Mischmasch

[Kommentar] Schreibt mir keine Nachrichten!

Ruft mich lieber an.

Weil: Ich komm mit dem Antworten nicht mehr nach.

Ich lebe in ständigem schlechten Gewissen. Das Gewissen kreist um all die Nachrichten, die verwaist in meinem Handy darauf warten, beantwortet werden. Fragen wie: Hast du das? Oder kennst du wen? Oder wasweißich? Alles Fragen, die mit einem einfachen Ja oder Nein beantwortet werden könnten. KÖNNTEN. Denn: Ich komme einfach nicht dazu, diese Nachrichten zu beantworten. 

Gefühlt hänge ich stundenlang am Handy, jeden Tag. Das bestätigt auch die digitale Balance meines Devices. Immer blinkt alles und sagt: Das Tageslimit ist beinah erschöpft. Also schalte ich mir mehr Zeit frei. Und trotzdem liege ich jeden, also wirklich jeden Abend im Bett und denke an die  unbeantworteten Nachrichten, auf Facebook und Instagram und Whatsapp (beruflich und privat) und mir wird richtig schiach bei dem Gedanken.

Und trotzdem liege ich jeden, also wirklich jeden Abend im Bett und denke an die unglaublich vielen unbeantworteten Nachrichten, auf Facebook und Instagram und Whatsapp (beruflich und privat) und mir wird richtig schiach bei dem Gedanken.

Trotzdem denke ich weiter: Morgen mach ich das am Computer, am Handy ist es so mühsam, vor allem, weil ich nicht wie normale Menschen Nachrichten tippe, sondern wie ein Depp, mit einem Finger. Dann denke ich darüber nach, dass ich im Büro ALS ERSTES die ganzen Anfragen beantworte. Das beruhigt mich und ich schlummere entspannt ein. Am nächsten Morgen habe ich alles vergessen und der Teufelskreis beginnt von vorne. NAIN!

Telefon-Phobiker*innen, ich verstehe euch!

Ich kann mich noch gut an meinen ersten Job erinnern. Ich war 16, als freie Redakteurin für eine Lokalzeitung tätig und musste den Bürgermeister von Hallein anrufen. Beim Abheben des Hörers habe ich gezittert und es hat sicher zehn Jahre gebraucht, bis ich gelernt habe, ohne Schiss jemanden anzurufen oder ohne Herzinfarkt-Risiko abzuheben. Ihr seht, ich versteh schon auch, warum telefonieren scheiße sein kann.

ABER: Es hilft nix! Wenn ihr Antworten wollt (und die halbwegs schnell kommen soll), dann müsst ihr den Weg über Social Media schlichtweg vergessen. Ich frage mich an dieser Stelle, ob es auch anderen so geht? Oder ob ich die einzige bin (und faul), die ihr Sozialleben einfach nicht in den Griff bekommt? Vielleicht geht es aber auch anderen so, deswegen habe ich einige Kniffe rechechiert, die Telefonmuffeln helfen (können).

#1 Die Helge Schneider-Methode: üben, üben, pobüben

Lernen, lernen, popernen ist oft einfach als man denkt: Man muss es einfach tun. Dann haut’s einem zwar 40.000 Mal auf die Goschn, aber irgendwann weicht man diesen Hindernissen aus. Oder lernt, damit umzugehen. So war’s auch bei mir: Herzklopfen und totaler Stress, aber irgendwann ist alles abgefallen und jetzt finde ich Telefonieren manchmal sogar irgendwie angenehm.

#2 Auch den kleinsten Mini-Furz planen

Wenn man Telefonate führen muss, die ein bisschen mehr als “Hallo, wie geht’s?” erfordern, ist es gut, sich eine Agenda zu schreiben. Was sind die Punkte, die besprochen gehören, wer ist die Person, wie HEISST die Person mit Vor- und Nachnamen (nix peinlicher, als eine Email-Adresse, die sich aus Vor- und Nachnamen zusammensetzt und man kennt beides nicht) und was muss ich nach dem Telefonat wissen? Sind bloß ein paar Stichworte, aber die sind gold wert.

#3 Sich selbst vorstellen lernen

Voll komisch am Anfang: Man ruft als Unbekannte*r wo an. Das bedeutet: Man kommt nicht herum, sich kurz vorzustellen und sein Begehr zu beschreiben. Das sind die Momente, wo man schnell ins Stottern kommt oder ausschweift und den Gesprächspartner/die Gesprächspartnerin fadisiert. Sollte man sich also zurechtlegen: Wie hebe ich ab (Vorname, Nachname, Funktion) und wie beschreibe ich mein Projekt, meine Anfrage kurz und knackig? Das hilft vor allem dann, wenn man im Telefon-Niemandsland landet und hundertmal weiterverbunden wird.

#4 Telefonzeiten festlegen

Ein Tipp, der mir in puncto Telefonmuffelei als auch in puncto Produktivität hilft: Ich bin nicht durchgehend erreichbar. In Konzentrationsblöcken (die dauern bei mir ca. 2 Stunden) hebe ich einfach nicht ab, außer es wurde vorab vereinbart. Und dann gehe ich die Rückruf-Sache so an, wie Pflasterrunterreißen: schnell einen nach dem anderen anrufen. Gar nicht nachdenken dazwischen. Es einfach machen. Hilft in 9 von 10 Fällen.

#5 Anrufe, die gemacht werden müssen, auf mehrere Tage aufteilen

Ich weiß nicht, ob das ein Profi auch so empfehlen würde. Aber: Ganz schlecht bin ich darin, Arzttermine für mich zu vereinbaren. Um meinen Widerwillen in den Griff zu kriegen, plane ich Termin-Anrufe. Das klingt jetzt komisch, hilft aber ungemein. Praktisch sieht das so aus: Im Kalender steht am Donnerstag-Morgen eine Notiz, die mich daran erinnert, einen Zahnarzt-Termin zu vereinbaren. Die Woche drauf ist der Hautarzt dran und die Woche drauf der Frauenarzt. Take this, Telefon!

Eva Krallinger-Gruber

Eva ist eine richtige Ex-Exil-Salzburgerin. Frankreich, USA, Schweiz - aber nirgends ist es wie zuhause. Journalismus, Marketing (Kosmetik und dann Bier) und eigentlich redet sie auch ganz gern.