Corona Couch
Aus dem Magazin

#stayhome: Wie schwierig es plötzlich sein kann, auf einer Couch zu sitzen.

Ein Alltag zwischen Wohnzimmer-Blues und Wochenplanung.

Seit ein paar Tagen sind wir alle angehalten, möglichst keine sozialen Kontakte zu pflegen und möglichst viel zuhause zu bleiben. Kann ja nicht so schwer sein, oder? Da gibt es jede Menge Serien, die man schon immer anschauen wollte und der Frühjahrsputz, für den sonst nie Zeit war, wird plötzlich mit großer Vorfreude herbeigesehnt. Unsere Redakteurin tut sich mit der neuen Situation aber alles andere als leicht. Sie hat ihre Gedanken dazu aufgeschrieben.

Als wir letzten Donnerstag beschlossen haben, ab jetzt nur noch von zuhause aus zu arbeiten, packe ich meinen Laptop, die Notizen aus dem Büro und mein Firmenhandy ein und stelle mich auf ein paar Tage Home Office ein. Als die Regierung einen Tag später neue Corona-Maßnahmen für Österreich ankündigt, wird mir klar, dass aus den paar Tagen wohl eher ein paar Wochen werden.

Heute klappe ich zum vierten Mal meinen Laptop am Küchentisch auf. Rundherum liegen Zettel und Stifte, neben mir steht eine Kaffeetasse von gestern, hier und da habe ich Telefonnotizen der vergangenen Tage auf ein Stück Papier gekritzelt. Eigentlich ein ganz normaler Büroalltag, nur eben anders. Zählt man das Wochenende dazu, sind es bereits sechs Tage am Stück, in denen ich nicht nur auf Home Office ungestellt, sondern auch kaum die Wohnung verlassen habe. Die wenigen Ausnahmen bestanden aus Müll rausbringen und zwei kurzen Spaziergängen an der frischen Luft.

„Your grandparents were called to war. You’re being called to sit on a couch. You can do this.“

Die Situation ist komisch für mich, ich fühle mich isoliert und eingesperrt. Dabei dürfte ich ja theoretisch rausgehen und so richtig alleine bin ich auch nicht. Mein Freund und meine zwei Katzen leisten mir hier auch noch Gesellschaft. Ich verbringe die Vormittage einigermaßen konzentriert im Home Office, koche zu Mittag etwas, arbeite am Nachmittag noch ein bisschen und greife dann meistens zum Handy, um zu schauen, was sich in Sachen Corona so tut. Je mehr ich mich durch die Berichte klicke, desto tiefer werden meine Stirnfalten. Schon zach, was da abgeht. Dann erscheint auch noch – eher als Randnotiz – eine Meldung über die desaströsen Zustände im Flüchtlingslager auf Lesbos. Ich habe das Gefühl, der Welt dabei zuzuschauen, wie sie sich selbst zerstört.

Plötzlich werde ich aus meinen Gedanken gerissen. Giancarla, eine meiner Katzen, möchte Aufmerksamkeit. Sie könnte sich durchaus daran gewöhnen, dass wir jetzt so viel Zeit miteinander haben. Ich streichle ihr ein paar Mal über den Kopf, sie bedankt sich mit einem lauten Schnurren. Zum ersten Mal an diesem Tag muss ich lächeln. Dabei stelle ich mir die Frage, ob ich vielleicht selbst Schuld an meinen negativen Gedanken bin. Immerhin suche ich freiwillig zehn Mal am Tag nach negativen Meldungen, anstatt mich mit positiveren Dingen zu beschäftigen.

Ich werfe einen letzten Blick auf Instagram, wo es nicht viel besser ist, bevor ich das Handy wieder beiseitelege. Dann überlege ich kurz, was ich als nächstes erledigen könnte: Staubsaugen, Fenster putzen, Kaffeemaschine entkalken? Nein, dafür kann ich mich jetzt nicht motivieren. Ebenso wenig für die anderen Tipps, die zuhauf im Internet kursieren: Vom Dankbarkeits-Tagebuch bis zum Picknick am Balkon oder dem Lernen einer neuen Sprache. Das alles klingt schön und gut, aber come on, wer arbeitet schon wirklich eines dieser hippen To Dos nach dem anderen ab?

