Damn Plastic
Aus dem Magazin Shoppen

Damn Plastic: Zwei Frauen gegen Plastikmüll

Wir haben Stephi und Vicky in ihrem neuen Laden besucht.

Das ist eine Geschichte von zerbrochener Liebe. Und wie diese die Welt zu einem besseren Ort machte. Aber fangen wir am Anfang an.

Als Stephanie und ihr Freund sich trennten, verliebte er sich neu. Und zwar in Victoria. Die Beziehung hielt nicht, der gemeinsame Ex-Freund hat aber eines geschaffen: eine Freundschaft fürs Leben. Als Liebe auf den ersten Blick wird Victoria ihre Begegnung mit Stephi viele Jahre später beschreiben. Dann nämlich, wenn die beiden in ihrem gemeinsamen Shop in der Salzburger Münzgasse stehen. DAMN PLASTIC steht in fetten Lettern in der Auslage. Und genau das ist es, was die beiden Freundinnen hier anstellen wollen: Plastik verdammen und Alternativen aufzeigen.

Damn Plastic

Man sieht nur in der Früh nach dem Feiern gut

Stephanie Sinko und Victoria Neuhofer, beide 30, haben schon einiges gemeinsam erlebt. Studium in Wien und im Ausland, jede Menge Reisen und … Partys. „Es ist kein Geheimnis, dass wir früher viele Nächte durchgefeiert haben“, lacht Victoria. Als das Morgengrauen allerdings die Reste der Nacht sichtbar machte, wurde den beiden oft schlecht. Berge von Müll lagen am Boden, Einwegtrinkbecher und -besteck. Ein Bild, das andere spätestens dann vergessen, wenn das Katerkopfweh nachlässt. Nicht aber Stephi und Victoria:

„Weil wir diese Plastikhalden nicht mehr aushielten, haben wir ein Unternehmen gegründet, das sich auf nachhaltiges Feiern spezialisiert. Essbares Geschirr und Strohhalme beispielsweise sollen Plastik minimieren und biologisch abbaubare Gastro-Artikel in den Vordergrund rücken. „Wir beraten Eventveranstalter*innen, die meisten sind froh um die Inputs.“ Damit sind die beiden in kurzer Zeit in der Eventszene aufgefallen und kümmern sich nach nur wenigen Monaten um richtig große Veranstaltungen. Und das ganz nebenbei, wie es scheint.

Damn Plastic

„Alles, was es im Damn Plastic-Shop zu kaufen gibt, haben wir akribisch und nach strengen Richtlinien ausgesucht“

Dass Victoria eigentlich einen Vollzeitjob im Familienunternehmen hat, erwähnt sie nur am Rande. Neben diesem und dem Event-Business haben die beiden einen Shop für plastikfreie Produkte in Salzburg eröffnet. Ein wenig Zeit muss man schon mitbringen, will man hier einkaufen. Zum einen, weil sich jede Menge Menschen für das Konzept interessieren. Zum anderen, weil die beiden die Hintergrundgeschichten ihrer Waren mit viel Leidenschaft erzählen. „Alles, was es im Damn Plastic-Shop zu kaufen gibt, haben wir akribisch und nach strengen Richtlinien ausgesucht. Wir haben extrem viel geskyped und mit allen Lieferant*innen jedes Detail abgesprochen“, beantwortet Stephi die Frage nach der Auswahl ihrer Produkte. „Ein Lieferant hat uns ein Muster geschickt, das in Plastik verpackt war. Obwohl wir das Produkt extrem gut gefunden haben, mussten wir absagen. Das geht uns gegen den Strich.“

Kaugummi aus Harz und Binden zum Wiederverwenden

Welche Produkte es schlussendlich ins Sortiment von Damn Plastic geschafft haben? Der Alpengummi zum Beispiel. Wer jetzt an Kondome denkt, hat weit gefehlt. Alpengummi ist der erste Kaugummi, der zu 100 % aus nachhaltigen und abbaubaren Rohstoffen hergestellt wird, eine Erfindung aus Österreich. Neben Kleidung, die aus Ozeanmüll recycelt wurde, finden sich auch Produkte fürs tägliche Leben. Menstruationstassen sind fein säuberlich neben wiederverwendbare Binden, Babyflaschen aus Glas, nachhaltige Zahnbürsten und Naturkosmetik geschlichtet. Und das Interieur des Shops? „Haben wir alles selbst gebastelt. Die Regale sind Schubladen, die wir gebraucht gekauft und angemalt haben, genauso wie die Gitter, an denen wir die Taschen aufhängen.“

Plastikfrei Damn Plastic

Event-Beratung und ein Shop in der Altstadt, also.

Hier endet die Aufklärungsarbeit der beiden Frauen allerdings nicht. „In unserem Laden haben wir Platz für Vorträge und Diskussionen“, sagt Victoria. Und tatsächlich hängt eine grüne Tafel an der Wand, wie man sie noch aus der Volksschule kennt. Insgesamt klingt es nach einer großen Aufgabe, die sich die beiden vorgenommen haben. Was der schwierigste Moment bis jetzt war? „Als wir an meinem Geburtstag die ganze Nacht die Wände ausgemalt haben, ich war so müde. Aber das gehört dazu“, erinnert sich Stephi. Benutzt wurde übrigens eine nachhaltige Farbe, die es im Shop zu kaufen gibt.


Dieser Artikel ist zuerst im QWANT. Magazin (Winter 2019/2020) erschienen.

Eva Krallinger-Gruber

Eva ist eine richtige Ex-Exil-Salzburgerin. Frankreich, USA, Schweiz - aber nirgends ist es wie zuhause. Journalismus, Marketing (Kosmetik und dann Bier) und eigentlich redet sie auch ganz gern.