Aus dem Magazin

Ungewöhnliche Berufe: Daniela ist Tierbestatterin

Ein letztes Platzerl für verstorbene Viecherl.

Und was machst du so? In dieser Rubrik stellen wir euch Jobs vor, die im Alltag oft unsichtbar bleiben. Daniela Edlmayr hat vor dreizehn Jahren die Tiertrauer Salzburg ins Leben gerufen. Seitdem hilft sie, gemeinsam mit ihrem Team, traurigen Menschen dabei, ihre verstorbenen Tiere zu verabschieden.

Illustrationen: Ari Ban

Was macht Tiertrauer Salzburg genau?

Unsere Zielgruppe sind Menschen, deren Haustiere sterben. Viele wollen ihre Lieblinge nicht der Tierverwertung überlassen, weil sie nicht wissen, was dort mit ihren Haustieren passiert. Wir bieten daher die Möglichkeit, sich liebevoll von den Tieren zu verabschieden, in dem wir alles für eine Einäscherung in unserem Partnerkrematorium in München vorbereiten und organisieren.

Wie läuft eine Tiertrauer-Zeremonie ab?

Wenn zum Beispiel ein Hund beim Tierarzt stirbt, holen wir diesen ab und bringen ihn zuerst in unser Kühlhaus in Oberalm. Von dort aus organisieren wir alles für die Einäscherung in München. Im dortigen Krematorium kann Tiere einzeln einäschern lassen. Dann schicken wir die Überreste wieder zur Familie. Bei einer Sammeleinäscherung wird die Asche der Tiere am Friedhof in München verstreut. Wir haben dort auch einen „Raum der Stille”, in dem man sich ein letztes Mal vom Haustier verabschieden kann. Wer nicht selbst anwesend sein kann, aber die Verbrennung miterleben möchte, kann sich eine DVD davon anfertigen lassen. Im Monat haben wir zwischen 120 und 130 Anfragen.

Tierbestatterin

Wie bist du zu diesem Job gekommen?

Vor zwölf Jahren habe ich meinen eigenen Hund verloren und mich im Zuge dessen auf die Suche nach einer Art und Weise gemacht, wie ich mich würdig von ihm verabschieden kann. In Deutschland bin ich dann auf Tierkrematorien gestoßen, das hat mir gefallen und ich habe diese Idee hier umgesetzt. Am Anfang bin ich zu Tierärzten gegangen, die haben zuerst gar nicht verstanden, was ich von ihnen will. Jetzt arbeite ich die meiste Zeit mit ihnen zusammen. Mittlerweile sind wir eine Tochterfirma des Tierkrematoriums in München.

Was ist deine offizielle Berufsbezeichnung?

Ich würde sagen, Tierbestatterin, aber ganz stimmt es nicht. Weil es für die Arbeit, die wir hier tun, kein eigentliches Gewerbe gibt, wurden wir von der Wirtschaftskammer in die Sparte Spediteure geschrieben. Der Grund? Wir fahren sehr viel herum, um die Tiere von den Tierärzten zu holen und sie dann ins Krematorium zu bringen.

Wie kann man sich deinen typischen Arbeitstag vorstellen?

Sehr spannend. Ich erlebe sehr viel unterschiedliche Dinge. Trauernde Tierbesitzer erzählen mir ihre Geschichte. Das kann manchmal sehr hart sein. Zum Beispiel, wenn ein Kind gestorben ist und dann auch noch der Hund, der dem Kind gehört hat. Dazu kommt jede Menge Bürokratie, für jedes Tier müssen diverse Papiere ausgefüllt werden.

“In München haben sie mal einen Löwen eingeäschert, der vorher beim Zirkus war.”

Was war das exotischste Tier, das du verabschiedet hast?

Wir haben in erster Linie Hunde und Katzen. Aber auch Schlange, da war zum Beispiel eine Boa dabei. Dann Leguane, Papageien und Kleintiere wie Hamster oder Schildkröten. In München haben sie mal einen Löwen eingeäschert, der vorher beim Zirkus war.

Welche Tiere werden am meisten betrauert?

Das sind ganz klar Hunde und Katzen. Von den rund 130 Anfragen, die wir monatlichen haben, geht es bei gut 70 um Hunde, der Rest sind Katzen. Für kleine Kinder kann es, meiner Meinung nach gut sein, wenn ihre Hamster, Mäuse oder Schildkröten ein würdiges Ende erfahren. Die Asche bringen die Eltern dann in Kartonurnen nach Hause und können besser erklären, was da passiert ist. Das kann den Kindern helfen, den Verlust besser zu verarbeiten.

Tierbestatterin

Was macht den Job für dich besonders?

Das sind die Schicksale, die einem erzählt werden. Die Leute sind einfach dankbar, dass jemand da ist, der ihnen beim Abschied zur Seite steht. Ich glaube, diesen Schmerz, den man erfährt, wenn ein geliebtes Haustier stirbt, können nur Menschen nachempfinden, die selbst Tiere haben. Dann weiß man, wovon gesprochen wird. Bei uns haben übrigens alle Tiere.

Gibt es noch etwas Erwähnenswertes?

Was ich vergessen habe zu sagen: Aus der Asche der Tiere kann man sich Edelsteine anfertigen lassen. Da gibt es in Oberösterreich eine Firma, die dieses Service anbietet und dann in verschiedenen Schliffen zum Beispiel als Halskette den Tierbesitzern zusendet.

Tierbestatterin

Dieser Artikel ist zuerst im QWANT.-Magazin / Ausgabe 01/2019 erschienen.

Titelbild: Photo by Edward Howell on Unsplash

Eva Krallinger-Gruber

Eva ist eine richtige Ex-Exil-Salzburgerin. Frankreich, USA, Schweiz - aber nirgends ist es wie zuhause. Journalismus, Marketing (Kosmetik und dann Bier) und eigentlich redet sie auch ganz gern.