Fein gewandet
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Fein Gewandet: Second Hand-Mode aus Salzburg

Fräulein Floras Shoppingtipps aus zweiter Hand.

Herbst 2018: Nadine steht in der Ernest-Thun-Straße 12 – in einem Geschäftslokal, das gerade geräumt wird. Hier waren bis vor Kurzem die Verkaufsräume eines Brautmodenladens, jetzt soll sich Nadine entscheiden, ob sie mit ihrer Geschäftsidee einziehen will. Ihr erster Gedanke: “Wenn ich das jetzt kriege, traue ich mich drüber und sonst lasse ich es.”

Einige Jahre zuvor: Nadine lernt Speditionskauffrau, arbeitet später im Kundendienst, will sich aber beruflich nochmal verändern. Sie macht die Berufsreifeprüfung und fängt mit 34 Jahren an, Soziologie zu studieren. Danach möchte sie mal ein bisschen Geld verdienen und geht in die Frauenberatung. Sie unterstützt Frauen, die sich beruflich verändern und in einem handwerklich-technischen Bereich ausbilden lassen wollen. Dabei setzt sich Nadine auch mit ihrer eigenen Vergangenheit auseinander und findet heraus, welche Werte ihr eigentlich wichtig sind. Im Studium hat sie angefangen, Second Hand Mode einzukaufen und Produktionsbedingungen zu hinterfragen. Sie macht sich Gedanken darüber, was Konsum für sie bedeutet und ärgert sich darüber, dass die Modetrends von heute der Müll von morgen sind.

Damals ist Nadine zum ersten Mal die Idee eines eigenen Second Hand-Shops in den Sinn gekommen. “Mode war schon immer meins”, sagt sie. “Als Jugendliche habe ich Fotos von Kleidung aus Zeitschriften ausgeschnitten und Stücke kombiniert.” Dann hat sie sich drübergetraut und im Herbst 2018 ihren Second Hand Laden “Fein gewandet” in der Ernest-Thun-Straße eröffnet.

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“Second Hand ist nichts für ein schnelles Einkaufserlebnis. Man braucht Zeit und Muße.”

Wie die Umstellung von angestellt auf selbstständig für sie war, wollen wir wissen. “Man verlässt die Sicherheit vom Angestelltensein”, antwortet Nadine. “Ich habe mich drei Monate eingerichtet, die Werbetrommel gerührt und viel Überzeugungsarbeit geleistet. Ich war bei Veranstaltungen, habe Karten ausgeteilt, private Sachen auf Kommission gekauft – bis alles richtig ins Laufen gekommen ist, war es ein langer Prozess.”

Heute hat Nadine den Dreh raus und füllt ihre Regale mit Sachen, die maximal zwei Jahre alt und neuwertig sind. Bei ihr landen auch viele typische Fehlkäufe, die nie oder nur einmal getragen wurden. Preislich bewegen sich die Second Hand-Teile im Mittelpreissegment und größentechnisch gibt es alles nur einmal. Nadine fällt auf, dass viele Frauen Second Hand dafür nutzen, um Kleidung abzugeben, statt zu kaufen. “Second Hand ist nichts für ein schnelles Einkaufserlebnis. Dafür braucht man Zeit und Muße.”

Fein gewandet

Fein Gewandet
Ernest-Thun-Straße 12
Öffnungszeiten: Di-Fr 9.00-17.30 Uhr

Alle Fotos: (c) Fein Gewandet


Schleichwerbung, nein danke!
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Miriam Kreiseder

Miriam hat ihre Zelte in Wien, Kufstein und Porto aufgeschlagen, bevor es sie wieder nach Salzburg gezogen hat. Am liebsten schreibt sie über Musik und Alltagsgeschichten.