salzburg
Aus dem Magazin

Was junge Salzburger an Salzburg hassen

Haters gonna hate.

Die Geschichte: Vor Kurzem wurden wir zu einer Gesprächsrunde eingeladen, in der es um das Thema „Soziales Salzburg“ ging. Das Ziel sollte eine konstruktive Diskussion werden, unter anderem durch die Inputs der Teilnehmer*innen sollte der Grundstein zu einem lebenswerterem Salzburg gelegt werden. Wir wollten wissen, was ihr davon haltet und haben deswegen die Frage gestellt: Was feit junge Salzburger*innen am meisten an ihrer Stadt an? Weil so viele Personen kommentiert haben, bietet sich ein Best of an. Deswegen: Das feit euch an Salzburg an:

Nummer 1: Wohnen ist zu teuer

Ein riesen Problem für junge Menschen/junge Familien in Salzburg stellt das Wohnen dar. Alles ist zu teuer – unleistbar, um sich ein Leben in der Stadt aufzubauen. Auch WGs sind trotz Kostenaufteilung zu teuer, so seien in 4er-Wohngemeinschaften immer noch 400-500 Euro monatliche Miete Standard. Als Konsequenz, meinen viele, muss man aus der Stadt rausziehen. Das mindert zwar die Mietpreisschmerzen leicht, reißt aber die Büchse der Pandora eines ganz anderen Salzburger Problem auf: Transport via öffentlichen Verkehrsmittel.

Nummer 2: Die Öffis und der Verkehr

„Der Straßenverkehrs feit mich insofern an, als in den letzten 20 Jahren alles getan wurde, um Stau zu produzieren, in der Hoffnung dadurch allen das Autofahren zu vermiesen – in der Realität fahren die Leute trotzdem mit’m Auto und produzieren Abgase, Frust und Aggressionen.“

Der öffentliche Verkehr wurde von euch ganz arg kritisiert: Die Busse kommen unpünktlich, kosten zu viel und fahren zu unregelmäßig. Auf die Öffis zu verzichten, sei aber auch keine Option, denn: Mit dem Auto staut man sich durch die Stadt. Ihr glaubt nicht an mehrgelenkige Busse, sondern eher an P&R-Lösungen, die ausgebaut gehören. Vor allem in der Nacht und am Wochenende empfindet ihr das Öffi-Angebot als ausbaubar. Warum? Weil da wollt ihr euch (und wir uns) die Nacht um die Ohren schlagen, aber bitte ohne selbst mit dem Auto nach Hause zu fahren. Was beim Fortgehen ein Problem ist?

Nummer 3: fehlende Clubs, wenig Kultur abseits des Mainstreams

Viele von euch bedauern, dass die Nischen in Salzburg selten sind. Die Festspiele stehen im Mittelpunkt des Interesses, alles andere hat keinen Platz. Auch Lokale werden vermisst, die nicht die Ö3-Charts auf und ab spielen. Es gibt wenig bis keine Outdoor-Konzerte und die Lokale, die es gibt, machen zum Teil zu früh Sperrstunden.

„Salzburg ist eine Tourismus und Hochkulturstadt. Dem angepasst sind Auflagen, Freiräume, Perspektiven, Mieten und das allgemeine Angebot für junge Menschen.“

Speziell nachgetrauert wird dem Felsenkeller, der für viele ein großes Loch zurücklässt. Aber es geht nicht nur um Musik, obwohl diese ein Hauptthema ist. Auch andere Kulturformen und deren fehlende Entwicklung in der Stadt werden vermisst. Für Jungfamilien sind es übrigens nicht die Clubs, denen sie nachtrauen, ihnen macht der nächste Punkt zu schaffen.

Nummer 4: Kinderbetreuung ist Mangelware

Hier kommt es zur Problemkombi: Hohe Wohnungspreise bedeuten für viele, dass beide Elternteile recht schnell nach der Geburt wieder arbeiten müssen. Von wem aber sollen die Kleinen betreut werden? Vor allem im Alter bis zu drei Jahren werden Betreuungsmöglichkeiten brutal vermisst.

„Dass es keine öffentliche Kinderbetreuung vor dem dritten Lebensjahr gibt (Sorry – es ist 2017 und wir befinden uns was Kinderbetreuung angeht in der STEINZEIT!!!)“

Nummer 5: Tourist*innenmassen machen Salzburg zu einem lebendigen Museum und verstopfen die Gassen

Vielen von euch ist der Massentourismus ein Dorn im Auge: Viele Touri-Gruppen kommen als Tagesgäste, verstopfen die Gassen und helfen gleichzeitig der Salzburger Wirtschaft nicht, weil keine Zeit zur Konsumation bleibt.

Nummer 6: Die Innenstadt stirbt aus/verglobalisiert sich

Kleine Geschäftstreibende können sich die Stadtmieten nicht leisten, schon gar nicht in der Innenstadt. Deswegen wird der kostbare Raum an internationale Ketten vermietet, die Stadt wird zum Einheitsbrei, die Straßen verkommen zu kitschen Souvenirmeilen.

Eva Krallinger-Gruber

Eva ist eine richtige Ex-Exil-Salzburgerin. Frankreich, USA, Schweiz - aber nirgends ist es wie zuhause. Journalismus, Marketing (Kosmetik und dann Bier) und eigentlich redet sie auch ganz gern.