Mischmasch

Coronavirus: 10 Ideen, wie ihr euch zuhause beschäftigen könnt

Besondere Umstände erfordern besondere Tätigkeiten.

Die Ausgangsbeschränkungen in Österreich haben uns irgendwie alle aus der Bahn geworfen: Die einen, weil sie zwischen Home-Office, Systemerhaltung, Kinderbetreuung und Einkaufs- und Botengängen für ältere Verwandte und Bekannte kaum zum Durchschnaufen kommen. Die anderen schauen verblüfft auf zu viel Zeit, auf einen ausgedünnten Terminkalender und versuchen verzweifelt, aus dem Frühstücksei-Kochen und dem Augenbrauenzupfen ein kunstvolles Unternehmen zu machen.

Damit im digitalen Zeitalter niemand den lokalen Sportteil (der derzeit ohnehin sehr schmal sein dürfte) in der Zeitung lesen und den Zimmerpflanzen beim Wachsen zuschauen muss, haben wir Ideen gesammelt, wie man sich in der Isolation gut beschäftigen kann.

#1 Für die Nostalgie: Ins Archiv des Bravo-Magazins schnuppern

Als wir noch jünger waren, war die BRAVO für uns der Inbegriff von Rebellion gegen provinzielle Enge und Spießertum und überhaupt Sinnbild des Dagegen-Seins. Mittlerweile sind wir der Zeitschrift entwachsen, und die Welt ist es, dem Internet sei es geschuldet, leider auch. Ganz vergessen haben wir das Knistern der Seiten und unserer Aufregung beim Umblättern aber nicht. Um die wirren Zeiten der Corona-Krise gut zu überstehen, hat sich das BRAVO-Team dazu entschlossen, sein Archiv zu öffnen und uns Einblicke in alle Ausgaben zwischen 1956 und 1994 zu gewähren. Die erste Ausgabe des Jahres steht frei zum Download zur Verfügung. Ihr könnt euch also in Erinnerungen an jugendliche Hormon-Dysbalancen wälzen, über kuriose Sextipps rätseln und in zugegeben verstörenden Comicstrips schmökern. Das Archiv ist nach Rubrik und Jahrgang sortiert. Am allerbesten finden wir leider nach wie vor die Bravo-Poster-Rubrik: Mit Pierre Brice und ABBA an der Wand fühlt sich Quarantäne nur halb so schlimm an.

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Liebe BRAVO-Fans, zur Zeit ist das große Thema die Corona-Krise. Soziale Kontakte sollte man so gut es geht meiden, Veranstaltungen finden nicht statt und geplante Urlaube müssen auch ausfallen. Wir haben uns gefragt, wie wir vom bravo-archiv einen kleinen Beitrag dazu leisten können, diese schweren Zeiten ein wenig schöner zu gestalten. Deswegen stellen wir euch kostenlos unsere BRAVO Ausgaben zur Verfügung. Und damit auch jede Generation etwas davon hat, gibt’s aus jedem Jahr jeweils eine Ausgabe. Ihr findet hier von 1956 bis zum Jahr 1994 (weil wir erst bis zu diesem Jahr digitalisert haben) jeweils die erste Augabe vollständig und komplett kostenfrei als Download vor. Außerdem gibt’s noch einen BRAVO Starschnitt. Also kramt mal wieder die Scheren und Klebstifte hervor und fangt an zu basteln! 💜 (Dazu muss man auch nicht rausgehen 😉) ⭐️ Hier geht's lang: 👉🏻 https://bravo-archiv-shop.com/ein-wenig-licht-in-dunklen-zeiten Wir möchten ein Zeichen setzen und sind der festen Überzeugung, dass man mit schönen Erinnerungen und Nostalgie jede Zeit ein bisschen erträglicher machen kann. Auf das auch diese Krise so schnell wie möglich vorrüber geht. Liebe Grüße Euer Team vom bravo-archiv! #NOrona #bravoarchiv #bravoarchive #free #corona #memories #nostalgie #50er #60er #70er #80er #90er #download #ausgaben #füralle #kostenlos #thesweet #sweet

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#2 Fürs Gewissen: Online-Shoppen, aber lokal

„Stell Dir vor, es ist Krise, und keiner bestellt bei Amazon oder einem der anderen großen internationalen Konzerne. Stattdessen besinnen wir uns darauf, dass wir kleine UnternehmerInnen vor Ort unterstützen könnten.“ Das hat Nunu Kaller, Wiener Autorin und Aktivistin gesagt. Denn besonders die kleinen Läden und Anbieter*innen treffen die Corona-Maßnahmen der Regierung hart. Um existentiellen Schwierigkeiten von hiesigen Unternehmen gegenzusteuern, hat Kaller deshalb auf ihrer Homepage eine Auflistung österreichischer Online-Shopping-Seiten vorgenommen. Unternehmen können ihren Online-Shop eintragen und Interessierte erhalten eine immense Auswahl an lokalen Angeboten: von CBD über Monatshygiene, zu Kunst und Tierbedarf- das Angebot wird laufend aktualisiert. Denn wenn wir unsere Einkäufe schon zur Gänze ins Internet verlegen müssen, können wir auf diese Weise als Konsument*innen wenigstens heimische Unternehmer*innen unterstützen.

