Franz Stanzl von den Gebrueder Moped
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„Man muss nicht ununterbrochen im Gemeindebau Würstel verteilen.“

Die Gebrüder Moped sind am 7. Februar 2019 in der ARGEKultur

Am 7. Februar treten die Gebrüder Moped mit ihrem neuen Programm in der ARGEKultur auf. Wir haben mit der Gebrüderhälfte Franz Stanzl über Politik, Bobos und Bubbles gesprochen und ein Exemplar des neuen Buches für euch erschnorrt.

Fräulein Flora: Als brave Millenials kennen wir die Gebrüder Moped natürlich aus dem Internet. Wie seid ihr da rein gekommen?
Franz Stanzl: Die Gebrüder Moped, das sind der Martin Strecha-Derkics und ich. Wir sind allerdings nur Patchwork-Brüder, mit zwei unterschiedlichen Vätern und Müttern. Aber wir kennen uns schon ewig und haben schon immer Dinge miteinander gemacht: früher Musik, dann eine Agentur und seit zehn Jahren die Gebrüder Moped. Ursprünglich war das klassisches Kabarett.

Und dann?
Dann ist uns das Internet gut in die Quere gekommen. Social Media eignen sich ja für zwei Dinge besonders gut: zum hassen und zum scherzeln. Das hat gut gepasst, weil das Scherzeln unseres war. Parallel haben wir schon auch Programme gespielt und uns, wie man so lässig sagt, Photoshop-Skills, erarbeitet.

Am 7. Februar seid ihr mit eurem neuen Buch zu Gast in der ARGE. Was kommt da auf uns zu?
Eigentlich ist es eine Lese-Show. Es wird Bilder, Text und Videos geben. Ich kann mit hundertprozentiger Sicherheit sagen, dass Menschen, die uns im Internet mögen, voll auf ihre Kosten kommen werden.

Das Buch trägt den Titel „Heute gehört uns Österreich und morgen die ganze Scheibe“. Worum geht es?
Wir stellen Österreich in den Mittelpunkt von allem: Von der Schöpfung bis zur Apokalypse. Das kommt nicht von Ungefähr: Aus den Gratiszeitungen geht ja täglich hervor, dass sich das ganze Universum um Österreich dreht. Wir haben diese Annahme ernsthaft weitergedacht. Darin sind die beiden Regierungsparteien übrigens Profis. Unser Buch ist eigentlich ein Standardwerk für alle Österreicher: Die einen sehen es als Satire, die anderen als die absolute Wahrheit.

Gibt es Momente, in denen ihr euch als Satiriker denkt: „Ist das jetzt wirklich passiert?“
Bei unserem letzten Programm hat es uns total gerissen. Da haben wir einen Märchenwald inszeniert, in dem sich die Geißlein nachts nicht mehr in den Wald getraut haben, weil der böse Wolf und die Hexe mit Kopftuch auf sie gewartet haben –  ver­hee­rende Zustände eben, denen man ein Ende setzen muss. Da fiel sinngemäß der Satz: „Der Wolf hat in unserem Wald nichts verloren, Hirsch, ja, Reh, ja, aber nicht der Wolf.“ Kurz darauf ist ein niederösterreichischer Landesrat mit dem Slogan „Hunde mit Migrationshintergrund nehmen unseren Tieren im Tierheim den Platz weg“ dahergekommen. Da fragt man sich schon, ob die sich jetzt auch noch selbst parodieren müssen.

Seid ihr für eure Arbeit schon einmal geklagt worden?
Nein, wir machen ja auch nichts Böses. Wir bewerten nicht, ob ein Politiker Scheiße ist oder nicht, das ist nicht unser Ding. Wir würden stattdessen seine Sprache nehmen, sie spiegeln, ein Wort tauschen. Das macht uns unangreifbar. Unser Ziel ist eindeutig: Wir wollen witzig, eindeutig, politisch unverkennbar, gleichzeitig unterhaltsam und angriffig sein – aber niemals angreifbar. Da bemühen wir uns sehr, wir haben auch noch nie einen Shitstorm geerntet.

Warum ist das bei euch so und Stefanie Sargnagel wird jeden Tag von einem wütenden Mob aus dem Internet beschimpft?
Stefanie hat eine andere Methode. Außerdem glaube ich, hat es auch viel mit Geschlecht zu tun. Ich bin ein übergewichtiger Mann, dessen politische Einstellung sicher vielen Rechten nicht passt. Ich bin aber noch nie auf mein Körpergewicht in Bezug auf meine Arbeit angesprochen worden. Das ist bei Frauen so ungefähr das erste, was aufgegriffen wird. Die Rechten halten nicht aus, was Stefanie sagt und dass sie auch noch über sich selbst sagt, sie sei „grauslig“ und so. Ganz arg ist es auch, wenn ihnen eine Frau eigentlich gefällt, das war zum Beispiel bei Hanna Herbst so. Dann heißt es auf einmal, die „an sich schöne linke Feministin“. Was soll das heißen, die „an sich schöne linke Feministin“?

“Dass ich auf der Straße von Bobos zusammengehaut werde, das ist meine geringste Sorge.”

Hast du das Gefühl, dass ihr stark für Leute in eurer Bubble spielt und vielleicht Rechte gar nicht so erreicht?
Natürlich ist man in dieser Bubble, aber ich finde das nicht immer nur schlecht. Früher hat man sich ja auch mit Leuten getroffen, die man sympathisch gefunden hat. Klar sollte man auch andere Personen ansprechen, vielleicht in der Politik noch mehr, als im Kabarett. Das heißt jetzt aber nicht, dass man ununterbrochen im Gemeindebau Würstel verteilen muss. Ich finde, man sollte sich seiner Bubble bewusst sein und diese reflektieren. Aber dieser Bobo-Hass, den verstehe ich nicht. Dass ich auf der Straße von Bobos zusammengehaut werde, das ist meine geringste Sorge.


Die Gebrüder Moped sind am 7. Februar mit ihrem Programm „Heute gehört uns Österreich und morgen die ganze Scheibe“ in der ARGEkultur zu Gast.

Eva Krallinger-Gruber

Eva ist eine richtige Ex-Exil-Salzburgerin. Frankreich, USA, Schweiz - aber nirgends ist es wie zuhause. Journalismus, Marketing (Kosmetik und dann Bier) und eigentlich redet sie auch ganz gern.