So arbeiten junge Salzburger
Aus dem Magazin

Jugend ohne Geld?

Wir haben uns angesehen, wie es jungen Salzburger*innen wirklich geht

Prekäre Jobs, hohe Mieten. Junge Menschen haben es in vielen Bereichen schwerer, als ihre Elterngeneration. Wir haben einen Blick auf die Situation der 15- bis 25-Jährigen geworfen.

„Seid froh, dass es euch so gut geht. Eure Großeltern wären mit weniger zufrieden gewesen!“

Welcher junge Mensch kennt diesen Klassiker vom sonntäglichen Familientisch nicht? Kein Wunder, schließlich steckt im Kern dieser Aussage das Wohlstandsversprechen der Nachkriegszeit: Wenn alle hart arbeiten, dann wird es jeder neuen Generation ein wenig besser gehen, als jener davor. Auf den ersten Blick hat sich daran bis heute nichts geändert: Während die Großeltern hart für den ersten Fernseher schuften mussten, gehören Smartphone und Laptop für ihre Enkelkinder zur Grundausstattung. Doch trifft der Mythos von den verwöhnten (Post-) Millenials wirklich zu? In Ländern wie Spanien oder Griechenland gehören die Jungen zu den größten Verlierer* innen der globalen Finanzkrise.

Auch wenn sich die Staaten langsam erholen: In Spanien waren im Vorjahr rund 44 Prozent der jungen Menschen arbeitslos, in Griechenland sogar rund 47 Prozent. In beiden Fällen ist die Arbeitslosigkeit unter den Jungen doppelt so hoch, wie im allgemeinen Bevölkerungsdurchschnitt (Quelle: Bertelsmann Stiftung, Social Justice in the EU – Index 2017). Manch einer spricht angesichts dieser Situation sogar von einer „verlorenen Generation“. Vielen Jungen bleibt trotz guter Ausbildung nur der Weg ins Ausland. In Österreich ist die Situation für die meisten jungen Menschen glücklicherweise weniger dramatisch.

Und dennoch: Auch in Salzburg haben es die sogenannten (Post-)Millenials in vielen Bereichen schwerer, als ihre Elterngeneration. „Mehr Schatten als Licht“ attestiert der Jugendmonitor der Salzburger Arbeiterkammer deshalb in seiner aktuellen Ausgabe. Seit 2012 dokumentiert der Bericht wichtige Lebensbereiche junger Menschen im Alter zwischen 15 und 25 Jahren. Fazit: Immer mehr Jugendliche befinden sich in atypischen Beschäftigungsverhältnissen. Die realen Einkommen sind in den letzten zehn Jahren gesunken. Und Aufstiegschancen hängen nach wie vor großteils vom Elternhaus ab. Grund genug, einen genaueren Blick auf den Lebensalltag junger Salzburger*innen zu werfen.

Typisch atypisch: Wenn die Ausnahme zur Regel wird

Von Halbtagsjobs bis zu freien Dienstverträgen: Während atypische Beschäftigungsverhältnisse in der Elterngeneration noch die Ausnahme waren, sind sie für Junge heute Normalität. Und das betrifft längst nicht nur den klassischen Student*innenjob hinter der Bar. Von der Doktorandin mit Dreijahresvertrag bis zum Praktikanten in der Werbeagentur arbeiten viele junge Salzburger*innen unsicherer, als es ihre Eltern taten. Die Arbeiterkammer nennt im Jugendmonitor konkrete Zahlen: Salzburger*innen unter 25 Jahren machen ein Fünftel aller geringfügig Beschäftigten aus. Diese Zahlen lassen unter anderem darauf schließen, dass junge Menschen immer häufiger neben ihrer Ausbildung arbeiten gehen, um sich ihr Leben leisten zu können. Gar nicht erst erfasst sind in dieser Statistik die sogenannten Neuen Selbstständigen, die zum Beispiel in der Kreativbranche immer mehr zur Norm werden.

Arbeiten in Salzburg

Gehälter: In Wirklichkeit fallend

Betrachtet man die Entwicklung der Reallöhne in Salzburg, wird deutlich, dass die Inflation die Steigerungen auffrisst. Sprich: Den Arbeitnehmer*innen bleibt am Ende des Tages immer weniger von ihrem Geld. Davon sind zwar nicht nur junge Salzburger*innen betroffen. Bei den 25- bis 34-Jährigen sind die Verluste aber besonders hoch. Zwischen 1,4 und 1,7 Prozent weniger Reallohn als noch vor zehn Jahren sind es laut Jugendmonitor der AK Salzburg. Nur die Über-Sechzigjährigen müssen noch stärkere Einbußen wegstecken. Besonders betroffen sind übrigens junge Frauen, die wegen des sogenannten Gender Gaps deutlich weniger verdienen, als ihre männlichen Kollegen. Ein Ungleichgewicht, das mit den Jahren immer größer wird.

