg noch nicht richtig zufrieden ist: Das Sudern hat er lange aufgegeben, Ur-Leiwand muss erst gemacht werden. Oszilliert selbstverständlich zwischen Stadt- und Landflucht, während antiquierte Bücher zwischendurch für Geistesblitze sorgen sollen.