Aus dem Magazin

Unser Redakteur hat sich waxen lassen

... und dabei zieeemlich viele Haare verloren.

Warum sollte man sich freiwillig jedes einzelne Haar vom Körper reißen lassen? Das haben wir uns auch gefragt und unseren ziemlich behaarten Redakteur zum Waxen geschickt. Ob er sich getraut hat, erfahrt ihr hier.

Mit 19 Jahren habe ich mir zum ersten Mal die Eier rasiert. Das Ergebnis fand ich damals ziemlich verstörend: Im Spiegel sah mein Unterkörper aus wie der eines mutierten 12-jährigen, mit dem Gehänge eines Erwachsenen. Seitdem wurde mit Ausnahme einer Leistenoperation nie an meiner Körperbehaarung herumgeschnippelt. Vor einigen Wochen saß ich dann abends mit einer Freundin zusammen. Nach dem vierten Bier – meine Freundin kann wirklich massive Mengen Alkohol in sich hineinschütten – verlagerte sich das Gespräch wie üblich auf Unterkörper-Themen.

Sie erzählte mir, dass sie sich seit mehreren Monaten nicht mehr die Beine rasiert hätte. Ich fand das wohl irgendwie seltsam, sie fand das aus verschiedenen Gründen eine Frechheit und nach dem gefühlt siebten Bier brüllten wir uns über irgendwelchen Mumford and Sons Hymnen gegenseitig an. Der Abend endete mit ihrer Aufforderung, ich solle mich doch auch mal waxen lassen, damit ich wüsste, wovon ich rede. Ich willigte enthusiastisch ein, um einen Punkt zu verdeutlichen, den ich nüchtern betrachtet nicht mehr wirklich nachvollziehen kann.

Waxing für Männer: Wo gibt’s denn sowas?

Am nächsten Tag machte ich mich im Internet auf die Suche nach einem Salzburger Waxing-Studio für Männer. Ich hatte erwartet, am Ende in irgendeinem Hinterzimmer in der Ignaz-Harrer-Straße zu landen. Turns out: alles Blödsinn. In der Bayerhamerstraße gibt es nämlich seit einiger Zeit ein Kosmetik-Studio, das sich voll und ganz auf Waxing spezialisiert hat  – egal ob Mann oder Frau. Bei der Lektüre der Webseite von WAX! Baby wurde schnell klar: Man kann sich so ziemlich alles waxen lassen. Ohrenhaare: 9 Euro, Pofalte: 18 Euro, Sack: 52 Euro, usw.. Nach kurzem Zögern rief ich an und vereinbarte einen Termin. Ob Pofalte oder doch nur die Beine ließ ich mir bewusst offen.

Ein paar Tage später traf ich ziemlich eingeschüchtert vor Ort ein. Eingeschüchtert vor allem deshalb, weil mir Freunde und Bekannten alle möglichen Horrorgeschichten erzählt hatten: Waxen sei mindestens so schmerzhaft wie eine Wurzelbehandlung mit gleichzeitiger Eichel-Tätowierung. Na Seavas!

Man kann so ziemlich alles waxen!

Vor Ort die Beruhigung: Als ich im WAX! Baby ankam, begrüßeten mich Chefin Sandra und Waxerin Renata freundlich. Beide wirkten nicht wirklich wie Folterknechte. Sie führten mich in den Behandlungsraum. Dort füllte ich eine Einverständniserklärung aus und dann besprachen wir mein Waxing: Die beiden wirkten fast ein bisschen enttäuscht, als ich ihnen gestand, ich würde mir beim ersten Mal lieber nur Achseln und Beine waxen lassen. Sie erklärten mir trotzdem die verschiedenen Arten von Intimwaxing und mir wurde klar, dass man mit den beiden auch als Mann ganz unverkrampft über behaarte Pofalten und Hodensäcke sprechen konnte.

Tatsächlich sind rund 40 Prozent des Klientels im WAX! Baby Männer. Einige der Kunden seien Sportler – vor allem Radfahrer und Schwimmer. Andere kämen, um sich den Rücken enthaaren zu lassen. Dann gäbe es noch jene, die sich tatsächlich Po und Hoden waxen lassen. Das nennt sich dann Brazilian Waxing (Intimbereich plus halber Hodensack) oder Brazilian Hollywood Man (alles ab!). Dabei muss man dann schon auch mal selbst mithelfen, halten und spannen, damit es sauber und schmerzfrei abläuft.

„Wenn es Sommer wird, dann ist die Arbeit hier schon manchmal ein richtiger Muschi-Marathon.“


Während mit Chefin Sandra weitere Details zum Studio und zum verwendeten Wachs erklärt, desinfiziert mich Romana und beginnt, das heiße Wachs aufzutragen. Die Berührung und das warme Wachs fühlen sich erst mal eher angenehm als schmerzhaft an. Und dann geht alles recht schnell: Mit einem gekonnten Ruck werden die Haare in Streifen abgerissen – das ist beim ersten Mal eher überraschend als schmerzvoll. Wirklich weh tut es aber auch danach nicht und das, obwohl ich von Natur aus eine ziemliche Heulsuse bin.

Während Renata meine Beine bearbeitet, erzählt sie mir mehr über ihren Arbeitsalltag. „Wenn es draußen wärmer wird, dann ist die Arbeit hier schon manchmal ein richtiger Muschi-Marathon“, erklärt sie mir. Bis zu zehn Behandlungen habe sie dann an einem Tag zu bewältigen. Im Winter sei alles ein wenig entspannter. An ihrer Arbeit mache ihr der Umgang mit Menschen Spaß. Peinlich sei ihr der Kontakt mit den Intimzonen der Kunden nicht. Im Gegenteil: Durch den engen Kontakt würden viele Kunden offener. „Man ist hier drin auch ein bisschen Psychologe“ erzählt Renata und reißt mir wieder 300 Haare von den Beinen.

„Rasiert euch, waxt euch oder lasst den Busch einfach stehen!“

Nach ca. einer Stunde Wachs-Steicherei und Reißerei ist dann alles fertig. Circa drei bis fünf Wochen hätte ich jetzt laut Aussagen der Chefin Sandra meine Ruhe vom Rasieren. Dann müsste ich wieder kommen. Preis: 48 Euro. Während ich auf meinen nackten Beinen nach Hause spaziere, denke ich über die ganze Geschichte nach. Bereue ich es? Nicht wirklich! Die Behandlung im WAX! Baby war weder peinlich noch besonders schmerzhaft und die Stunde, die ich mit der Kosmetikerin Renata verbracht habe, hat richtig Spaß gemacht.

Würde ich mich noch mal waxen lassen? Vermutlich nicht … ich mag meine Körperbehaarung und gebe 48 Euro lieber für Dates mit meiner eingangs erwähnten trinkfesten, unrasierten Freundin aus. Wenn es bei der ganzen Geschichte aber tatsächlich einen Punkt zu belegen gab, dann hat meine Freundin wohl recht gehabt: Egal ob Mann oder Frau – Rasiert euch, waxt euch oder lasst den Busch einfach stehen! Hauptsache, ihr habt Spaß dabei!

 

WAX! Baby Waxing & Beauty
Bayerhamerstraße 53
5020 Salzburg | AT

Matthias Gruber

Matthias Gruber ist ein Ur-Salzburger, der auszog, um Italien und Wien zu erobern. Gern ist er wieder zurückgekommen und macht für das Fräulein Flora wunderschöne Fotos der “Nicht-Nur-Mozartstadt”, die von witzigen Texten begleitet werden.