Shoppen

Die soziale Haarwerkstatt im MARK

Haarschnitt für alle, die sich den Friseurbesuch nicht leisten können oder wollen

Trixi schneidet Haare und färbt sie auch – zahlen tut ihr nur das Material

Trixi kommt eigentlich aus Kärnten, hört man sofort am Dialekt. Wir treffen sie im MARK, draußen scheint die Sonne, drinnen ist es angenehm dunkel. Die Soundkulisse kommt von einigen Musiker*innen, die sich vielleicht auf ein Konzert vorbereiten. Sonst ist es recht ruhig. Trixi erscheint in Begleitung ihrer beiden Hunde und mit einer Art Frischhaltefolie am Kopf: „Ich habe noch kurz Naturfarbe reingegeben, die spül ich dann raus“, sagt sie. Gestern hatte sie noch lange Haare, aber gemeinsam mit einer Freundin wurden sie über Nacht abgeschnitten.

Ihr wollt euch über Trixi und die soziale Haarwerkstatt informieren? Tut das direkt auf Instagram oder auf der Webseite vom MARK. Da kann man sich melden.

„Ich muss noch praktischer werden“, erklärt Trixi. Seit sie in einem Tiny House auf sieben Quadratmetern wohnt, heißt es: maximaler Minimalismus. Für ihre Arbeit als Friseurin ist das nicht der Fall. Am liebsten, sagt sie, färbt sie Haare. Je ausgefallener und bunter, umso besser. Aber sie schneidet auch gern Haare, Männer, Frauen, Kinder, wuascht. Warum sie jetzt im MARK ist und nicht in einem Friseursalon? Weil die konventionelle Salonarbeit nichts für sie war.

Die soziale Haarwerkstatt im MARK

Die Idee zur sozialen Haarwerkstatt im MARK gibt es schon länger und ist einfach erklärt: Trixi schneidet Menschen die Haare, die sich einen Friseur-Besuch nicht leisten können oder wollen. Sich die Haare schneiden zu lassen, das kann ganz schön ins Geld gehen. Und dann gibt es viele Personen, die bei konventionellen Friseur*innen einfach nicht bedient werden. Trixi zeigt uns ein Bild auf ihrem Handy. Darauf zu sehen sind Haare, die gleich mit mehreren Farben gefärbt wurden. „Die Person wurde von einigen Friseur*innen weggeschickt, die wollten das einfach nicht färben. So etwas würde ich nie tun. Ich sage immer: Ja klar, wir machen was. Schauen wir mal, was rauskommt“, sagt Trixi.

Ein Ort, den man nicht automatisch mit ovalem Gesicht verlässt

Trixi hat viel Erfahrung als Friseurin. In jedem Job ging es immer nur darum, dem einen, gängigen Schönheitsideal zu entsprechen und Kund*innen auf dieses hin zu formen. Schönsein, das heißt, ein ovales Gesicht, große Augen und einen vollen Mund zu haben. Als Friseurin war sie z. B. dazu angehalten, Kundinnen mit runden Gesichtern zu einem Haarschnitt zu raten, der das Gesicht ovaler wirken ließ. Zudem war der Druck groß, Produkte zu verkaufen – auch, wenn man selbst gar nicht daran glaubte.

Ende mit dem Schönheitswahn

Im MARK hat sich Trixi ihr ganz Eigenes eingerichtet. Wer mag, kann sich bei ihr melden und einen Termin ausmachen. Ablaufen tut das Ganze dann so: Ihr bringt eure eigenen Produkte (Shampoo, Wachs, Farbe was auch immer) mit, Trixi bespricht das auch gerne mit euch im Vorfeld. Die Haare wascht ihr zuhause oder vor Ort. Wenn ihr fertig seid, könnt ihr eine Spende da lassen oder auch eure Produkte. Die werden dann so lange für die nächsten Kund*innen verwendet, bis sie aus sind.

Was die soziale Haarwerkstatt ist – und was nicht

Wir finden Trixi und ihre Arbeit aus zwei Gründen absolut unterstützenswert. Zum einen vertritt Trixi noble Ziele. Ein langes Gespräch mit ihr gibt Hoffnung: Die Schönheitsbranche muss nicht standardisieren, ein Haarschnitt muss nicht 100 Euro kosten. Es braucht so wenig, um sich in der eigenen Haut wohl zu fühlen. Auf der anderen Seite redet Trixi nicht nur, sie macht auch. Das gehört belohnt. Die soziale Haarwerkstatt ist kein Luxus-Spa-Day, das nicht. Es ist eine großzügige Sozialleistung von einer Person, die Lust hat, mit ihren Möglichkeiten die Welt zu verbessern. Und solche Geschichten lieben wir!

Ihr wollt auch etwas beitragen?

Könnt ihr natürlich. Was Trixi immer gut brauchen kann: Produkte. Wenn ihr zuviel von etwas habt oder auch gern mal für den guten Zweck einkaufen geht, freuen sich Trixi und ihre Kund*innen. Ihr habt Geräte, die man in einem Friseurstudio brauchen kann – wir haben irgendwas von einem Durchlauferhitzer aufgeschnappt – bitte meldet euch. Und letztlich: Irgendwann wird Trixi Hilfe brauchen. Ihr seid Friseur*in und wollt sie in ihrer Mission unterstützen? Bitte tut das.

Eva ist eine richtige Ex-Exil-Salzburgerin. Frankreich, USA, Schweiz - aber nirgends ist es wie zuhause. Journalismus, Marketing (Kosmetik und dann Bier) und eigentlich redet sie auch ganz gern.