Aus dem Magazin

Sex on the Mönchsberg

Wo Salzburger*innen ihr Schäferstündchen halten.

Vergesst Sex on the Beach: In Salzburg wird nicht am Traumstrand, sondern unter Kirchenglocken gepudert. Also, unter anderem zumindest! Sieben Salzburger*innen haben uns von ihren Outdoor-Abenteuern in und um die Mozartstadt erzählt – und wir haben gelernt: Wenigstens rieselt einem hier nicht tagelang danach noch der Sand aus dem Arsch. Auch schön.

Marlene*, 25 Jahre

„Ich weiß eigentlich gar nicht mehr so genau, wie es dazu gekommen ist – aber irgendwann bin ich nach dem Fortgehen mit einem Typen auf einem Spielplatz neben der Salzach gelandet. Wie wir da hinkamen und wie wir da wieder wegkamen: keinen blassen Schimmer! Wir hatten zuvor noch nie etwas miteinander, auch danach nie wieder und nicht einmal das Bedürfnis danach – aber an dem einen Abend haben wir einfach auf dem Spielplatz miteinander geschlafen. Klassiker, wir hatten kein Kondom dabei und irgendwie wollte sonst auch nicht so wirklich was funktionieren. Wir waren schon recht betrunken, alle beide, aber wie die Geschichte ausging, weiß ich noch sehr genau: Ich war schon oben ohne, als ich bemerkte, dass hinter uns plötzlich jemand stand, ein leicht übergewichtiger Mann, so Mitte vierzig. Er hat sich einen runtergeholt, da war für uns das Abenteuer dann auch vorbei. Es war kein schönes Erlebnis. Aber ganz ehrlich? Es wäre auch ohne den Spanner kein schönes Erlebnis gewesen.“

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Alex*, 28 Jahre

„Es war nach einer Feier, der Abend war eigentlich schon so gut wie vorbei. Die Gruppe hat sich langsam aufgelöst und alle machten sich auf den Heimweg – ich zufällig in dieselbe Richtung wie ein Bekannter von mir. Wir gingen ein Stück gemeinsam und eine Sache führte zur nächsten und schließlich begannen wir zu schmusen. Es war dann ziemlich offensichtlich, dass das nicht beim Schmusen bleiben wird, also versuchten wir zuerst am Bahnhof einen Kondomautomaten ausfindig zu machen. Dann brauchten wir noch einen Ort zum Vögeln. Meinem Bekannten fiel spontan nur der Garten seiner Oma ein, der gleich in der Nähe war – also gingen wir eben dort hin. Es gab eine kleine Gartenhütte, in die wir mehr oder weniger einbrachen. Weil der Boden aber ziemlich hart war und man sich das mit Gegen-Die-Wand-Ficken auch angenehmer vorstellt, als es in Wirklichkeit ist, gingen wir schließlich doch irgendwann raus in den Garten. Gekommen ist, soweit ich mich erinnere, aber niemand von uns beiden – und zwar, weil die Sonne aufging, es recht schnell hell wurde und uns das Ganze dann doch ein bisschen zu riskant war.“

Tom*, 32 Jahre

„Wie jeder gute Salzburger habe ich einmal nachts im Lepi gevögelt. Genauer gesagt im Alu-Becken, das ist nämlich nicht so tief und man kann am Rand sehr gut stehen. Außerdem schimmert es in der Nacht wunderschön hellblau und das Wasser plätschert ruhig vor sich hin. Wenn man die Augen zumacht, glaubt man fast, man wäre am Meer. Jedenfalls sind wir im Freundeskreis damals fast jedes Mal nach dem Fortgehen gemeinsam ins Lepi zum Nacktbaden. Eines Abends war auch die Schwester eines Freundes dabei. Wir haben den ganzen Abend lang schon Blicke ausgetauscht. Als wir dann alle im Becken herumgeplantscht haben, war es irgendwie klar, dass wir warten, bis die anderen rausgehen und sich verziehen … die waren aber sowieso zu betrunken, um zu merken, dass wir beiden fehlten. Und dann haben wir einfach begonnen, herumzumachen. Nackt waren wir ja schon. Betrunkener Outdoor-Sex ist ja meistens nüchtern betrachtet ziemlich widerlich, aber dieses Erlebnis finde ich heute noch scharf und ich muss jedes Mal dran denken, wenn ich im Lepi bin. Nur die Badegäste am nächsten Tag tun mir leid. Andererseits: Wir waren an dem Abend vermutlich auch nicht die einzigen …“

