Eigentlich arg, dass wir das jetzt schreiben müssen, aber es fühlt sich wichtig an.
Seit alles, also wirklich alles so teuer geworden ist, überlegen auch wir dauernd, welche Kosten wir streichen können. Urlaub war nie ein großer Ausgabeposten bei uns. Trotzdem haben wir heuer wieder gewissenhaft geschaut: Was könnte man machen? Wo könnten wir hinfahren? War halt alles so extrem teuer, dass wir es dann einfach gelassen haben. Stattdessen haben wir ein viel kleineres Budget aufgewendet und sind in Salzburg geblieben.
Freibad forever: Das Gefühl der Kindheit zurückholen
Viele Erwachsene, die wir kennen, würden nie ins Freibad gehen, weil es ihnen schlichtweg zu grausig ist. Diese Erwachsenen haben aber in vielen Fällen auch ein eigenes Pool oder einen privaten Seezugang. Wir sind da nicht so hoaglig und haben uns auch für diesen Sommer eine Saisonkarte für die Salzburger Freibäder geholt. Der Unterschied zu den Vorjahren: Wir haben tatsächlich sehr viel Zeit im Freibad verbracht und gefühlt täglich einen neuen persönlichen Speed-Rekord auf der Lepi-Rutschen aufgestellt. So viel, dass zwischendurch ein längst vergessenes Gefühl wieder Hallo gesagt hat. Das Gefühl der Ruhe, weil der Sommer noch ewig dauert und die Zeit keine Rolle mehr spielt. Unbezahlbar. Oder zumindest recht billig, weil die Saisonkarte für Familien knapp unter 100 Euro kostet.
Freund*innen getroffen, aber ohne Zeitstempel
Letztens haben wir mit einer älteren Frau gesprochen, die selber Enkelkinder hat. Und sie gefragt, was damals anders war, als ihre Kinder klein waren. Sie meinte, die ganzen Strukturen der Gesellschaft, da gab’s keine Playdates, sondern Kinderrudel, die ganztags um die Häuser zogen. Die Kinder sind zum Essen und Schlafen heim und die restliche Zeit hat man sie nicht gesehen. Die Zeiten sind vorbei, zumindest für alle, die nicht in Siedlungen wohnen. In den Ferien haben wir unsere eigenen Rudel gebildet, Erwachsene und Kinder, und haben ganz viel Zeit miteinander verbracht. Unter anderem im Freibad, aber auch anderswo. Kein Kind musste in die Schule, kein*e Erwachsene*r in die Arbeit, alles, was wir tun mussten, war Care-Arbeit, aber das ist ja schließlich keine Arbeit.
Die tausend Möglichkeiten nutzen, die uns die Stadt bietet
Parks, Pumptracks, kostenlose Sporteinheiten, Fußball-Cages, Volleyball-Plätze, Live in Salzburg, Feste, die Altstadt an Jedermann-Tagen gegen 20 Uhr: Die Stadt Salzburg und viele ganz Organisationen macht sich sehr viel Mühe, ein ordentliches Angebot zu schnüren, damit niemandem im Sommer fad sein muss. Einzige Aufgabe: das Angebot durchblicken und nutzen. Wir haben in den zwei Wochen bei ganz vielen Sachen mitgemacht und so gut wie keinen Cent ausgegeben, aber extrem viel erlebt. Für manche ganz selbstverständlich, für uns war es neu, das Angebot in dem Ausmaß selbst zu erleben und nicht nur darüber zu berichten.
Lesen, lesen, lesen und ganz viel Zeit in der Stadtbibliothek
Urlaub natürlich super, aber bei 38 Grad dauert es lange, bis die Wohnung sicher verlassen werden kann. Wir waren sehr oft in der Stadtbibliothek, haben jede Menge gelesen und ganz viel Pacman gespielt. Die Bibliothek ist klimatisiert und war an den meisten Tagen quasi leer. Wir haben uns sehr wohl gefühlt! Aja, auch nicht unwichtig: Weil wir nicht jeden Arbeit nach dem Küche zusammenräumen zusammengebrochen sind, hatten wir Kraft zum Fernsehen und haben die beiden Serien „Please Like me“ und „Five Bedrooms“ gebinched. Ab jetzt sind wir Fans von australischen Produktionen.
Literatur übers Putzen - auch nie ein Fehler
Aufräumen, herumräumen, aussortieren, Lieblingsessen kochen und backen
Schlimmstes für uns: entrümpeln. In der normalen Arbeitszeit wiegt die Ausrede des Zeitmangels sehr schwer und ist für uns ein Grund, das „Klumprama“ einfach zu ignorieren. Aber dieser Urlaub hat uns Zeitfenster zum Hingreifen angeboten und wir haben sie angenommen. Die Wohnung ist organisierter denn je und wir können wieder atmen. Auch schön war, dass wir ungewöhnlich viel Zeit in der Wohnung verbracht haben und uns dann Speisen gekocht haben, auf die wir richtig Lust hatten, egal wie aufwendig. Auch wieder so eine Sache, die manche vielleicht regelmäßig machen, für aber höchst ungewöhnlich.
Über die Zukunft nachdenken
Es ist erschreckend, wie sehr wir im Tun sind und wie wenig Zeit bleibt, über egalwas nachzudenken. Dabei wäre es so wichtig, dieses Nachdenken, um nicht dauernd die gleichen Fehler zu wiederholen. Wir haben alles aufgeschrieben: was uns nervt, was wir anders haben wollen, was wir gut finden. Und irgendwie macht die Liste wieder Mut für den Herbst und die Zeit, in der die Schnelligkeit den Müßiggang vertreibt und wir uns wieder kollektiv fürchten vor der KI-Superintelligenz, die uns in im Endeffekt auslöschen wird. Naja.
Fazit: Wir werden es wieder tun!
Urlaub in Salzburg war gut. Statt Stress bei einer Rückreise und einen riesen Berg Wäsche waren wir ausgeruht, sind nicht pleite (zumindest nicht mehr als vorher), haben ausreichend gerastet, aber auch jede Menge erlebt. So, jetzt haben wir das auch aufgeschrieben.