„Von keiner Generation zuvor wurde derart erwartet, von früh an ihr Humankapital zu mehren. Junge Menschen und ihre Eltern müssen heute viel mehr Geld, Zeit und Anstrengung in ihre Ausbildung stecken als früher.”

Musterschüler*innen klar im Vorteil

Auch wenn junge Menschen heute im Durchschnitt schlechter verdienen, als noch vor einigen Jahren, fordert der Arbeitsmarkt immer höhere Qualifikation. Denn während ein Hochschulabschluss früher als sichere Bank für einen Arbeitsplatz galt, ist er heute oft die Grundvoraussetzung, um überhaupt zum Vorstellungsgespräch eingeladen zu werden. Oder wie es der US-amerikanische Autor Malcom Harris beschreibt: „Von keiner Generation zuvor wurde derart erwartet, von früh an ihr Humankapital zu mehren. Junge Menschen und ihre Eltern müssen heute viel mehr Geld, Zeit und Anstrengung in ihre Ausbildung stecken als früher“.

Auf der Strecke bleiben genau jene, die das nicht schaffen, denn es gilt mehr denn je: Eine gute Ausbildung ist der wirksamste Schutz gegen Arbeitslosigkeit und Armut. Nur rund 20 Prozent der jungen Arbeitslosen haben in Österreich einen höheren Bildungsabschluss als Lehre oder Pflichtschule. Bildung schützt im wahrsten Sinne des Wortes vor Armut.

Aufstieg ist erblich

Angesichts der großen Bedeutung, die der Ausbildung zukommt, ist das Thema der Chancengleichheit umso relevanter. Dabei gilt in Salzburg nach wie vor: „Sag mir, wer deine Eltern sind und ich sage dir, wie deine Chancen stehen.“ So finden sich unter den Erstsemestrigen an Österreichs Universitäten nur 3,8 Prozent Kinder von Pflichtschulabsolvent*innen. Zum Vergleich: 44,3 Prozent aller Erstsemestrigen kommen aus einem Elternhaus, in dem ein Elternteil selbst die Universität abgeschlossen hat. Besonders schwer haben es Migrant*innen der ersten oder zweiten Generation: „Das Risiko von Migrant*innen in erster Generation vorzeitig die Bildungslaufbahn zu beenden, ist fünfeinhalbmal so groß, wie das der Jugendlichen ohne Migrationshintergrund. Und sogar Migrant*innen in zweiter Generation haben immer noch mehr als das dreifache Risiko“, heißt es in der AK-Studie.

Na bumm: Zwischen 2005 und 2016 stieg die durchschnittliche Wohnungsmiete im Bundesland Salzburg inklusive Betriebskosten um 45,8%.

Wohnen: Alte Mietverträge klar im Vorteil

Doch nicht nur bei Arbeit und Ausbildung sind die Herausforderungen für junge Menschen hoch. Auch das Thema Wohnen ist für sie besonders brisant: Die Mietpreise steigen in Österreich seit Jahren deutlich schneller als die Reallöhne. Die Stadt Salzburg ist dabei sogar Österreichs Spitzenreiter. Zwischen 2005 und 2016 stieg die durchschnittliche Wohnungsmiete im Bundesland Salzburg inklusive Betriebskosten um 45,8 Prozent. Besonders hart trifft das Geringverdiener*innen und Menschen, die neuere Mietverträge haben. Beides kommt besonders häufig bei den Jungen vor. Sprich: Wer nicht das Glück hat, Eigentum zu erben oder Omas Mietvertrag aus dem Jahre Schnee übernehmen zu können, leidet unter der Preisexplosion. Allerdings hat sich in den letzten Jahren auch der Standard der Wohnungen verbessert. Schlecht geheizte Zimmer mit Toilette im Stiegenhaus findet man heute viel seltener als früher. Es gilt also: Junge Menschen wohnen im Durchschnitt schöner, aber teurer als ihre Elterngeneration.

Fazit: Faul ist anders

Wer genauer hinsieht, merkt angesichts dieser Zahlen schnell, dass der Mythos von den verwöhnten Jungen mit der Realität schwer mithalten kann. Stattdessen haben sich schlicht die Probleme verschoben. Eins ist aber gleich geblieben: Lösungen wird es nur geben, wenn die Generationen gemeinsam daran arbeiten.

 

Dieser Artikel ist zuerst im QWANT. Magazin (Ausgabe 1/2018) erschienen.

Fotocredits: Photo by Marvin Meyer on Unsplash & Photo by Annie Spratt on Unsplash

Matthias Gruber

Matthias Gruber ist ein Ur-Salzburger, der auszog, um Italien und Wien zu erobern. Gern ist er wieder zurückgekommen und macht für das Fräulein Flora wunderschöne Fotos der “Nicht-Nur-Mozartstadt”, die von witzigen Texten begleitet werden.