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Salzburger Friedhofsspaziergang

Auf diesen Friedhöfen kannst du dem Alltag entfliehen, Salzburgs Beitrag zu den Oscars treffen und so einiges übers Leben lernen!

Gut versteckt: Der jüdische Friedhof in Aigen

Kaum jemand weiß, dass es in Salzburg einen jüdischen Friedhof gibt. Tatsächlich liegt er in der Aigner Uferstraße – so versteckt, dass er ohne Anleitung kaum zu finden ist. Wer den Friedhof besuchen will, muss sich außerdem erst bei der jüdischen Kultusgemeinde anmelden. Der Aufwand lohnt sich aber, denn wer den Friedhof betritt, taucht in eine andre Welt ein, der man in Salzburg so schnell nicht mehr begegnet.

Jüdischer Friedhof in Salzburg Jüdischer Friedhof in Salzburg

Gegründet würde der Friedhof übrigens bereits 1893. Während der NS-Zeit wurden die Gräber von den Nazis entweiht und als Kuh- und Schweineacker verwendet, bevor der Friedhof 1946 restauriert und wiedereröffnet wurde. Berühmtester Toter des jüdischen Friedhofes ist der Zukunftsforscher Robert Jungk, der in Salzburg lebte und 1986 sogar den Alternativen Nobelpreis erhielt.

„Die Welt kann verändert werden. Zukunft ist kein Schicksal.“ (Robert Jungk)

Kaum zu finden: Der Russenfriedhof in Anif

Genauso unbekannt wie der jüdische Friedhof ist der sogennante Russefriedhof in Anif. Dort wurden im 1. Weltkrieg 2.044 Menschen aus Serbien, Italien, Russland, Deutschland und Östereich begraben. Zum Großteil handelte es sich um Insassen aus dem Kriegsgefagenenlager Niederalm, das auch „Russenlager“ genannt wurde.

In diesem Lager lebten zum Höhepunkt des 1. Weltkrieges 40.000 Menschen. Damit war das Lager zum damaligen Zeitpunkt größer als die Landeshauptstadt Salzburg. Umso erstaunlicher ist es, dass kaum ein Salzburger vom Lager weiß, geschweige denn jemals den Friedhof betreten hat. Wer den Eingang sucht, biegt gleich nach der Autobahnabfahrt Süd gegenüber vom Hotel Hubertushof in die kleine Neu-Anifer-Straße ein und folgt den Schildern.

Der Russenfriedhof in Anif

Bei Gräbern chillen: Der Sebastiansfriedhof

Der berühmteste unter den versteckten Friedhöfen Salzburgs ist wohl der Sebastiansfriedhof hinter der Linzergasse. Wer für einen Moment der hektischen Salzburger Altstadt entfliehen will, ist hier an der richtigen Adresse. Für Kulturinsteressierte bietet der Sebastiansfriedhof auch Mehrwert: Hier liegen unter anderem Paracelsus, Leopold Mozart (Vater), Constanze Weber (Wittwe) und Georg Nikolaus Nissen.

Von Oscarpreisträgern und Armen Seelen: Salzburger Kommunalfriedhof die Erste

Auch am großen Salzburger Kommunalfriedhof findet man so manch unbekanntes Detail: Im wohl kuriosesten Ehrengrab des Kommunalfriedhofs liegt nämlich der ungarische Entdecker, Pilot und Geheimagent László Almásy – besser bekannt als „der englische Patient“ aus dem gleichnamigen Hollywood-Schinken, der 1997 neun Academy Awards abräumte. László Almásy wurde im Film übrigens von Ralph Fiennes gespielt. Was nicht im Film vorkommt ist, dass der echte Almásy nach dem Krieg 1951 im Salzburger Sanatorium Wehrle verstarb. Heute erinnert ein unauffälliges Grab am Kommunalfriedhof an den Ungarn mit der abenteuerlichen Lebensgeschichte. Wer danach suchen will: Es steht in Gruppe 75.

Das Grab des Englischen Patienten László Almásy am Salzburger Komunalfriedhof

Die Gräber der Armen: Salzburger Kommunalfriedhof die Zweite

„Im Tod sind alle Menschen gleich“, lautet ein altes Sprichwort. Wer über den Kommunalfriedhof spaziert weiß, dass das gelogen ist. Überirdisch betrachtet erscheinen die Gräber nämlich wie ein ziemlich präziser Spiegel unserer lebendigen Zustände. Während sich die ehemals Reichen und Schönen in Ehrengräbern recht komfortabel auf die Ewigkeit vorbereiten, findet man im hintersten Winkel des Friedhofs die Armengräber. Bis zu vier Menschen liegen in den Gruben, die zum Teil nur durch ein einfaches Holzkreuz markiert sind – oft ist nicht einmal das Gras richtig zusammengewachen und im Winter stehen die Kreuze windschief da. Wer etwas übers Leben lernen will, kann also ruhig mal bei den Toten nachfragen.

Die Armengräber am Salzburger Komunalfriedhof

Matthias Gruber

Matthias Gruber ist ein Ur-Salzburger, der auszog, um Italien und Wien zu erobern. Gern ist er wieder zurückgekommen und macht für das Fräulein Flora wunderschöne Fotos der “Nicht-Nur-Mozartstadt”, die von witzigen Texten begleitet werden.