Aus dem Magazin

Esoterik in Salzburg

Wir haben uns die Karten legen lassen.

Eigentlich glaube ich nicht an astrologische Zukunftsdeutungen. Eigentlich. Nachdem mir jedoch von Freunden und Bekannten ziemlich interessante Erfahrungsberichte zu Ohren gekommen waren, begann ich selbst ein bisschen zu recherchieren.

Astrologie, Bodytalking, Wahrsagen oder Kartenlegen: Die Möglichkeiten, einen Blick in die eigene Zukunft zu werfen, sind auch in Salzburg relativ groß. Interessanterweise findet man auf Google unter dem Begriff „Wahrsagen Salzburg“ kaum Ergebnisse. Sucht man jedoch nach „Astrologie Salzburg“, erscheinen zahlreiche Anzeigen. Astrologen wollen den Begriff „Wahrsagerei“ scheinbar nicht im Zusammenhang mit ihrer Arbeit verwenden.

Meist bieten Salzburgs Astrologen Beratungen zu Themen wie Partnerschaft, Gesundheit oder anderen Entscheidungsfragen an. Die Preise variieren von 40 bis 120 Euro für eine 1,5-stündige Horoskoperstellung und bis zu 200 Euro für eine 2-stündige Partnerschaftsanalyse. Liebe, Job, Geld: Es kristallisiert sich schon bei der Recherche heraus, welche Themen den Salzburgern am meisten Zukunftsängste bereiten.

Von fehlenden Glaskugeln und mysteriösen alten Damen

Nach einer ausgiebigen Recherche entschied ich mich ganz klassisch fürs Kartenlegen. Ich vereinbarte kurzerhand einen Termin bei einer Salzburger Kartenlegerin – und zwar nicht per Sternenfunk, sondern ganz klassisch per Telefon. Am Hörer fragte die Dame nach keinerlei Informationen, aus denen sie vorab eventuelle Rückschlüsse ziehen könnte. Ganz unkompliziert wurden Tag und Uhrzeit des Termins vereinbart.

Gelegt wurde zu meiner Überraschung mit  „doppeldeutschen Spielkarten“

Die Sitzung fand in der Wohnung meiner Kartenlegerin statt. Das Ambiente war einladend und an den Wänden hingen selbst gemalte Kunstwerke. Voodoopuppen, Glaskugeln und verdunkelte Räume? Fehlanzeige! Die Dame wirkte eher unauffällig, jedoch sehr interessiert und humorvoll. Schließlich nahmen wir an ihrem Wohnzimmertisch Platz.

Zu Beginn erzählte mir meine Kartenlegerin, dass sie psychologische Astrologie studiert hätte … ja, das kann man offenbar auch studieren. Das Kartenlegen erlernte sie etwas später von einer „sehr alten Dame“, deren Name nicht genannt wurde. Das klang schon mal ziemlich mysteriös.

Ich sehe was, was du nicht siehst …

Und dann ging’s auch schon los. Ich sollte die Karten zu Beginn solange mischen, bis mir mein Gefühl sagte, aufzuhören. Im Anschluss teilte ich die Karten in drei Stapel und die Dame begann, sie nach und nach aufzudecken. Gelegt wurde zu meiner Überraschung mit herkömmlichen „doppeldeutschen Spielkarten“ und nicht etwa mit Tarotkarten.

„Es ist eine Sache, die Bedeutung jeder einzelnen Karte zu kennen und eine andere, die Kombinationen zu interpretieren“, wurde mir erklärt. Konkret bedeutete das, dass meine Zukunft gar nicht mal so schlecht aussah. Besonders im Bezug auf die berufliche Situation sagten mir die Karten Weiterbildungsmöglichkeiten und Förderer – verbunden mit Geldvermehrung – voraus. Die Ironie: Da ich vor kurzem den Arbeitsplatz gewechselt habe, sind diese Möglichkeiten gar nicht so unwahrscheinlich. Andererseits wird eine Gehaltserhöhung oder Weiterbildung wohl bei den meisten Mitte-Zwanzigern früher oder später ins Haus stehen. Mal abwarten, was die Karten noch zu sagen haben.

Siehe da, mir wird in den nächsten Jahren außerdem ein Umzug bevorstehen – und zwar in eine große Wohnung oder gar ein Haus. Das könnte auch etwas mit der Geldvermehrung von vorhin zu tun haben. Kritische Geister werden an dieser Stelle anmerken, dass auch die Wahrscheinlichkeit eines Wohnungswechsels in den 20ern grundsätzlich ziemlich hoch ist.

Außerdem riet mir die Kartenlegerin, Verträge genau zu begutachten und nicht alles zu glauben, was einem Leute erzählen, die man kennenlernt. Eine gewagte Aussage von jemandem, der mir gerade aus einem Packerl Schnapskarten zukünftige Ereignisse voraussagt.

Und wie sieht’s in der Liebe aus? „Sehr interessant“, ergänzte mein Medium mit einem verschmitzten Lächeln. Venus steht gut, besonders ab Mitte 2016. Ich sollte jedoch meine Partner-Vorstellungen hinterfragen. Klingt auch ein bisschen nach mir.

Der zweite Teil unserer Sitzung beinhaltete das Erstellen eines sogenannten Transithoroskopes. Hier wurden vor allem meine Charaktereigenschaften aufgezeigt. Dabei traf meine Kartenlegerin ein paar Mal genau ins Schwarze und ich muss zugeben, dass ich doch ziemlich verblüfft war. Egal ob Zauber oder Hokuspokus: Die gute Frau hatte Ahnung von ihrem Handwerk, zumal sie auch keine einzigen Informationen von mir im Vorhinein bekommen hatte.

Und jetzt?

Am Ende wurde nochmals betont, dass man nicht zu viel darüber nachdenken sollte, was in der Sitzung prophezeit wurde. Am besten sei es, einen gewissen Abstand zum Gesagten zu gewinnen, den Hausverstand einzusetzen und das Leben weiterzuleben. „Einfach nach Hause zu gehen, sich zurückzulehnen und darauf zu warten, dass die positiven Voraussagen eintreffen, ist definitiv der falsche Weg“, versicherte mir meine Kartenlegerin. Das wichtigste sei es, nach wie vor aktiv und realistisch zu bleiben. Na dann ans Werk!

Mein Fazit

Wer grundsätzlich dazu bereit ist, an höhere Kräfte zu glauben, wird beim Kartenlegen auf seine Kosten kommen. Meine Kartenlegerin war ein Profi und verschaffte mir so manchen Aha-Effekt samt einer Stunde Psychohygiene. Die 45 Euro, die mich ihre Prognosen gekostet haben, habe ich beim Fortgehen schon sinnloser hinausgeschmissen. Wer nicht bereit ist, sich auf Esoterik einzulassen, der wird allerdings genug Beweise dafür finden, warum das alles ausgemachter Blödsinn ist und eine Stunde lang mit der Kartenlegerin diskutieren. Dann wäre jeder Euro natürlich rausgeschmissen, außer man steht auf so was.

Ich für meinen Teil freu mich auf ein spannendes Jahr 2016. Esoterik hin oder her.

Miriam Kreiseder

Miriam hat ihre Zelte in Wien, Kufstein und Porto aufgeschlagen, bevor es sie wieder nach Salzburg gezogen hat. Am liebsten schreibt sie über Musik und Alltagsgeschichten.