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Der Fräulein Flora-Geschenk-Guide [TEIL 2: BÜCHER]

Am besten bei den lokalen Buchhändler*innen bestellen

A bissi Papier unterm Baum geht noch, oder? Mareike sagt, welche.

Mehr Bücher unter den Christbaum! Nur welche? Ich habe eine sehr subjektive Zusammenstellung für euch verfasst: Alle diese Titel – zum überwiegenden Großteil brandaktuell aus dem Jahr 2022 – habe ich selbst gelesen und für gut befunden. Eigentlich wollte ich euch pro zu beschenkendem Mensch eins oder zwei vorstellen. Das ist nicht ganz gelungen, es sind wesentlich mehr geworden. Aber umso besser: Da ist garantiert für jeden was dabei. Lasst euch inspirieren, und ihr wisst ja – support your local bookstore! Auch und vor allem an Weihnachten.

#1 Für Fans von Schmökern und guten Geschichten

Absolut safe seid ihr mit An den Ufern von Stellata von Daniela Raimondi, einer seitenstarken und schön erzählten Familiengeschichte aus Italien. Zuverlässig abgeliefert hat wieder Celeste Ng mit Unsere verschwundenen Herzen über einen Jungen, der seine Mutter sucht, historisch inspirierten, neu fokussierten Lesestoff über die Äbtissin Marie aus dem 12. Jahrhundert bietet Lauren Groff mit Matrix. Dörte Hansen zeigt sich in ihrem dritten Roman Auf See über eine Nordsee-Insel gewohnt poetisch, ruhig und kraftvoll, Giulia Caminito hat in Das Wasser des Sees ist niemals süß ein lebensnahes Buch über Klassenunterschiede und Erwachsenwerden geschrieben, das den renommierten Premio Campiello gewonnen hat.

#2 Für Fans von Kurzgeschichten und schmalen Büchern

Die vielleicht besten Short Storys des Jahres kommen von Dantiel W. Montiz, der Band nennt sich Milch Blut Hitze und ist beeindruckend. Mit 113 Seiten dünn und dennoch überragend ist das wütende Buch von Natasha Brown über eine Schwarze Frau in der Finanzbranche, es nennt sich Zusammenkunft. Ebenso schmal ist Nordstadt von Anna Büsing, eine toxische Liebesgeschichte, die einen nach nur 120 Seiten nicht loslässt. Neu aufgelegt wurden die sprachmächtigen Storys Ich stehe hier und bügle der Feministin und Marxistin Tillie Olsen, die zum Kanon gehören sollte. Ein ebenfalls mit nur 100 Seiten nicht zeitraubendes Buch stammt von Hanna Bervoets, die mit Dieser Beitrag wurde entfernt ein Psychogramm der Neuzeit und eine scharfe Gesellschaftskritik präsentiert.

#3 Für Menschen, die schon viel über unsere Gesellschaft wissen

Sibylle Berg, bekannt für ihre deprimierenden Romane, hat für Nerds retten die Welt. Gespräche mit denen, die es wissen Expert:innen aus zahlreichen Bereichen interviewt und sie gefragt, ob die Menschheit eine Zukunft hat. Topmodel Emily Ratajkowski gibt in My body zum Nachdenken anregende Einblicke in das Geschäft mit der Schönheit. In Unlearn Patriarchy sind Beiträge verschiedener Schreibender zu Bildung, Familie, Elternschaft, Ableismus versammelt, die neue Wege aus verkrusteten Strukturen aufzeigen. Rafia Zakaria beweist mit Against white feminism. Wie weißer Feminismus Gleichberechtigung verhindert, dass vieles, was wir europäische Feministinnen zu wissen glauben, falsch ist, und die kluge bell hooks schreibt in Männer, Männlichkeit und Liebe. Der Wille zur Veränderung von der zerstörerischen Spirale, in der sich Väter und Söhne befinden.

>>> Schon gelesen: Die gesammelten Leselisten von Mareike zum Nachschauen <<<

#4 Für Menschen, die mehr über unsere Gesellschaft wissen sollten

Eine der fundiertesten Essay-Sammlungen des Jahres 2022 ist 50 ways to leave your Ehemann von Jacinta Nandi, die nach jedem Kapitel über alleinerziehende Mütter einen Mic Drop verdient hat. Marlen Hobrack veranschaulicht in Klassenbeste. Wie Herkunft unsere Gesellschaft spaltet in einer Mischung aus persönlich und privat, wie wir die Arbeiterklasse vernachlässigen und warum das problematisch ist. Die Journalistin Mareice Kaiser hat für ihr neues Buch Wie viel. Was wir mit Geld machen und was Geld mit uns macht mit Menschen gesprochen, die kein Geld haben oder sehr viel. Franziska Schutzbach schreibt in Die Erschöpfung der Frauen. Wider die weibliche Verfügbarkeit über Elternschaft und Verausgabung, über Sorgearbeit und Ausbeutung, es ist mit Sicherheit eines der wichtigsten Sachbücher, die man lesen kann. Alexandra Zykunov gibt mit Wir sind doch alle längst gleichberechtigt. 25 Bullshitsätze und wie wir sie endlich zerlegen die ideale Anleitung für sämtliche Diskussionen am Familientisch.

