Fortgehen Party machen

Clubs in Salzburg: Eine Typologie

Wo gehst du gerne feiern?

Zugegebenermaßen ist Salzburg keine Stadt für Partylöwen. Genau genommen gibt es in der Altstadt nur eine Handvoll Clubs, davon die meisten rund um den Anton-Neumayr-Platz, die du dafür auch in betrunkenem Zustand nicht verfehlen und zu Fuß in Highheels gut erreichen kannst. Einge davon haben wir einer genauen und selbstverständlich ultimativ ernsthaften Betrachtung unterzogen.

Soda

Irgendwann in geraumer Vorzeit soll das Soda einen Ruf als Hipsterladen der Stadt genossen haben. Wer an Verschwörungstheorien glaubt, die dem Hipsterkult schon einen verfrühten Tod attestiert haben, kann sagen: Der Hipster ist im Soda gestorben. Denn viel von seinem Erbe blieb nicht übrig. Im Soda trifft sich, wer einen guten Drink zum Aufwärmen genießen oder einen Zwischenstopp zum Ausruhen geplagter Tanzbeine einlegen will. Tanzen kann man dort nämlich schon lange nicht mehr. Wer sich in den hinteren Teil des Lokals verirrt, die vermeintliche Tanzfläche, landet unter vereinzelt im Takt wippenden Körpern mit apathischem Blick, aber nach geschätzten zehn Minuten wird er auch, des starken Neonlichts wegen, sowieso kurzzeitig erblinden und sich in Anbetracht der nun eingeschränkten Wahrnehmung völlig dem Beat ergeben.

Half Moon

Das Half Moon ist dieser Laden, den eigentlich niemand gezielt aufsucht und in dem am Ende doch fast jeder landet. Sollte dieser Fall eintreffen, gibt es trinktechnisch einiges zu beachten: Nimm kein Getränk mit auf die Tanzfläche, der Ellbogen eines Tänzers in Ekstase wird dir das Glas entweder in die Zähne rammen oder es über dein 34,99-Kleidchen von Zara schütten. Das wird zur Folge haben, dass du dich, weil betrunken und aggressiv, wie ein wild gewordener Bullterrier auf den Täter werfen solltest. Das wiederum wird aber nie gelingen, weil der Täter zu dem Zeitpunkt schon unauffindbar in der Masse aus schwitzenden Körpern und eingelackten Haarsträhnen verschwunden sein wird. Deshalb wirst du dich wieder durch den Haufen zur Bar wühlen und von Null anfangen müssen. Spar dir das und trink nur Kurze. Trink sie gleich an der Bar.

Take V

An guten Tagen stehst du leicht beschämt zwischen vielen, sehr vielen gekauften Lolitapärchen. An schlechten Tagen wirst du dich hässlich fühlen und mit leicht angeknacksten Selbstbewusstsein zur Bar wanken, wo du dir einen überteuerten Wodka Bull leisten wirst. Der wird zwar deinem Bankkonto schaden, deinem Ego in Agonie aber nur zugutekommen. Stunden später wirst du dich des Wodka Bulls wegen auf den schwarzen Ledersesseln im Eck niederlassen, in den Armen eines International Tax Managers bei Red Bull. Wegen des dichten Diskonebels kannst du sein Gesicht ohnehin nicht erkennen. Dieser erschwert dir übrigens auch die Toiletten zu finden. Andererseits kannst du dich erfolgreich zufällig im Nebel verirren, wenn es Zeit wird, den Laden alleine zu verlassen.

Tipp: Die Herrschaften am Eingang nehmen es mit der Bekleidung ziemlich ernst. Eine gewisse Länge bzw. Kürze deines Rocks scheint obligat zu sein. Wenn du einen Rudolfskai-Abend geplant hast, ist es besser, zu bleiben wo du kleidungstechnisch hingehörst.

Republic

Das Republic ist das Chamäleon unter den Salzburger Clubs: Abwechselnd wird Black Label gespielt, genauso wie Salsa und die polarisierende 80ies Party. Letztere hat übrigens schon Freundesgruppen gespalten. An dieser Stelle outen wir uns aber als leidenschaftlicher Anhänger dieser Festivität. Das Erlebnis, inmitten einer Masse überdrehter Nostalgiker zu ABBA shaken zu dürfen, lässt uns kurz in der Illusion, dass diese himmlische Band nie ein Ende gefunden hat. Und diese Illusion stimmt uns einen Moment von drei Minuten sehr glücklich.

Flip

Das gute alte Flip suchen wir auf, wenn wir uns nach den Hymnen unserer Jugend sehnen. Oder für all jene, deren Jugend nicht mehr in die Ära des Grand Rock fällt: Die Hymnen, bei denen wir unsere ersten Fortgehversuche tätigten und irgendwie immer im versifften Pub endeten, wo die goldigen Oldies dann das Ende des Abends einläuteten. Tatsächlich ist das Flip mehr Bar als Club und wenn an lauen Sommerabenden die Luft dick wird, zieht es die Partywütigen nach draußen. Da die Behörden letztes Jahr den Alkohol draußen verboten haben, findet man bei der naheliegenden Pizzeria Il Sole Trost und kann den Frust in Pizza mit Irgendwas-und-Soße erwürgen. Aber obwohl die Sole-Pizzaschnitte sich jede Woche empörter Kritik unterziehen muss, hält sie Stand, denn ihre Funktion ist sowieso eine soziale: Nämlich die, beim Verzehr des gemeinsamen Mitternachtsmahls alle Völker der Clubs in Frieden zu vereinen, die Haferls, Take Fiven, Sodas, Republicaner und Flipser.

Veronika Ellecosta

Veronika Ellecosta ist aus Südtirol ausgewandert, des Studiums und des Auswanderns wegen. Ist in Salzburg angekommen. Hat bei Fräulein Flora Unterschlupf gefunden und begonnen, die Stadt schreibend zu erkunden und damit immer wieder aufs Neue anzukommen.