Skaten in Salzburg
Aus dem Magazin

Skaten in Salzburg: Egal wo, egal wie?

Wir haben uns in Salzburgs Skaterszene umgesehen und eines ihrer Aushängeschilder getroffen.

Die Skaterszene in Salzburg ist klein, aber fein und Philipp Josephu eines ihrer Aushängeschilder. Bei einem Kaffee hat der Sk8erboy uns mehr über das Skaten zwischen Kleinstadt und internationaler Bühne erzählt und über das Lebensgefühl auf dem Board.

Fotos: Michael Grössinger

Angefangen hat das bei Philipp Josephu ganz klassisch: Mit 13 hat er das Skaten vom großen Bruder abgeschaut und selbst ausprobiert. Heute, 14 Jahre später, macht er das immer noch mit derselben Leidenschaft. Mittlerweile gehört er auch zu den Stars in der österreichischen Skateszene und gibt seine Tricks auf internationalen Contests zum Besten. Eigentlich sagt er, geht es ihm aber nicht um den Wettkampf. Skaten ist kein Wettkampfsport, kann nicht in Dimensionen wie Geschwindigkeit, Weite oder Toranzahl gemessen werden. Da geht es um die Kreativität, sich immer neue Tricks auszudenken, alte neu zu kombinieren, die Unbegrenztheit der Möglichkeiten nie ganz ausschöpfen zu können.

Phil Josephu
Foto: Michael Grössinger

In den Jugendjahren hat er es auch immer wieder mit anderen Sportarten probiert, Tennis, Trampolin, Leichtathletik. Lieben gelernt hat er nur das Skaten und je besser man wiederum wird, desto mehr liebt man es. „Es gibt keinen Trainer, der dich zu bestimmten Zeiten her ordert, du bist dein eigener Coach.“ Wenn man skaten gehen will, dann macht man das auch. Philipp macht das dann im besten Fall mehrere Stunden am Tag, je nach Wetter und Zeitressourcen. Es ist nichts für Menschen, die einen Fitnessplan brauchen, um sich zu motivieren und dran zu bleiben. Wer skatet, meint Philipp, ist ein absoluter Individualist. Vielleicht hat es deshalb nie mit Fußball geklappt bei ihm, meint er schmunzelnd. Vor allem aber braucht man Geduld und eisernen Willen. Man muss schon zwei, drei Jahre einplanen, bis ein Anfängertrick klappt. Außerdem muss man hart im Nehmen sein, man fällt ja immer wieder auf Beton. Selbst hat es ihn in seiner Karriere nur dreimal auf den Kopf gehauen, das letzte Mal ist auch schon wieder acht Jahre her.

Skaten in Salzburg Phil Josephu
Foto: Michael Grössinger

Weil das Verletzungsrisiko so hoch ist, hören die meisten in frühen Jahren auf. Vielleicht ist der Sport auch deshalb noch Männerdomäne. „Den Mädels taugt das nicht, wenn man sich ständig was blutig haut. Aber sie holen auf, mittlerweile gibt es auch schon viel mehr Frauen in der Szene.“ Seine Freundin zum Beispiel. Die fährt auch schon gleich lange wie er selbst auf dem Board durch die Welt.

Grundsätzlich gilt es beim Skaten zu unterscheiden zwischen Street und Park. Parks sind auf die Bedürfnisse der Skater zugeschnittene Betonbowls und -rampen, wie sie wohl jede*r aus dem eigenen Ort kennt. Philipp selbst zählt sich zu Team Street. Die Philosophie, alles zum Skaten zu nutzen, was sich anbietet, gefällt ihm. „Als Skater sucht man die Herausforderung, weniger das künstliche Präparierte.“ Egal wo, egal wie, ist die Devise. Am schönsten ist das in Salzburg beim Unipark Nonntal, der 2011 wahrscheinlich eher unbewusst mit seinen Betonelementen als Skaterparadies fertiggestellt wurde. Aber mit der Begeisterung kamen auch schnell die Stimmen der Empörten, erzählt er. Anrainer hatten sich über Lärmbelästigung beschwert und der Universität mit einer Klage gedroht. Irgendwann gab es dann eine Krisensitzung, Philipp war als Vertreter der Salzburger Skater vor Ort. Ein Kompromiss waren geregelte Zeiten für Skaten im Unibereich, mittlerweile hängt dort ein Schild: Skaten verboten. Das sei aber nur aus versicherungstechnischen Gründen, meint er.

Sowas macht Skaten so mühsam. Es gibt immer noch so viele Menschen, die es aus dem Stadtleben verdrängen und den Sport nicht als solchen anerkennen wollen. „Viele denken, wir hüpfen halt nur so blöd rum.“, sagte er bitter. Rechtlich gesehen befindet es sich auch in einem Graubereich. Soll heißen: Skaten kann man eigentlich so ziemlich überall, sofern man die Ruhezeiten einhält. Trotzdem wird es immer Anrainer geben, die sich gestört fühlen. „Sie rufen dann die Polizei, die kommen dann und sagen: Geht woanders hin skaten. Aber die wissen eigentlich, wie lächerlich das ist. Anfangs scheißt man sich natürlich noch an, wenn jemand gleich mit Polizei droht, irgendwann ist dir das dann egal.“ Er findet das schade, weil in einem urbanen Umfeld Skaten zum Stadtbild dazu gehören sollte. In Salzburg fehlt eine Kultur für Junge. Der frustrierende Kampf, mehr Akzeptanz für Skater zu schaffen, zeigt das immer wieder aufs Neue. Oder es liegt daran, dass Skaten noch immer im Verruf ist. Viele bringen das immer noch in Verbindung mit Alkohol und Drogen. Zu Unrecht, wie er findet. „Skater haben durchaus hohe sportliche Ambitionen, es sind auch alle Schichten vertreten: Ich kenne in Salzburg Arbeitslose genauso wie Ärzte, die aufs Board steigen.“

Einen weiteren Kompromiss hat es dann doch gegeben: Vor einigen Jahren wurde der Cage Skatepark in der Alpenstraße unter der Hellbrunner Brücke gebaut. Auf 1300 Quadratmetern findet das Skaterherz fast alles, was es begehrt: Pools, Backyardbowls, Stairsets. Einmal jährlich findet dort auch der Cage Fight Skateboard Contest statt, der schon über die Landesgrenzen hinaus Berühmtheit erfahren hat. Fast alles? Flutlichter gibt es nicht, was heißt, dass der Freude des Skatens an dunklen Wintertagen um 16 Uhr ein Ende gesetzt wird. „Wahrscheinlich hat man Angst vor wütenden Anrainern.“ Philipp kann nur mutmaßen. Die Stadt Salzburg hat auch keiner Finanzierung einer Halle zugestimmt, aus finanziellen Gründen. Die nächsten Hallen befinden sich in Innsbruck und Linz. Bleibt den Skatern nichts anderes übrig, als bei Bedarf auf die Nachbarstädte auszuweichen. Am Ende gilt wohl doch die Devise, die Philipp als Streetskater schon in Fleisch und Blut übergegangen ist: Egal welches Hindernis, egal wie.

Veronika Ellecosta

Veronika Ellecosta ist aus Südtirol ausgewandert, des Studiums und des Auswanderns wegen. Ist in Salzburg angekommen. Hat bei Fräulein Flora Unterschlupf gefunden und begonnen, die Stadt schreibend zu erkunden und damit immer wieder aufs Neue anzukommen.