Aus dem Magazin

[Kommentar] Was darf man eigentlich noch empfehlen?

... und warum granteln alle wegen diesem Kack-Instagram?

Die großen und kleinen Ängste der Menschheit haben sich verändert. Während wir unter echten Sorgen sowas wie Wirtschaftskrisen, Terror oder Arbeitslosigkeit verstehen, wurden wir in den letzten Jahren mit einem ganz anderen Phänomen konfrontiert. Dieses flatterte via Mail, Facebook- und Instagram-Nachricht oder aufgebrachtem Anruf in unsere Redaktion und drehte sich immer um folgende Kern-Aussage:

„Warum zum Teufel empfehlt ihr XY? Das ist doch DER Geheimplatz der Salzburger*innen! Wenn ihr DAS postet, wird das sicher DER neue Instagram-Foto-Hotspot!“

Solche und ähnliche Zuschriften bekommen wir gar nicht so selten. Eigentlich jedes Mal, wenn wir etwas posten, das uns wichtig ist. Bei den Outdoor-Plätzen sind es die Mahner*innen, die Angst um ihre Geheimorte haben. Wenn wir etwas über Sex posten, dann kommen die, die uns erklären, dass man so nicht reden darf. Wenn wir über Politik posten, kommen jene, die uns erklären, was wir für heuchlerische Gutmenschen sind. All diese Zuschriften sind, für sich genommen, absolut berechtigt. Und eigentlich freuen wir uns darüber. Trotzdem zerbrechen wir uns regelmäßig den Kopf, wie mit diesem Feedback umzugehen ist.

Fräulein Flora ist kein gewöhnliches Medium. Wir haben es ohne Verlagshintergrund und ohne finanzielle Ressourcen gegründet. Und zwar aus Leidenschaft für unsere Stadt und für das Schreiben. Wir haben alle sehr lange in irgendwelchen Marketingabteilungen gearbeitet, in denen wir gezwungen waren, für Geld Dinge zu beschreiben, an denen unser Herz nicht hing. DAS war Instagramisierung. Und wir haben es gehasst. Also haben wir für uns einen Ort geschaffen, an dem wir so sein können, wie wir sind. An dem wir schreiben können, wie wir wollen und worüber wir wollen. Wo wir als Schreibende dem entsprechen dürfen, wie wir halt sind. Vielleicht versteht man dieses Bedürfnis nur richtig, wenn man selbst lange genug in dieser Marketingmaschine gelebt hat. Für uns war das eine Befreiung. Und ist es bis heute.

Dieses Stück Freiheit ist hart erkämpft. Wir haben eigentlich alles, was wir besitzen, in dieses Projekt investiert. Und natürlich machen wir noch immer Werbung, wegen der Finanzierung warad’s gwesen. Eines aber ist uns heilig: zu schreiben, woran unser Herz liegt. Wir glauben, es ist der Grund, warum Menschen unser Online-Magazin schätzen und gerne lesen. Auch wenn sie manchmal nicht einer Meinung sind mit uns.

Genau aus diesem Grund haben wir für uns beschlossen, Dinge nur dann zu löschen, wenn sie faktisch falsch sind. Oder wenn sie Menschenleben gefährden oder wenn sie die Menschenwürde angreifen (würden).

Bei allen anderen Dingen haben wir entschieden, es eben stehen zu lassen und damit zu leben, dass manche Leser*innen anderer Meinung sind. Eine Instagramisierung von Orten lehnen wir ab und wenn wir Orte à la Pragser Wildsee anschauen, finden wir das traurig. Wenn eure Sorgenfalten jetzt beim Lesen immer tiefer geworden sind, lasst euch eines sagen: Das tolle, kleine Kaffee (in dem ihr mit Sicherheit auch trotz unseres Artikels noch einen Platz bekommen werdet) oder der coole Spot am Berg (der niemandem von uns alleine gehört) sind eben Teile von Salzburg, die keinem von uns vorbehalten sein sollten. Salzburg ist eine lebenswerte Stadt – erkundet sie, entdeckt neue Plätze und nehmt sie für euch ein!

Und wenn nächstes Mal jemand auf eurem Stammplatz im Restaurant sitzt oder euch beim Fotomachen am Berg im Weg steht, quatscht ihn/sie doch einfach mal an. Ihr werdet sehen – es sind auch nur Menschen, die gerne hierherkommen – genauso wie ihr.


Titelbild: Photo by Ian Schneider on Unsplash