Wochenplanung 2.0

Ich frage mich, ob es normal ist, mit der „gewonnenen Zeit“ nichts anfangen zu können. Und ob es nur mir so geht? Ich greife wieder zum Handy und finde viele Artikel zum Thema soziale Isolation und deren Auswirkungen auf die Psyche. Dass das gar nicht so ohne ist und im schlimmsten Fall zu psychischen Krankheiten führen kann. Oha! Den meiner Meinung nach besten Text für meine Situation gibt es bei Ze.tt. Hier wird man angehalten, nicht zu viel Zeit auf Social Media zu verbringen und sich bei der Recherche nach Corona an Medien zu halten, die seriöse Informationen bereitstellen. Außerdem wichtig: Bewegung! Damit ist nicht unbedingt die YouTube-Yoga-Einheit im Wohnzimmer gemeint, sondern vor allem Bewegung an der frischen Luft. Geht spazieren oder fahrt eine Runde mit dem Radl. Aber alleine!!! Außerdem wird geraten, tägliche Telefondates zu vereinbaren und halbwegs bei den Routinen, wie Essens- und Schlafenszeiten, zu bleiben.

Ich sags wie es ist: Für mich ist es nicht einfach, sich an Tipps und Ratschläge zu halten, die fremde Autor*innen für einen parat haben. Ich bin weder der Typ für „ab jetzt jeden Mittwoch Yoga“, noch für „ab heute ändere ich meine Gewohnheiten“. Deshalb habe ich versucht, einen Mittelweg zu finden und Dinge so einzuplanen, wie sie für mich eventuell funktionieren könnten. Die Betonung liegt auf eventuell.

Ich habe einen Wochenplaner entworfen, weil es mir Spaß macht, Dinge zu strukturieren. Wer mag, kann sich diesen weiter unten als Blanko-Vorlage runterladen. Ich zeige euch auch, wie meine persönliche Vorlage aussieht, vielleicht hilft euch diese als Inspiration. Grundsätzlich habe ich mir vorgenommen:

– 1x pro Woche einkaufen zu gehen
– 1x am Tag mit irgendjemanden zu telefonieren (Mama, beste Freundin, Arbeitskollegen, etc.)
– 1x am Tag rauszugehen. Dabei ist es ganz egal, ob für fünf Minuten oder für eine Stunde.
– Den Vormittag nutze ich konzentriert für Home Office, am Nachmittag versuche ich es, so gut und lange es geht. Wenn ihr das nicht habt, haltet euer Gehirn anderweitig auf Trapp. Löst Rätsel, bildet euch weiter, bringt euch mit Online-Tutorials etwas neues bei. Ich gehe zum Beispiel jetzt endlich das Thema Videoschnitt an.
– Mittags und abends koche ich ausgiebig, auch das macht mir Spaß. Vielleicht mal neue Gerichte, oft auch gewohntes, manchmal backe ich. Alleine deshalb, weil ich den Duft von frisch gebackenem Brot so gerne mag.

That’s it. Für den Anfang erscheint mir das realistisch. Wer dann noch immer voller Tatendrang ist, kann ja zum Putzlappen greifen, ein Buch lesen oder ein Dankbarkeits-Tagebuch schreiben. Hauptsache, euch fällt die Decke daheim nicht auf den Kopf.

> Wochenplaner-Vorlage #stayhome zum Download <<

Titelbild: Photo by Inside Weather on Unsplash

Miriam Kreiseder

Miriam hat ihre Zelte in Wien, Kufstein und Porto aufgeschlagen, bevor es sie wieder nach Salzburg gezogen hat. Am liebsten schreibt sie über Musik und Alltagsgeschichten.