#5 Für Englisch-Lesende

Wer gern auf Englisch liest, hat noch mehr die Qual der Wahl: Hervorragende Kurzgeschichten hat Roxane Gay mit Difficult Women veröffentlicht, Hilma Wolitzer hat in den 70ern großartige Short Storys geschrieben, die unter dem Titel Today a woman went mad in the supermarket erschienen sind. Ein sehr originelles und dezent gruseliges Buch ist Follow me to the ground von Sue Rainsford über ein Mädchen und seinen Vater, die Menschen in der Erde eingraben, wenn sie krank sind. Ebenfalls ungewöhnlich, aber aus ganz anderen Gründen ist A room called earth von Madeleine Ryan, die selbst Autistin ist und eine autistische Protagonistin erzählen lässt – sehr schön! Noch mehr eindrucksvolle Kurzgeschichten kommen von Saba Sams und ihrem Buch mit dem grandiosen Titel Send nudes.

#6 Für sportliche Leute

Wenn ihr Menschen kennt, die gern Skifahren, schenkt ihnen Hohe Berge von Silke Stamm, ein Büchlein, das sich einer Skitour widmet, und alle, die gern segeln, können Über die See von Mariette Navarro lesen. Beide Romane haben wenig Seiten und hallen trotzdem lange nach.

#7 Für Menschen, die vom Anderssein lesen möchten oder sollten

An Kim de l’Horizons Blutbuch führt 2022 kein Weg vorbei! Dey hat damit den Deutschen sowie den Schweizer Buchpreis gewonnen und zeigt, dass Literatur herausfordernd sein darf: um neu zu denken, sich weiterzuentwickeln, den Horizont zu erweitern. Ebenfalls gut und wichtig ist Detransition, Baby von Torrey Peters, es erzählt die Geschichte eines Mannes, der seine Ex-Freundin – mit der er zusammen war, als er eine Frau war – fragt, ob sie mit ihm und seiner neuen Partnerin ein Kind bekommen will. Yael Inokai hat mit Ein simpler Eingriff eine intensive Geschichte über ein lesbisches Liebespaar geschrieben, Celia Laskey widmet sich in Under the rainbow (nur auf Englisch erhältlich) dem homophobsten Ort Amerikas und schickt dort ein paar queere Leute hin. Großer Favorit ist und bleibt Im Park der prächtigen Schwestern von Camila Sosa Vilada, ein farbenfrohes, sprachgewaltiges Buch über trans Frauen.

#8 Für Leute, die angeblich schon alles gelesen haben

Es gibt Menschen, die sehr viel lesen und deshalb schwer mit Büchern zu beschenken sind. Aber es lohnt sich, denn sie freuen sich, wenn jemand es wagt. Und diese Titel könnten sie tatsächlich noch nicht kennen: Phon von Marente de Moor (ungewöhnliches Setting und krasse Sogwirkung), Der Fluss ist eine Wunde voller Fische von Lorena Salazar (ein sehr melodisches Buch aus Kolumbien), Die Gesetzlose von Anna North (ein cooler Western mit Frauen) oder Dieses makellose Blau von Sarah Raich (Kurzgeschichten aus einem kleinen Indie-Verlag).

#9 Für Menschen, die „was Nettes“ lesen wollen

Ein paar Titel, mit denen ihr nichts falsch machen könnt, weil sie alle rund sind, flüssig zu lesen, nicht anstrengend, anrührend und emotional: Die Diplomatin von Lucy Fricke (eines meiner Lieblingsbücher in diesem Jahr), Meter pro Sekunde von Stine Pilgaard (kauzig-liebenswerte Figuren aus dem Norden), Unser Glück von Natalie Buchholz (ironische Geschichte über die aktuelle Wohnungsnot), Nebenan von Kristine Bilkau (ein vielschichtiger Roman über Frauen, auch nominiert für den Deutschen Buchpreis), Schlangen im Garten von Stefanie vor Schulte (eine traurige und dabei doch so tröstliche Geschichte über einen großen Verlust).

#10 Für Menschen, die was Ungewöhnliches lesen wollen

Wenn ihr Leute beschenken möchtet, die originelle Bücher lieben, dann greift am besten zu Nachtbeeren von Elina Penner, da lernen sie auch etwas über Russlanddeutsche, oder zu Wir sind das Licht von Gerda Blees, das ich besonders geliebt habe, weil darin Gegenstände erzählen. Aus der Masse der Veröffentlichungen sticht Unsterblich sind nur die anderen von Simone Buchholz heraus, die zum ersten Mal keinen Krimi, sondern einen wilden, seltsamen Roman geschrieben hat über ein Geisterschiff, Frauenfreundschaft und Göttinnen. Vladimir von Julia May Jonas verblüfft mit der Story einer älteren, scharfzüngigen Frau, die sich in einen Jüngeren verknallt, und Marian Engel hat mit Bär bereits 1976 eines der überraschendsten und dabei versteckt feministischen Bücher geschrieben, die ihr – oder die Person, der ihr es schenkt – je lesen werdet (wenn ihr mir nicht glaubt, gebt auf Twitter den Hashtag #bärensexbuch ein).

Frohes Fest und frohes Lesen!

(c) Gyöngyi Tasi

Mareike liest und schreibt

Es ist so: Wir kennen keinen Menschen, der so viel liest wie Mareike. Wer uns nicht glaubt, kann auf Instagram nachschauen. Vielleicht ist das der Grund, warum sie so viel gelobt wird und so schöne Bücher schreibt. Hier steht alles zu ihrer Person oder halt zumindest ein Teil. Denn: Für uns bleibt die Mareike für immer ein bissi ein Wunder.

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