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Erde brennt: Warum Salzburgs Klima-Aktivist*innen die Uni besetzen wollen

"Wir wollen endlich raus aus dem Krisenmodus."

Während in Ägypten die Weltklimakonferenz läuft, protestieren weltweit junge Menschen für den Ausstieg aus fossilen Energien. In Salzburg plant eine Gruppe junger Aktivist*innen, die Uni zu besetzen. Wir haben mit zwei von ihnen über ihre Ziele und Protestformen gesprochen.

Die einfachste Frage zuerst: Wer seid ihr?

Zora: Wir sind Zora und Max von Erde Brennt, einem Kollektiv, das sich für Umweltschutz einsetzt.

Max: Mit Erde Brennt Salzburg sind wir ein Teil der internationalen End Fossil-Bewegung. Im Zuge dieser Bewegung werden weltweit Hochschulen besetzt. Den Namen Erde Brennt haben wir in Anlehnung an die Bewegung Uni Brennt gewählt, die bereits 2009/10 Österreichische Unis besetzt hat.

Was ist das Ziel dieser geplanten Besetzung in Salzburg?

Max: Grundsätzlich geht es uns um den Ausstieg aus fossilen Energien. Wir sind der Meinung, dass die drei großen Krisen, die uns aktuell beschäftigen, ganz eng mit unserer fossilen Abhängigkeit zusammenhängen. Da ist als erstes natürlich die Klimakrise, die durch mehr CO2 Ausstoß immer weiter befeuert wird und die jetzt schon Menschenleben bedroht und Existenzen zerstört. Da ist zum zweiten der Krieg in der Ukraine. Mit unseren Öl- und Gasimporten finanzieren wir diesen grauenhaften russischen Angriffskrieg. Zum dritten geht es um die Teuerungen, die uns ganz aktuell treffen. Der Treiber dahinter ist ja der extrem hohe Gaspreis. Es zeigt sich also: Diese drei Krisen hängen unmittelbar mit unserer fossilen Abhängigkeit zusammen. Deswegen ist unsere grundlegende Forderung: Wir müssen raus aus Öl und Gas und rein in erneuerbare Energien.

Aber was haben diese Forderungen mit der Uni zu tun?

Zora: Die Uni sollte ein Ort sein, an dem wissenschaftlicher Fortschritt betrieben wird und an dem wir darauf vorbereitet werden, genau solche Krisen zu lösen und zu vermeiden. Wir sehen aber, dass das nur bedingt geschieht. Klar gibt es von Seiten der Uni Bemühungen, aber das geschieht nicht übergreifend für alle Studiengänge. Deshalb wollen wir uns den Raum an der Uni nehmen, um genau diese Themen in den Vordergrund zu rücken.

Max: Wir stolpern ständig nur von einer Krise in die nächste. Wir wollen aber raus aus diesem ständigen Krisenmodus, den wir jungen Menschen eigentlich gar nicht mehr anders kennen. Eigentlich sollte die Uni der Ort sein, der uns beibringt, was es braucht, um solche Krisen für die Zukunft zu verhindern. Daran scheitert sie aber. Deshalb wollen wir mit der Besetzung einen zukunftsgewandten Diskurs anstoßen.

„Wir sind nicht einfach nur da um zu sagen: ‚Dieses und jenes ist scheiße!‘, sondern wir haben den klaren Wunsch, etwas zu bewegen.“

Habt ihr auch konkrete Forderungen an die Uni und das Bildungsministerium?

Zora: Wir haben eine ganze Reihe konkreter Forderungen, um mit der Uni Salzburg in eine bessere Zukunft zu gehen. Darunter zum Beispiel die Forderung nach einer Ringvorlesung Klima- und Energiepolitik als fester Bestandteil des Lehrangebotes. Vom Bildungsministerium fordern wir unter anderem die Finanzierung von Stellen, die sich exklusiv um Nachhaltigkeit kümmern. Es gibt aber auch Forderungen, die den Studienalltag betreffen. Zum Beispiel fordern wir die Subventionierung von veganem Essen in der Mensa, damit dies zu einem vernünftigen Preis angeboten werden kann. Was klar sein sollte: Wir sind nicht einfach nur da um zu sagen: „Dieses und jenes ist scheiße!“, sondern wir haben den klaren Wunsch, etwas zu bewegen.

Max: Die Österreichischen Unis fordern aktuell unter dem Schlagwort #zukunftsichern 1,2 Milliarden Euro vom Bund. Dem schließen wir uns an. Es kann nicht sein, dass die Unis auf Grund der Teuerung Stellen abbauen müssen. Wir sind aber der Meinung, dass dieses Geld auch in Nachhaltigkeit investiert werden muss und es nicht so weitergehen kann wie bisher.

Dennoch stellt sich die Frage, ob die Uni der richtige Ansprechpartner ist, wenn es um den Ausstieg aus fossilen Energien geht? Müsste man dafür nicht eher die Salzburg AG oder die OMV-Zentrale besetzen?

Zora: Ja und nein. Wir haben natürlich auch Forderungen an die Politik in Bund und Land. Allerdings fokussieren sich die Unibesetzungen nun mal auf die Hochschulen. Es geht ja wie gesagt nicht nur um den Ausstieg aus Fossilen Energieträgern an sich, sondern auch um die Frage: Wie geht es weiter?

Max: Uns geht es auch darum, positive Zukunftsvisionen zu entwickeln und unsere Gesellschaft neu zu denken. Und eigentlich ist die Uni der beste Ort dafür, zukunftsgewandt zu denken und Neues auszuprobieren.

„Auf keinen fall wollen wir Studierende daran hindern, ihr Studium zu verfolgen.“

Wie soll die Besetzung konkret ablaufen?

Zora: Auf keinen fall wollen wir Studierende daran hindern, ihr Studium zu verfolgen. Da braucht sich niemand Sorgen zu machen. Im Gegenteil: Wir wollen einen Raum schaffen, in dem es Diskussionen, Vorträge und Austausch gibt. Verschlossene Türen bringen nichts, weil dort keine Veränderung passiert. Es soll ein breiter Diskurs sein und wir laden alle herzlich dazu ein, vorbeizukommen, wenn es soweit ist.

Max: Uns geht es sicher nicht darum, Studierende zu nerven, weil nach zwei Jahren Corona alle froh sind, dass wir wieder in der Uni sein können. Aber wir wollen ein Angebot schaffen, sich mit diesem Thema auseinanderzusetzen.

Sind von eurer Seite auch Aktionen geplant, die außerhalb der Uni stattfinden?

Zora: Es ist zumindest nicht geplant, dass wir außerhalb der Uni etwas besetzen. Es werden auch keine Klebeaktionen stattfinden.

Wie kann man sich beteiligen?

Zora: Das Aktionstreffen findet am 13. November um 19 Uhr im ÖH:Freiraum in der Kaigasse 17 statt. Da wird alles besprochen und da können und sollen gerne alle Interessierten hinkommen – ganz egal ob sie dann bei der Aktion selbst mitmachen wollen oder nicht. Die Besetzung selbst soll nächste Woche stattfinden.

Max: Die Leute können uns auch einfach auf Instagram folgen oder den Chatgruppen auf Whatsapp oder Signal beitreten. Da findet man alle Infos und wir freuen uns über alle, die dabei sind und sich informieren!