Foto c Gymbunny
Mischmasch

Corona-Krise & Jobwechsel: Wieso jetzt viele Frauen dem Amateur-Porno eine Chance geben wollen

Jasmin arbeitet unter dem Pseudonym Gymbunny im Amateurporno-Bereich

Schaut man sich die offiziellen Zahlen an, so erkennt man keinen Trend, sondern eine Tragödie. Knapp ein Drittel der Erwerbstätigen sind in Österreich von Kurzarbeit oder Arbeitslosigkeit betroffen. Naheliegend, dass man sich einen neuen Job sucht oder sich umorientiert. Jasmin, die als Gymbunny Amateurpornos dreht, beobachtet auch in ihrer Branche gerade einen Trend. 

Jasmin, du merkst in letzter Zeit, dass mehr Interesse für deinen Beruf besteht. Kannst du uns das ein bisschen schildern?

Direkt nach meinem Beruf wird nicht gefragt, sondern hauptsächlich nach der Möglichkeit, mit der Webcam möglichst anonym Geld zu verdienen – ohne Pornos. Zuerst haben mich vermehrt Frauen aus meinem Bekanntenkreis gefragt, danach kamen immer mehr Nachrichten zu diesem Thema über Instagram. Mittlerweile hab ich täglich Anfrage von Frauen für Coachings.

Warum glaubst du, dass sich Frauen gerade jetzt für Coachings bei dir interessieren?

Viele interessieren sich für das Geld. Sehr viele sind am Telefon sehr verzweifelt, von der Friseurin bis zur Maklerin ist da alles vertreten. Für die meisten kam die Krise zu plötzlich und sie hatten keinen finanziellen Polster. Andere wiederum sind in Kurzarbeit und das Geld reicht nicht aus. Überwiegend melden sich Frauen, die bereits selbstständig sind und mit ihrem  Gewerbe kein Geld mehr verdienen können.

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Was rätst du Interessentinnen? (Oder sind auch Männer dabei?)

Ich selbst betreue nur Frauen, da der Einstieg für Männer in die Branche sehr schwierig ist. Mein Ratschlag ist immer: Einfach testen! Man kann nichts verlieren und nur bei der Arbeit sieht man, ob es etwas für einen ist. Wichtig ist auch, dass man kein Startkapital braucht und sofort Geld verdienen kann. Das wichtigste dabei ist ein guter Coach, dem man vertraut und der einen an die Hand nimmt.

Gibst du Coachings? Und wenn ja, wie kann man sich diese vorstellen?

Ja, ich gebe seit ca. einem Jahr Coachings. Mittlerweile betreue ich über 50 Frauen verschiedener Altersklassen. Die Frauen melden sich bei mir über Instagram, danach folgt ein Telefonat. Die Anmeldung auf den Portalen läuft über einen Affiliate Link – somit ist mein Coaching kostenlos. Im Rahmen meines Coachings richtige ich den Frauen auch ihre Profile ein. Danach bekommen sie Zugang zu einem Onlineordner mit vielen Infos und Tipps. Auf WhatsApp oder mit Telefonaten können sie mir Fragen stellen. Mir ist es wichtig, das Ganze sehr individuell zu gestalten, nicht jede Frau ist gleich. Die meisten wollen anonym bleiben, das steht für mich immer an erste Stelle.

Warum ist für Frauen genau jetzt ein Berufswechsel interessant?

Manche Frauen wollen sich schon lange beruflich umorientieren, jetzt sind viele gezwungen. Viele wollten schon lange einen Fuß in die Erotikbranche setzen, haben sich aber nie richtig getraut. Für einige ist das jetzt der letzte Schups gewesen.

Welche Problematik birgt es, wenn man sich uninformiert für deinen Beruf entscheidet?

Wie in jeder Branche gibt es schwarze Schafe, nicht jeder meint es gut mit den Frauen. Zusätzlich machen Anfängerinnen viele Fehler und die Aufgabe eines Coach ist es, diese zu vermeiden. Natürlich spielen auch viele andere Themen eine wichtige Rolle wie z.B. “Brauche ich ein Gewerbe?, Muss ich Umsatzsteuer bezahlen, Wie viel Einkommenssteuer muss ich bezahlen uvm.?” Zu diesen Themen kann ich viele Tipps geben. Zum Schluss bleibt aber der Steuerberater der wichtigste Ansprechpartner.

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Wer fühlt sich in deinem Beruf wohl? Für wen ist er überhaupt nichts?

Uh, das ist ganz schwer zu sagen, das kommt auf die Frau an. Ich hatte schon Frauen, die sehr schüchtern waren, aber in dem Beruf total aufgegangen sind. Und Frauen, die sehr schlechte Erfahrungen gemacht haben mit Männern, aber den Job lieben. Trotzdem gibt es wenige, die es psychisch einfach nicht schaffen und sich „benutzt“ vorkommen. Aber grundsätzlich sind 9 von 10 Frauen sehr glücklich, den Schritt gegangen zu sein.

Ist dein Beruf gerade jetzt ein gefragter? Merkst du mehr Nachfrage?

Also, es ist unverändert, vielen Männer ist aktuell sehr langweilig, andere Männer wiederum haben weniger bis keine Privatsphäre und die Freundin ist den ganzen Tag daheim. Ich fühl mich sehr sicher, die Erotikbranche ist das älteste Gewerbe dieser Welt und, wie man sieht, jetzt auch in der Krise sehr standhaft.

Eva Krallinger-Gruber

Eva ist eine richtige Ex-Exil-Salzburgerin. Frankreich, USA, Schweiz - aber nirgends ist es wie zuhause. Journalismus, Marketing (Kosmetik und dann Bier) und eigentlich redet sie auch ganz gern.