Ausflugstipps Rausgehen

Ein Spaziergang auf den Kühberg – Gnigls wildem Hausberg

Ein Naturparadies mitten in Salzburg.

Über mangelnden Naturgenuß vor der Haustür können wir Stodinger uns ja kaum beschweren. Aber jenseits von all den Parks, Uferpromenaden und gepflegten Blumenbeeten gibt es auch noch ein paar wirkliche Naturparadiese. Eines davon ist der Kühberg. Die auf den ersten Blick etwas unscheinbare Erhebung zwischen Gnigl und Parsch hat nichts weniger zu bieten, als einen der ältesten und natürlichsten Wälder weit und breit.

Neben dem für die Öffentlichkeit unzugänglichen Rainberg hat auch der Kühberg das Label „Naturperle vor der Haustür“ fraglos verdient: Der steile und unzugängliche Bergrücken entzieht sich seit jeher der intensiven menschlichen Nutzung. Darum wachsen hier zahlreiche seltene und geschützte Alpenpflanzen. Grund genug, uns das einmal genauer anzuschauen. Die meisten SalzburgerInnen kennen den Anhang des Gaisbergs mit dem Schloss Neuhaus, der Gnigl erst so richtig gemütlich macht,  zumindest aus der Ferne. Jedoch ist auch eine Besteigung des 711 Meter hohen Buckels eine wirklich lohnende Unternehmung. Hier kann man am Feierabend noch ein bisschen Waldesruhe und Sonne tanken.

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Von Gnigl Richtung Kühberg

Ein idealer Ausgangspunkt ist die Buskehre in Gingl. Gegenüber der Kirche führt der Weg über Stiegen, zwischen Gärten in ein Waldstück. Kurz bevor der Weg an die Wolfgangsee-Bundestraße gelangt zweigt rechts der Steig auf den Kühberg ab. Neben diesem offensichtlichen Weg gibt es noch einige unmarkierte Pfade. Diese führen ebenfalls zum Ziel, sind aber noch etwas anspruchsvoller.

Der Pfad wird bald ziemlich steil und etwas felsig. Festes Schuhwerk, Trittsicherheit und vielleicht auch ein wenig Schwindelfreiheit sind hier sicher nicht fehl am Platz. Wer sich nun fragt, wie die namensgebenden Kühe hier hinauf kommen konnten, ist der Etymologie auf den Leim gegangen: Der Name des Mugels leitet sich vermutlich von „Kienberg“ ab. „Kien“ ist dabei ein alter Ausdruck für harziges Holz, das früher eine der wichtigsten künstlichen Lichtquellen war. Die überraschend steilen und schroffen Abhänge sind wohl auch der Grund, warum sich hier ein so schöner Wald entwickeln konnte: Forst- und landwirtschaftlich war der Berg einfach kaum zu gebrauchen. Dafür hat die Wanderung fast ein bisschen alpines Flair. Auf der Südseite des Kühbergs gibt es sogar ein kleines Klettergebiet hoch über den Dächern von Parsch.

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Was haben Napoleon, Orchideen und ein Nickerchen am Waldrand gemeinsam?

Eigentlich gar nichts, aber die Überschrift ist trotzdem cool.
Bald jedoch flacht das Gelände ab und gibt somit körperliche Kapazitäten frei, um die beeindruckenden Tiefblicke, die knorrigen Baumveteranen und die ein oder andere Orchidee zu entdecken. Besagte Baumveteranen sind übrigens allesamt gut 220 Jahre alt. Damit der anrückende Napoleon sich nicht im Wald verstecken konnte, wurde der Kühberg, wie auch die anderen Stadtberge, gerodet. Letztendlich wurde die entscheidende Schlacht dann wie bekannt ist am Walserfeld geschlagen und der Wald am Kühberg wuchert seitdem wieder vor sich hin. Schön für uns, wenn auch am etwas unspektakulären Gipfel wenig Ausblick geboten ist. Lieber gehen wir noch ein paar Meter weiter und legen uns an den sonnigen Waldrand. Der Bilck auf den Süden der Stadt und das Salzachtal bis zum Pass Lueg sind ein echtes Highlight.

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Für den Abstieg bieten sich zwei Varianten an: Entweder geht es über die Stiegen an den felsdurchsetzten Nordhänge des Kühbergs und vorbei an sehenswerten Quellfassungen aus dem 19. und einem Bordell aus dem 20. Jh. zurück nach Gnigl. Die andere Variante ist etwas flacher und sonniger und führt über die asphaltierte Straße von der Gersbergalm hinunter nach Parsch. Zur Einkehr nach der Tour bietet sich das älteste Gasthaus Gnigls „Zum Löwenstern“ an. Der gemütliche, fast romantisch zugewucherte Gastgarten direkt am Kühberg ist diesem in vielerlei Hinsicht ähnlich: Ein authentischer, urwüchsiger Ort an dem die Zeit irgendwie stehen geblieben zu sein scheint.

Vielen Dank an den Stadtverein Salzburg für das freundliche Bereitstellen eines vergriffenen Artikels über Kultur und Natur am Kühberg.

Henrik Klar

Der gebürtige Bayer fühlt sich zwar in ganz Europa zuhause, am zuhausesten aber seit gut 10 Jahren in Salzburg. Solange es Berge, Pflanzen und danach ein Bier gibt ist für den Ökologen und Kräuterpädagogen die Welt in Ordnung. Beim Fräulein Flora ist er für die Flora und was man daraus kochen kann zuständig.