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Vor vier Tagen lag ich heulend zuhause, dachte an meine FreundInnen mit eigenen Geschäften, die ich immer schon so sehr für ihren Mut, selbstständig zu werden bewundert hatte. Dann wars ein kurzer Gedanke: Moment mal, ich kann ja alle, die noch verkaufen können, auf meine Website www.nunukaller.com stellen. Vier Tage und sehr wenig Schlaf später sind wir ein Team, haben wir ein professionelles CMS, eine Datenbank und fast 1000 Einträge. Das mit der Entschleunigung, von der der Bundeskanzler gesprochen hat, krieg ich bisher nicht so wirklich mit – aber es freut mich sooooo sehr, dass hier gerade etwas entsteht, dass über die Krisenzeit hinaus halten kann: Wer hier im Land kauft, hilft den hiesigen Unternehmen UND der Gesundheitsversorgung. Große Konzerne finden immer Steuerschlupflöcher, Starbucks hat letztes Jahr weniger bezahlt als einige Freunde von mir. Aber mit jedem Cent, der da ins Ausland verloren geht, verlieren wir die Möglichkeit auf mehr Spitalsbetten und Beatmungsgeräte. Also: WENN ihr schon derzeit etwas kaufen wollt, dann bitte bei einem der angegebenen Händler! Danke!!!! Und: Meine größte Liebe geht gerade an das sich superspontan gefundene Team raus. Unglaublich, diese #solidarität #danke !!!

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#3 Für den Gaumen: Einen Quarantini mixen

Etwa drei Tage hat es gedauert, bis jemand auf die Idee gekommen ist, sich die eintönige Isolation in den eigenen vier Wänden mit eigens dafür geschaffenen Cocktails zu versüßen. Weil wir nämlich nur noch daheim rumsitzen und uns nicht mehr kollektiv betrinken können, musste aus dem einsamen Trinken früher oder später ein würdiges Highlight fürs Quarantäne-Wochenende geschaffen werden. Das Getränk der Stunde heißt „Quarantini“, rettet über trübe Momente hinweg und auch unser Idol Michi Buchinger schwört darauf. Das Rezept dürfte auch Anfänger im Cocktail-Business nicht überfordern: „The quarantini is just a regular martini, but you drink it alone in your house“ haben wir uns sagen lassen. Na dann, Stößchen.

#4 Für die Vorratshaltung: Basteln mit Klopapierrollen

Ihr vermisst den kreativen Input in unserer Liste, etwas, wo man bastlerisch aktiv werden kann? Weil gut sortierte Bastelläden derzeit leider geschlossen haben, müssen wir auf Material zurückgreifen, das sich unseres Wissens derzeit in großen Mengen in Reichweite befinden dürfte: Klopapierrollen. Übrigens bedeutet das nicht, dass ihr eure Fenster mit Fischen oder euren Couchtisch mit Hasen schmücken müsst, die man für Geschenke der kleinen Neffen und Nichten hält. Ihr könnt nämlich auch einen Handyhalter basteln, frühlingshafte Wanddeko oder stilvolle Serviettenringe. Und bitte vergesst nicht, uns Fotos von euren Kunstwerken zukommen zu lassen.

#5 Für humanere EU-Migrationspolitik: Online-Demonstrieren

Europe Must Act begann als Zusammenschluss von NGO’s und Freiwilligen, die sich in Griechenland aktiv für Flüchtlinge engagiert. Unter anderem fordert Europe Must Act eine Verteilung der Flüchtlinge von den ägäischen Inseln über die EU-Mitgliedsstaaten, einen friedlichen Umgang an der griechisch-türkischen Grenze, das Recht auf Asyl in Griechenland und eine Erneuerung des EU-Türkei- Abkommens zugunsten einer humanen EU-Politik. Mittlerweile kann man sich auch als Einzelner den Forderungen anschließen: Seit dem 18. März, dem Tag des nun schon vier Jahre andauernden EU-Türkei Abkommens, läuft das Projekt #10DaysofActivism. Jeder Tag steht unter einem anderen Motto, welches hier bekanntgegeben wird. Zu diesem Motto kann jede*r ein Foto im Social Media hochladen und darin @EuropeMustAct taggen.

