Insekten haben ja gewöhnlich nicht den besten Ruf. Zumindest kennen wir kaum jemanden, der mit Leidenschaft Kakerlaken züchtet oder von Engerlingen schwärmt. Bienen dagegen sind da die absolute Ausnahme – und das zu Recht! Wir haben den jungen Imker Daniel Pfeifenberger getroffen und uns von ihm erklären lassen, warum Bienen die coolsten Viecher der Welt sind und wie das mit den Bienen und den Blüten wirklich läuft.

Der Herr der Bienen

Eigentlich ist Daniel Pfeifenberger Inhaber einer Salzburger Internetagentur. Seine große Leidenschaft gilt aber seit jeher den Bienen. Deshalb hat Daniel vor zwei Jahren ganz nebenbei die Bio-Imkerei Bienenlieb gegründet. Was als Hobby begann, entwickelte sich bald zum zweiten Standbein und dann zum Hauptberuf des IT-Spezialisten. Heute betreibt die Imkerei Bienenlieb in Salzburg an mehreren Standorten ökologische Bienenzucht und kümmert sich um die Ausbildung interessierter Nachwuchs-Imker.

Ein Paradies für Honig-Fans

Unseren Ausflug in die Welt der Bienen starten wir in der Bienenlieb-Homebase, gegenüber vom Zentrum Hernau. Im vorderen Teil des Geschäfts wird Honig und Imkerei-Bedarf verkauft, im hinteren Teil befindet sich die Werkstatt. „Wir haben uns ökologische Standards gesetzt, die weit über die verpflichtenden Bio-Richtlinen hinausgehen. Zum Beispiel füttern wir unsere Bienen nicht mit billigem Glukosesirup, sondern mit einem gesunden Gemisch aus Honig und Wiesenkräutern“, erzählt uns Daniel.

„Immer wieder bekommen wir Angebote von großen Supermarktketten, die unseren Honig ins Sortiment nehmen wollen, aber das interessiert mich nicht“, erzählt Daniel, dem viel an den Prinzipien seiner Arbeit liegt.

„Wenn du in den Supermarkt gehst und ins Regal schaust, dann hat jedes Glas die gleiche Farbe. Bei uns schmeckt jeder Honig anders – je nachdem, von welcher Wiese und aus welchem Jahr er stammt.“

Bye bye Spießerimage

Bis vor kurzem galt Bienenzüchten übrigens nicht unbedingt als cooles Hobby. Doch mittlerweile liegt Imkern wieder voll im Trend und immer mehr junge Salzburg wollen das alte Handwerk erlernen. Das kann auch Daniel bestätigen, der selbst Einsteigerkurse anbietet. Dafür wurde im letzten Jahr gemeinsam mit der Stadt Salzburg eine Übungsimkerei“ auf dem Kommunalfriedhof angelegt. Über 2 Millionen Bienen leben hier im Sommer.

Aug in Aug mit der Schwarmintelligenz

Am Friedhof angekommen haben wir unseren ersten Kontakt mit den Bienen. Und das ganz ohne Schutzanzug oder Rauchwolken. Ein bisschen nervös sind wir deshalb schon, als Daniel die erste Wabe aus dem Stock herauszieht und uns die Bienen entgegenschwärmen. Doch statt uns zu attackieren schwirren die Bienen ganz friedlich um uns herum. Einige lassen sich neugierig auf uns nieder, nehmen aber sonst keine große Kenntnis von uns.

„Wenn ein Imker sich gut um die Stöcke kümmert, dann sind die Bienen ganz friedlich. Aggressiv werden sie nur, wenn es ihnen schlecht geht“, erklärt uns Daniel. Damit es nicht soweit kommt, hütet er die Bienenvölker wie seinen Augapfel: Jede Woche untersucht er die Stöcke auf Schädlinge und überprüft den Zustand der Königin. Während wir immer noch leicht verspannt in die Waben schauen, erklärt uns Daniel jede Menge Wissenswertes über Bienen.

Workaholics: Aus dem Leben einer Honigbiene

Insgesamt ist der Alltag einer Arbeitsbiene nicht so leiwand, wie die Biene Maja das vermuten lässt: Wenn der Frühling kommt, wächst die Kolonie in kürzester Zeit von 5.000 auf rund 50.000 Arbeitsbienen an. Während die Arbeitsbienen sich innerhalb weniger Wochen zu Tode hackeln, kann die Königin bis zu sechs Jahre alt werden. Entschließt das Volk aber, dass die Königin dem Wohl der Gemeinschaft nicht mehr dient, wird sie verstoßen und durch eine junge Königin ersetzt. Das „Ausschwärmen“ der alten Königin ist ein Anzeichen, dass im Stock Unruhe herrscht und kann von erfahrenen Imkern oft verhindert werden.

„Bienen sind ein Spiegel der Natur“

Wegen ihrem unablässigen Eifer beim Bestäuben der Pflanzen spielen die Bienen im Kreislauf der Natur eine extrem wichtige Rolle. Ihr Aussterben wäre fatal für das natürliche Gleichgewicht. Wer etwas zum Glück der Bienen beitragen will, der lässt deshalb im Sommer blühende Rasenflächen stehen, verwendet keine Bienen-killenden Düngemittel oder wird gleich selbst zum Imker.

So wird man Imker in Salzburg

Wer in Salzburg selbst Bienen züchten möchte, der besucht am Besten einen von Daniels Kursen. Imkern kann im Grunde jeder erlernen, der das notwendige Kleingeld mitbringt. Für einen einjährigen Kurs bezahlt man bei Bienenlieb 590 Euro. Nicht ganz billig. Andererseits muss man dann für den Rest des Lebens nie wieder Honig kaufen.