Aus dem Magazin

Philosophie am Klo: Salzburgs Kloesie

Salzburgs Klo-Poesie im Fokus.

Wir haben Sprüche auf Salzburgs Klos gesammelt und eine Ode an dieses kollektive Kunstmittel dazu verfasst.

Gerne verbringen wir unsere Freizeit in den Bars. Auf der Toilette. Weil es dort oft viel mehr zu entdecken gibt als nur weiße Kloschüsseln und zerfetztes, zertretenes Papier am Boden. Klo-Poesie, gekürzt zu „Kloesie“, heißen die Kritzeleien an Klowänden, und sind seit Jahrzehnten auf den Heisln der Städte nicht mehr wegzudenken. Keine andere Kunstform ist anonymer und deshalb freier, und wer von uns noch nie seine philosophischen oder seelischen Zustände an Klotüren verewigt hat, hat wohl seine Jugend nie gelebt. Was immer uns die Verfasser*innen auch sagen wollen, immer lassen sie uns Spielraum für Interpretationen, für ein kurzes Schmunzeln oder Kopfschütteln. Sie sind mehr als Dreck an den Wänden, dem man nur mit hochchemischen Mitteln zu Leibe rücken soll, sondern ein Ausdrucks- und Kommunikationsmedium und in ihrem Facettenreichtum der Spiegel ihrer Stadt selbst. Kloesie gehört deshalb gewürdigt und nicht weggeputzt.

 

Veronika Ellecosta wohnt, studiert und arbeitet mittlerweile in München, ist aber nach wie vor in Salzburg und einen Salzburger verliebt. Gerne ist sie auch zuhause jenseits des Brenners. So fährt sie halt viel Zug und hat bemerkt, dass man dabei eigentlich auch ganz gut schreiben kann.