Kultur Literatur

Thomas Brezina im Interview

Unser Kindheitsheld steht uns Rede und Antwort.

Thomas Brezina ist zurück. Nicht nur, dass er um die Jahrtausenderwende neben dem unsterblichen Rolf Rüdiger Confetti TiVi auf eine neue Stufe gehoben hat. Er war auch der wahrhaftige Held hinter der Knickerbockerbande und hat die Generation Fernsehen vor dem totalen Analphabetismus bewahrt- danke Thomas.

Jetzt hat er den Sprung in die sozialen Medien geschafft und sich zum sagenhaftesten Instagram-Phänomen gemausert- und bewahrt uns diesmal wahrscheinlich vor der gefürchteten FOMO durch allgegenwärtige Influencer. Während Thomas Brezina also mit einem Zinnschwein durch seine Wahlheimat London jagt (seine Insta-Stories sind wirklich zu empfehlen), hat er nebenbei noch ein weiteres Buch geschrieben: Die Knickerbockerbande4immer: Alte Geister ruhen unsanft. Lesen sollen und können das alle groß gewordenen Knickerbockerleser*innen. Mit seinem neuen Roman ist Brezina nun also auf Lesetour durch Österreich. Wir haben uns Kostproben daraus in der Stadtbibliothek Lehen zu Gemüte geführt und hatten das Glück, unserem Kindheitshelden ein paar Fragen zu dem neuen Buch und dem neuen Leben als Social Media Phänomen stellen zu dürfen.

Du hast die Social Medias für dich entdeckt. Wieviel Zeit investierst du, deine Fans zu unterhalten?

Jeden Tag ein bisschen Zeit, manchmal mehr, manchmal weniger. Im Schnitt eine gute Stunde.

Deine Instagramstories halten dich selbst auch ganz schön auf Trab. Kannst du auch durch London gehen, ohne dass sich in deinem Kopf eine nächste Geschichte zusammenspinnt?

Geschichten fallen mir immer viele ein und in London ganz besonders. Zum Glück habe ich so viele tolle Schauplätze rund um meine Wohnung.

Warum hat die Knickerbockerbande damals ihr Handwerk niedergelegt?

Das tut sie nur im Erwachsenen-Buch, die Kinderabenteuer gehen weiter. ALTE GEISTER RUHEN UNSANFT beginnt mit einem tragischen Unfall, der die Bande zerbrechen lässt.

Die Knickerbockerbande sind die einzigen Helden unserer Kindheit, die erwachsen geworden sind. Warum will man als Autor, dass seine Figuren altern?

Mir ging es mehr um die Frage, was aus ihnen geworden ist. Ich wollte sie erwachsen wieder treffen und auch ein wenig Bilanz ziehen lassen. Das ist gut Anfang oder Mitte 30.

Wer wird dein neues Buch lieben? Und wer nicht?

Was ich so lese, lieben viele mein Buch, die als Kinder schon Knickerbocker gelesen haben, aber es kommen auch ganz neue Leser überraschenderweise. Das freut mich sehr.

Wie gehst du mit Kritik um?

Kritik nehme ich von Menschen aus meinem Umfeld, denen mein Werk und ich wichtig sind und die die fachliche Basis haben oder einfach nur ein gutes Gespür. Bei ihnen weiß ich, dass es ihnen um eine Verbesserung MEINES Stils und Inhalts geht und nicht um Besserwisserei oder Nörgelei.

Was ist für dich der Unterschied, wenn man für Kinder schreibt oder für Erwachsene?

Das Alter der Personen und der Fall, der bei Erwachsenen etwas „härter“ sein kann. Die Themen vieler Gespräche sind anders natürlich und die Motivationen auch.

Hast du während des Schreibens ein Bild von deinem potenziellen Leser im Kopf? Wenn ja, wie stellst du ihn dir vor?

Ja, ich stelle mir Menschen vor, die vor mir sitzen und denen ich erzähle. Entweder Kinder oder Erwachsene. Nur wenn ich das Gefühl habe, dass sie mir gut zuhören, schreibe ich das auch so hin.

Das Raunzen in Österreich, sagst du, hält die Menschen oft zurück, zu handeln. Hast du deshalb in England eine neue Heimat gefunden?

Ja, London ist dynamisch, dort herrscht der Geist des „Erschaffens“ und das tut gut. London inspiriert mich seit vielen Jahren und deshalb bin ich gerne dort.

Dürfen wir uns auf ein Comeback der Knickerbockerband freuen, oder handelt es sich bei deinem neuen Buch „Alte Geister ruhen unsanft“ eher um einen nostalgischen Akt?

Es war geplant als Einzelbuch, aber ich bin traurig geworden, als es zum Ende kam und deshalb gibt es schon einen Cliffhanger. Die Chancen für einen Band 2 stehen bereits bei 51%! 😉

Veronika Ellecosta

Veronika Ellecosta ist aus Südtirol ausgewandert, des Studiums und des Auswanderns wegen. Ist in Salzburg angekommen. Hat bei Fräulein Flora Unterschlupf gefunden und begonnen, die Stadt schreibend zu erkunden und damit immer wieder aufs Neue anzukommen.