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Jessica*, 25 Jahre

„Ich war mit einer Gruppe unterwegs und hatte aber, eh wie immer, alle anderen verloren. Irgendwie bin ich dann alleine im O’Malley’s gelandet. Als ich mir gerade ein Bier an der Bar bestellte, habe ich dort so einen Italiener kennengelernt, der eine Woche lang in Salzburg Urlaub machte. Ich weiß jetzt gar nicht mehr, wie der Typ überhaupt hieß, und wir haben ehrlich gesagt auch nur ungefähr zwei Worte miteinander gewechselt, dann waren wir schon am Schmusen. Er schlief in einem Hostel und zu mir konnten wir auch nicht gehen, also wanderten wir zuerst aus der Bar rüber zu der Ecke, an der der Indigo ist. Da waren uns aber zu viele Leute und außerdem die Polizei gleich um die Ecke, also sind wir weiter in die Getreidegasse. Ich dachte mir einfach, dass es bei den vielen Hauseingängen bei den ganzen Geschäften sicher einen ungestörten Ort geben würde! Wir haben dann schließlich wirklich etwas gefunden und im Stehen miteinander gevögelt. Danach haben sich unsere Wege getrennt – und ich bin den Rest der Nacht noch feiern gegangen.“

Ursula*, 32 Jahre

„Wir waren in der Gstättengasse unterwegs, im Flip, und ich hatte schon den ganzen Abend lang mit jemandem geflirtet. Damals hatte ich aber emotional noch nicht so ganz mit meinem Exfreund abgeschlossen und deswegen wollte ich auch nicht, dass er mich zufällig in der Stadt mit jemandem anderen sieht. Also gingen wir zum Schmusen nach draußen – rauf zu der Kirche am Ende der Straße. Damals waren lauter Baugerüste um die Kirche, hinter den Planen war man relativ unbeobachtet. Irgendwie war es aber doch zu zentral und deshalb haben wir beschlossen, auf den Mönchsberg zu spazieren. An den Sex kann ich mich jetzt eigentlich nicht mehr so gut erinnern, ich weiß aber noch, dass ich irgendwann halb nackt aufgewacht bin und in der Nähe schon die ersten Pensionisten spazieren gingen. Wir sind dann wieder runter in die Stadt und haben gewartet, bis die ersten Geschäfte aufmachten, damit wir uns was zu essen kaufen konnten – um die Uhrzeit war einfach noch alles zu.“

Amelie*, 23 Jahre

„Vor ein paar Jahren habe ich mit einem Freund Schluss gemacht, mit dem ich eigentlich ziemlich lange zusammen war. Wir haben uns auch nach der Trennung noch manchmal gesehen und hatten immer wieder mal Sex, so zum Spaß. Das Problem dabei: Da wir ja nicht mehr zusammen waren und beide aber noch daheim wohnten, konnten wir nicht mehr zu ihm oder zu mir gehen! Mitten im Winter haben wir uns also einmal auf einem Golfplatz in der Nähe von Salzburg getroffen und dort auf einem Bankerl miteinander geschlafen. Erstens war es sowieso schon arschkalt und zweitens war die Bank noch dazu aus Eisen – ich hab mir alle möglichen Gliedmaßen abgefroren!“

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Maria-Theresia*, 27 Jahre

„Der Abend war insgesamt recht spannend, irgendwann beim Fortgehen nämlich habe ich schon wild mit einer Frau in einer Bar geschmust. Sehr viel später dann, als es hell wurde, habe ich mich auf den Weg zum ersten Bus nach Hause gemacht, über die Staatsbrücke und durch die Linzer Gasse. In der Nähe vom Hotel Stein haben mich zwei Deutsche angeredet. Sie waren aus München und kurz fürs Wochenende in Salzburg, geschlafen haben sie in einem alten Kloster. Ich weiß nicht, wie, aber innerhalb von ein paar Minuten war ich überredet, dass ich mit ihnen ins Kloster gehe. Sie meinten auch, dass wir am nächsten Tag frühstücken könnten und ich dachte nur: Ja, eigentlich geil, es zaht mich eh schon gar nicht mehr heimfahren. Also haben wir uns da reingeschlichen – mit einem der beiden habe ich am Ende auch in diesem alten Kloster geschlafen. Und: Wir haben dann wirklich den nächsten halben Tag miteinander verbracht, mit Frühstück und einem Besuch am See.“

*Name von der Redaktion geändert

Illustrationen: Ari Ban


Titelbild: Photo by Gaelle Marcel on Unsplash

Vanessa Graf

Vanessa ist meistens am Berg, und wenn nicht, dann reist sie um die Welt. Regenwetter ist außerdem ihr Lieblingswetter. Daran erkennt man auch die Salzburgerin in ihr.