#6 Für die Muse: Digitale Rundgänge im Belvedere und im Louvre machen

Durch Museen und Ausstellungen zu schlendern wird’s in den nächsten Wochen nicht spielen. Zum Glück haben viele Museen weltweit auf digitale Dienste umgeschaltet, um Interessierten Kunst und Kultur direkt nach Hause in die Isolation zu bringen- und sich dabei an Einfallsreichtum gegenseitig übertroffen. Online Führungen im Oberen Belvedere kann man etwa hier täglich um 15 Uhr streamen.  Dauerhafte digitale Ausstellungen gibt es für drei Sammlungen im Pariser Louvre. Wer’s heimischer mag und wieder mal beim Salzburg Museum reinschnuppern will, für den gibt es  hier eine kleine Auswahl an Museumsobjekten. Weitere Angebote findet man auf der Web- und Smartphone-Anwendung „Google Arts & Culture“.

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Kennt ihr diesen Starkoch schon? In unseren heutigen Führung geht es um Claude Monets Gemälde "Der Koch (Le Père Paul)". Wir starten um 15. 00 Uhr! Habt ihr einen Stream verpasst? 📽 Alle bisherigen Video-Einblicke in die Werke unserer Sammlung findet ihr auf unserer Website. 👉Link in Bio. . . Have you heard about this top chef yet? Today's tour will feature Claude Monets's painting "The Chef (Père Paul)". We start at 3 pm! The tour will be held in German. Have you missed out on a webcast? 📽 You can find all our videos featuring works of art from our collection on our website. 👉Link in bio. . . Claude Monets, Der Koch (Le Père Paul), (The Chef, Père Paul), 1882, Belvedere, Wien . . #belvederemuseum #belvederecollection #museum #vienna #wien #exhibition #artlovers #arthistory #wienliebe #DigAMus #DigKult #museumfromhome #closedbutopen #kulturtrotzcorona #coronavirus #flattenthecurve

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#7 Fürs Ohr: Den FM4 Stay at Home Sessions lauschen

Corona-Parties haben wir schon abgeschworen, bevor der Begriff überhaupt die Runde gemacht hat. Als verantwortungsvolle Bürgerinnen und Bürger bleiben wir zuhause und singen maximal unsere schiefen Töne von Balkon und Fenster in die Nacht hinaus. Damit unser musikalisches Gehör nicht vollkommen verkümmert, hat sich unser Lieblingssender FM4 was besonderes für die Zeit daheim überlegt: Im Format FM4 Stay at Home Sessions kann man täglich um 19 Uhr bzw 20 Uhr Konzerte von zuhause aus streamen. Und falls ihr eine Episode verpasst habt- warum auch immer- gibt’s alle Konzerte hier zum Nachhören.

#8 Für die Couch: Mit Freund*innen Netflixen

Wir müssen nicht alle alten und geliebten Gewohnheiten durch die soziale Isolation über Bord schmeißen: Wer mit Freund*innen Netflix Bingewatchen will, dem sei die kostenlose Chrome-Erweiterung Netflix Party nahegelegt- dank gedrosselter Bildqualität auch in Corona-Zeiten gewährleistet. Das Abspielen von Filmen und Serien wird auf mehreren Geräten synchronisiert, über ein Gruppenchat-Fenster sind auch die Nebenbei-Plaudereien gesichert. Und das Gute daran ist, dass wir diesmal nicht mal gezwungen sind, eine Hose anzuziehen.

#9 Für den Spieltrieb: Online Schnapsen

Kartenspiele sind in den Alpen seit Jahrhunderten bekannterweise sowas wie das verbindende soziale Event der Woche. Dass es natürlich auch für die Pflege dieser Tradition mittlerweile einen kostenlosen Anbieter im Internet gibt, wundert uns jetzt nicht. Spieler*innen entweder nach Zufallsprinzip auswählen oder sein Freund*innen einladen- vom Prinzip läuft das ab wie bei Quizduell. Je nach regionalen Wurzeln kann man sich hier für Schnapsen und Sechsundsechzig registrieren, hier fürs Schafkopfen und zum Watten geht’s hier lang.

#10 Für den Filmgenuss: Die Beiträge des LGBTIQ+ Short Film Festivals anschauen

Five Films For Freedom ist ein globales, online Kurzfilm-Programm und seit 2015 weltweit das einzige seiner Art. Teilnehmende Beiträge sind Kurzfilme, die sich mit der Situationen von LGBTIQ+ Personen auseinandersetzen, wie der Homepage des British Council zu entnehmen ist. Das diesjährige Kurzfilm-Programm beleuchtet verschiedene Perspektiven und Erfahrungen von LGBTIQ+ Personen, etwa Homophobie in ländlichen Gegenden, jugendliche Coming-Outs und spätes Liebesglück. Wir finden, dass die Isolation ein guter Zeitpunkt wäre, über den gewohnten Netflix-Horizont hinauszuschauen und sich die diesjährigen Beiträge anzuschauen.

Veronika Ellecosta

Veronika Ellecosta wohnt, studiert und arbeitet mittlerweile in München, ist aber nach wie vor in Salzburg und einen Salzburger verliebt. Gerne ist sie auch zuhause jenseits des Brenners. So fährt sie halt viel Zug und hat bemerkt, dass man dabei eigentlich auch ganz gut schreiben kann.