Dawn Festival_Sebastion Koenig
Mischmasch Musik

Damn äh DAWN good: Sommerfest im Rockhouse

Der Kopf hinter dem DAWN hat uns zu sich nach Hause eingeladen

Das DAWN findet dieses Jahr schon zum dritten Mal im Rockhouse Salzburg am Freitag, den 28. Juni statt. Das Sommerfest ist aus der Veranstaltungsreihe Eleven Empire entstanden und bietet wieder ein ausgezeichnetes Programm mit:

  • Die Nerven (DE)
  • Ätna (DE
  • Please Madame (AT)
  • Bearcubs DJ Set (UK)
  • Molly (AT)
  • Good Wilson (AT)
  • Yakata (AT)

Am besten hört ihr euch einfach einmal durch die Playlist:

Wir haben uns im letzten Jahr, also kurz vor dem DAWN 2018 mit Sebastian König unterhalten, der beim DAWN für so ziemlich alles zuständig ist: Vom Planen und Organisieren übers Kuratieren und Booken bis hin zur Gestaltung. Außerdem macht und holt er den besten Kaffee.

F: Du veranstaltest zum zweiten Mal das DAWN-Sommerfest im Rockhouse. Wie kommts dazu?

A: Gute Frage. Aus irgendeinem Grund hat man mir eine zweite Ausgabe genehmigt und freie Hand gelassen. Es macht überhaupt keinen Sinn, so etwas in Salzburg zu machen. Also auf dem Papier.

Du bringst aber schon ein paar Jahre Erfahrung vom Eleven Empire im Rockhouse mit?

Erfahrung ist da relativ. Es ist ein bisschen wie in der Bundesliga, wo der Abstiegskampf viel interessanter ist, als der um den Titel. Viele Leute im Veranstaltungssektor haben einen starken Fokus auf Gewinnmaximierung, ich kenne mich sehr gut mit Krisenmanagement aus.

Es gab aber schon auch einige ausverkaufte Shows in der Reihe?

Ja, das ist natürlich nett wenn man die Band zum richtigen Zeitpunkt gebucht hat, wie bei der Wanda oder der Voodoo Jürgens Show, ich arbeite aber lieber mit Bands, die sich noch auf dem Weg dorthin befinden. Es ist doch auch für die Besucher die bessere Story, wenn man die Band bereits zusammen mit ein paar Dutzend oder hundert anderen Leuten in einer Bar gesehen hat, bevor die dann durchstarten.

Wie zum Beispiel?

Drangsal zum Beispiel oder Gurr, Die Nerven, Curtis Harding, Isolation Berlin. Alle gerade ganz gut auf dem Weg nach oben.

Das heißt du orientierst dich beim Buchen an Bands die das Potential haben, mal groß zu werden?

Überhaupt nicht. Vieles was ich mache, ist auch einfach zu weird, um Erfolg haben zu können, zu sperrig, zu verkopft. Wie Xiu Xiu zum Beispiel. Die sind eigentlich sogar noch richtig erfolgreich dafür, wie fordernd ihre Musik ist. Das legst du dir nicht sonntags zum Frühstück auf.

DAWN Festival Salzburg_Sebastian Koenig

Was legt man sonntags zum Frühstück auf?

Walter Wanderley. Überhaupt Bossa Nova aus den 60ern. Wirklich! Das ist wie ein Urlaubsschub.

Klingt entspannter. Hörst du denn privat die Musik, die du veranstaltest?

Ja klar, aber meistens brauch ich da was Ruhigeres, wobei in der Reihe ja nicht nur verstörende Noise Bands spielen.

Du hast die Genre-Grenzen mit der Zeit ziemlich aufgemacht …

Ja, nur Rock’n’Roll wäre mir, denke ich, irgendwann zu eintönig geworden. Da gibt es ja auch genügend Veranstalter, die das bedienen. Ich hatte Bock was zu machen, dass man in einer Stadt wie Salzburg sonst überhaupt nicht sieht.

Zum Beispiel?

Low Leaf. Eine in den USA lebende Musikerin mit philippinischen Wurzeln, die mit Harfe, Piano und Loop Pedal produziert. Die hat unter anderem mit Flying Lotus gearbeitet, hatte ein Boiler Room Special und hat dann bei uns mit Band gespielt. Das hatte was sehr Besonderes. An einem anderen Abend hat man dann wieder zwei Italiener, die in Schweißermasken astreinen Blues Rock spielen. Ich mag interessante Shows.

Hauptsache interessant also?

Es muss einem nicht immer alles nur gefallen. Ich kann auch ein Konzert spannend finden, ohne dass ich mir die Musik jemals auf Platte anhören würde. Musik darf ruhig auch unbequem sein. Ernste Musik eben. Aber beim DAWN geht es ja viel eher um Popmusik.

Dieses Jahr sogar um österreichische Popmusik, oder?

Ja genau, ein kleiner Einblick in die aktuelle Musiklandschaft des Landes. Das Programm ist sehr bunt geworden, visuell und tanzlastig. So soll das bei einem Sommerfest ja auch sein.

Das heißt du hast da keine Berührungsängste mit Popmusik. Irgendwelche Guilty Pleasures?

Nicht wirklich. Ich glaube, die meisten Leute, die sich mit Inbrunst gegen ein Genre von Musik aussprechen, machen das aus Überkompensation und hören das dann heimlich. Wo andere Leute ihre Pornos auf der Festplatte verstecken, haben die dann die Diskographie von Kenny G liegen. So richtige Freaks.

Du schämst dich für nichts?

Doch bestimmt, aber konkret fällt mir gerade nichts ein. Da muss man einfach dazu stehen, ist mir doch egal, was da jemand anderes von hält. In meinem Plattenregal stehen auch Hall & Oats und Lionel Richie, und weiter? All Night Long ist ein großartiger Song. Man muss das auch nicht immer gleich so ernst nehmen. Ich stelle mir das auch eher anstrengend vor, ständig kredibile, vom Feuilleton abgesegnete Musik hören zu müssen um den Status in meinem sozialen Umfeld aufrecht zu erhalten.

Es kann also gerne mal ernst sein, aber nicht immer…

Es ist wie immer die Mitte. Kunst muss ja nicht immer Canapés und Sekt sein. Im letzten Jahr haben sich beim DAWN Leute, die wegen Mavi Phoenix gekommen sind, dann vielleicht auch eine Band wie White Wine angeschaut und umgekehrt. Live versteht man oft auch erst den Kontext der Musik, da macht das dann auf einmal Sinn. Jeder der mal auf einem Metal-Festival war versteht das.

Was erwartet uns neben den Liveshows sonst noch am 29. Juni?

Ab 16 Uhr gibt es bereits DJ und Drinks im Gastgarten, ein Food Truck ist auch vor Ort, wird ja ein längerer Abend. Man kann das also draußen erst mal langsam angehen. Gegen Abend läuft dann das Programm abwechselnd auf beiden Bühnen. Man hat entsprechend die Möglichkeit alle Liveshows zu sehen. Die Aftershow machen die Leute vom YSR Collective, man wird also amtlich nach Hause entlassen.

DAWN SOMMERFEST
28. Juni 2019
ROCKHOUSE SALZBURG

 

Fotos: Dominik Wöhrle