Was ich bei der Geburt meines ersten Kindes gelernt habe
Aus dem Magazin

5 Mythen über die Geburt

Was ich bei der Geburt meines ersten Kindes gelernt habe

Vor ein paar Tagen habe ich ein Kind zur Welt gebracht. Brav, wie man als werdende Mutter nun mal ist, war ich bei diversen Vorbereitungskursen und habe mir zumindest ein Minimum an Lesestoff reingezogen. Spätestens bei der Abfahrt ins Krankenhaus stand aber fest: Alles umsonst bzw. habe ich alles vergessen. In der Schwangerschaft konzentriert sich alles rund um den Tag der Geburt: Ängste, Neugier, Spannung. Man liest unendlich viele Geburtsberichte (danke, liebe Mama-Blogger) und fragt sich: Wie wird es, wenn mir der Oasch den gesamten Schritt hochreißt, weil sich ein 30 cm großer Kopf durchzwängt?

Weil ich finde, so ganz retrospektiv, dass alles viel schlimmer beschrieben wird, als es die Realität (bei mir) gezeigt hat, gibt es jetzt frische Erinnerungen an die Geburt – in Form von 5 Mythen. Enjoy!

5 Mythen rund um die Geburt

#1 Man braucht eine Kliniktasche

Die Kliniktasche ist so etwas wie die goldene Kuh in der Schwangerschaftsszene. “Was, du hast deine Kliniktasche NOCH NICHT GEPACKT UND BIST SCHON IM 5. MONAT???” ist eine Frage, die gute Mütter in spe schlechten Müttern in spe stellen. Die Kliniktasche, für alle, die sie nicht kennen, ist eine Tasche, in die man frische Unterhosen und Binden packt, um für den Krankenhaus-Aufenthalt vorbereitet zu sein. Im Netz findet man Unmengen an Listen, was in diese besondere Tasche gehört. Meine war prall gefüllt, die Inhalte nahm ich unberührt wieder mit nach Hause. Alles, was man für die Tage nach der Geburt benötigt habe, gab’s im Krankenhaus. Und bitte nicht vergessen: Alles was den postnatalen Körper berührt, wird sofort mit Blut und Schleim bedeckt.

#2 Die Geburt ist grausig

Eingebläut wird dir: Geburt = dich ankacken und anpissen, im Idealfall vor deinem Partner, der gebannt am unteren Ende deines Körpers lehnt und zuschaut. Ich habe selten einen Moment erlebt, der weniger grausig war, als die Geburt. Auch mein Mann hat diese Erfahrung geteilt. Ein bisschen gewöhnungsbedürftig fand er nur den Moment, als ein körperloser Kopf zwischen meinen Beinen herausgeschaut hat. Aber der dauerte zum Glück ja nur wenige Sekunden.

#3 Man hat Zeit, seinen Mann anzubrüllen und ihm mit dem Tod zu drohen

Der Hollywood-Klassiker: Die Rachels und Lilys dieser Welt sind mit ihren besten Freund*innen im Kreißsaal und beschimpfen bei jeder Wehe ihre Männer, diese widerlichen Fruchtbarkeitsgötter, die ihnen dieses Kind in den Leib gesetzt haben. Ehrlich gesagt weiß ich nicht genau, wie und wann diese Frauen die Konzentration und Kraft hernehmen, um zu reden. Für mich wäre es unmöglich gewesen, vielleicht aber auch nur deshalb, weil ich auf Schmerzmittel verzichtet habe.

#4 Man spürt es, wenn der Damm reißt

Grooooooßes Thema beim Geburtsvorbereitungskurs: der Dammriss. Das ist der Bereich zwischen Scheideneingang und Popoloch, der oft in unterschiedlichen Ausprägungen reißt oder eingeschnitten wird. Zugegeben: Klingt so, dass man die Zähne vor Phantomschmerz zusammenziehen will. In der Realität spürt man nichts davon – und mein Kind hat da unten die Apokalypse nachgespielt. Übrigens: Kein Schmerz während der Geburt ist auch nur annähernd so nervenzermürbend wie der, von wundgelutschten Brustwarzen, die ein Baby stillen sollen. Selten so geweint!

#5 Durch die Geburt musst du alleine durch

Auch eine Relikt aus dem Vorbereitungskurs: Bei der Geburt bist du alleine. Stimmt natürlich bis zu einem gewissen Grad: die Schmerzen und die Wehen-Arbeit macht man allein, aber man hat ein tolles Team am Start, das von Anfang bis Ende hilft. Bei der unmittelbaren Geburt meines Kindes waren mit mir insgesamt fünf Leute im Kreißsaal: mein Mann, die Hebamme, eine Ärztin, die auf meinen Bauch gedrückt hat, um das Kind von außen hinaus zu bitten und eine Schwester, die als Cheerleader fungiert hat.

Kein Mythos: Das Gefühl, wenn das Putzi da ist

Eines stimmt aber wirklich: Sobald das Baby da ist, wird der Rest komplett egal. Das Gefühl, die Geburt geschafft zu haben ist sensationell, das Kind noch an der Nabelschnur im Arm zu halten, so einzigartig und die Vorfreude, wieder auf dem Bauch schlafen zu dürfen, schier endlos.

Mein Fazit zur Geburt

Die Geburt ist das Ende der Schwangerschaft und der Anfang des gemeinsamen Lebens mit einem Kind. Nicht mehr und nicht weniger. Man braucht sie nicht schön reden, aber man muss sich auch nicht fürchten.


Titelbild:  Photo by Janko Ferlič on Unsplash